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Erfindung des Autos und Anfänge der deutschen Autoindustrie

Foto: Carl Benz (vorn) und Friedrich von Fischer im Patentmotorwagen Nummer 1 mit Halbverdeck (1886) / erstes Automobil mit Verbrennungsmotor, Einzylinder-Viertaktmotor mit 0,9 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 16 km/h, Verbrauch ca. 13 l. auf 100 km. (c) picture allianceWenige Erfindungen haben eine solche Auswirkung auf das alltägliche Leben gehabt wie die Erfindung des Autos. Heute ist das Auto das meist benutzte Transportmittel, und es fällt nicht leicht sich in eine Zeit zu versetzen, in der man sich am schnellsten zu Pferd oder in einer Kutsche fortbewegen konnte. Seit Mitte des 19. Jahrhundert träumte man von einem Fahrzeug, das sich aus eigener Kraft bewegen konnte. Daher der Name Automobil (aus dem Griechischen auto=selbst, mobilis=beweglich). Französische, englische und deutsche Erfinder arbeiteten an einem Motor, der stark genug sein würde, ein Fahrzeug anzutreiben. Besonders deutsche Erfinder spielten eine wichtige Rolle beim Bau der ersten Autos, was sich nachhaltig auf die deutsche Industrie ausgewirkt hat. Noch heute ist die Autoindustrie die wichtigste Branche der deutschen Wirtschaft und deutsche Autos werden weltweit exportiert.


Carl Friedrich Benz (undatierte Aufnahme). Der Ingenieur und Automobilkonstrukteur Carl Friedrich Benz gründete 1883 die Firma Benz & Cie., Rheinische Gasmotorenfabrik, die sich 1926 mit der Daimler-Motoren- Gesellschaft zur Daimler-Benz AG zusammentat (c) dpa - BildarchivAls Carl Benz (1844-1929) geboren wurde, hatte das Zeitalter der Eisenbahn gerade begonnen. Das Reisen wurde schneller und einfacher, wenn auch abhängig von Eisenbahnnetz und Zugfahrplan. Der nächste Schritt sollte das Automobil sein, das individuelles Reisen ermöglichen würde. Der erste Gasmotor war von Etienne Lenoir in Paris gebaut worden. Der Motor war zwar nicht sehr stark, dafür aber leise, zuverlässig und viel kleiner und sauberer als ein dampfbetriebener Motor. Dampfmaschinen waren schon als Antrieb für Kutschen benutzt worden, aber aufgrund ihres Kohlen- und Wasserbedarfs und ihrer Tendenz zu explodieren für den Straßenverkehr nicht geeignet.

Carl Benz, der technisch sehr versiert war und großes Interesse an Dampfmaschinen und Gasmotoren hatte, setzte es sich in den Kopf, ein motorisiertes Fahrzeug zu bauen. Dabei orientierte er sich an Lenoirs Motor mit Verbrennungskammer, versuchte jedoch einen stärkeren Motor zu bauen. Dass Lenoirs Motor nicht stark genug war, um ein Fahrzeug anzutreiben, wußte er von dessen Testfahrt, die bei einer Strecke von 9 km 3 Stunden gedauert hatte. Benz brauchte zwei Jahre, um einen stärkeren Motor zu bauen. Andere Erfinder versuchten ebenfalls Lenoirs Modell zu verbessern. So baute der Österreicher Julian Hock in der gleichen Zeit einen Zweitakter, der mit Benzin lief. Sieben Jahre später patentierte Nikolaus Otto seinen Viertaktmotor. Nachdem die Finanzierung gesichert war, versuchte Benz daraufhin, seinen eigenen Viertaktmotor zu bauen.

Benz' Idee war im Grunde nicht neu, und schon andere Erfinder hatten Benzinmotoren in hölzerne Wagen eingebaut. Diese waren aber nicht für diesen Zweck konstruiert worden, sondern waren die gleichen, die sonst von Pferden gezogen wurden. Benz verstand jedoch, dass ein motorbetriebenes Fahrzeug sich grundsätzlich von einer Kutsche unterscheiden musste. Da ein dreirädriges Fahrzeug leichter zu steuern ist als eines mit zwei Vorderrädern, baute er zuerst ein dreirädiges Fahrzeug. Ein weiteres Problem war das Getriebe. Damit das Fahrzeug auch gut in der Kurve fährt, war es notwendig, dass sich die Räder mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten drehen konnten. Glücklicherweise konnte Benz auf das von James Starley erfundene Differentialgetriebe zurückgreifen. Obwohl Benz erstes motorisiertes Fahrzeug eine große technische Leistung war, konnte er selbst seine Geschäftspartner nicht überzeugen, dass er damit etwas Nützliches geschaffen hatte. Es schien ihnen unwahrscheinlich, dass jemand ein Fahrzeug haben wolle, das nicht schneller als ein Pferd und reparaturanfällig war und außerdem ständig Treibstoff brauchte. 1890 wechselte Benz seine Geschäftspartner und langsam begann sich der Erfolg einzustellen. Benz' Autos wurden nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, Belgien, Russland, Österreich und Südamerika verkauft.

Der sogenannte Daimler-Reitwagen steht im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart (Foto vom 11.08.2010). Ein hölzernes Zweirad, das mit seinen Stützrädern ein bisschen komisch aussieht, hat vor 125 Jahren ein neues Zeitalter eingeläutet. (c) dpaIm Gegensatz zu Benz war Gottlieb Daimler (1834-1900) vorrangig daran interessiert, einen Motor zu bauen, der klein war, wenig wog und gut funktionierte. Um so viel wie möglich über Lenoirs Motor zu erfahren, fuhr er nach Paris, um Lenoir kennenzulernen. Das Treffen bekräftigte Daimler in seinen Plänen und er reiste anschließend nach England, um sich dort über den neuesten Stand im Maschinenbau zu informieren. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete Daimler mit Nikolaus Otto zusammen. 1881 gründete er sein eigenes Geschäft und versuchte einen Motor zu bauen, der sowohl ein Straßenfahrzeug als auch ein Boot antreiben konnte. Er entwarf und baute drei Motoren. Aus Geldmangel installierte er einen davon an einem Zweirad und schuf so das erste Motorrad. Der Vorteil der Daimler-Motoren lag darin, dass sie universell einsetzbar waren. 1889 bauten Daimler und sein Partner Wilhelm Maybach einem vierrädigen Fahrzeug einen stärkeren Motor ein. Durch seine Erfindung wurde die Herstellung von Fahrzeugen dieser Art in großer Anzahl möglich. Daimler war sich des wirtschaftlichen Potentials seiner Erfindung bewusst und gründete 1890 die Daimler-Motoren Gesellschaft. Er starb zehn Jahre später.

Noch in den 90er Jahren des vorletzten Jahrhunderts bauten Benz & Cie. den ersten Omnibus und die Daimler Motoren Gesellschaft den ersten LKW. Beide Firmen expandierten und begannen außer Fahrzeugen auch Flugmotoren und Flugzeuge herzustellen. Später beteiligten sich beide Unternehmen an der Kriegsproduktion des Ersten Weltkriegs. 1929 fusionierten die beiden Firmen, um trotz der Wirtschaftskrise weiter bestehen zu können.

Dass man in der Regel Benz statt Daimler als den "Vater des Automobils" betrachtet, beruht weniger auf ihren individuellen Errungenschaften als auf ihren unterschiedlichen Ansätzen. Während Benz von vornherein ein motorisiertes Fahrzeug bauen wollte, lag Daimler daran, einen Antriebsmotor zu schaffen, der variabel einsetzbar war. Erstaunlicherweise haben Daimler und Benz sich nie kennengelernt, obwohl sie in nächster Nähe lebten.

Photo of a painting by Alexander Fuks from 1898 which shows the engineer Rudolf Diesel who was born on 18th March 1858 in Paris and lost his life during the crossing to England on 30th September 1913. (c) picture allianceRudolf Diesel (1858-1913) wurde durch seine Erfindung des Hochdruckverbrennungsmotors bekannt. Er stellte sein erstes Modell 1893 fertig. Da Diesel-Motoren sich als weitaus effizienter als andere zu der Zeit existierende Motoren erwiesen, wurden sie bald in der ganzen Welt verkauft und wurden sowohl bei Schiffen als auch bei der Bahn und Straßenfahrzeugen eingesetzt. Obwohl Diesels Erfindung mehr als hundert Jahre alt ist, hat sie nichts von ihrer Bedeutung verloren. Die Nachfrage nach Diesel-Motoren besteht nach wie vor, da es keine wirtschaftlichere Wärmekraftmaschine gibt. Diesel-Motoren werden heute vor allem in Schiffen, schweren Landfahrzeugen und Kraftwerken eingesetzt.

Der Automobil-Konstrukteur Ferdinand Porsche (1875-1951) in einer zeitgenössischen Aufnahme. Mit der Konstruktion des Volkswagens verhalf er der Kleinwagenidee zum Durchbruch. (c) dpa - ReportFerdinand Porsche (1875-1951) wurde in einem kleinen Dorf in Böhmen geboren, das zu der Zeit zu Österreich-Ungarn gehörte. Sein Vater, der Klempner war, hoffte, Ferdinand werde den elterlichen Betrieb übernehmen, aber dieser interessierte sich schon recht früh für Maschinenbau und technische Neuerungen aller Art. Nach einer steilen Karriere wurde er mit 26 Jahren technischer Leiter bei der österreichischen Niederlassung von Mercedes-Benz und ging später zum Hauptsitz der Firma nach Stuttgart. 1931 gründete er sein eigenes Ingenieurbüro. Ferdinand Porsche zeichnete sich dadurch aus, dass er technische Perfektion mit innovativem Design kombinierte. In der Vorkriegszeit entwickelte Porsche Luxus- und Sportwagen. In den dreißiger und vierziger Jahren arbeitete er eng mit dem Nazi Regime zusammen, was ihm später zur Last gelegt wurde. Porsche interessierten geschäftliche Angelegenheiten nur insoweit, als dass sie ihm erlaubten, seine Ideen umzusetzen. Von Privatfirmen fühlte Porsche sich bei seinen Projekten schnell gegängelt, da sie seinen Plänen aus finanziellen Gründen oft Grenzen setzten. Bei seiner Arbeit für den Staat bzw. die Nazi Regierung konnte er weitgehend seine Arbeit selbst bestimmen, was ihm sehr entgegen kam. Porsche bekam von Hitler den Auftrag, dessen Wahlversprechen eines Volkswagens, also eines Wagens, der für jedermann erschwinglich war, einzulösen. Mit dem Volkswagen sollte das Auto endgültig von einem Luxusartikel zur Massenware werden. Dazu kam es aber vor dem Krieg nicht mehr, da die Kriegsproduktion bald die zivile Produktion verdrängte.


Anfänge der Autoindustrie

1901 wurden insgesamt 900 Autos in Deutschland produziert. Acht Jahre später war die Anzahl der Autohersteller von 12 auf 50 gestiegen und die Autoproduktion auf 9 500 angewachsen. Die industrielle Entwicklung wurde in Deutschland durch den ersten Weltkrieg unterbrochen, da die Produktion auf Kriegsfahrzeuge umgestellt wurde. Nach dem Krieg hatten die deutschen Hersteller Mühe, international den Anschluß zu finden, aber ihre Zahl nahm trotzdem weiter zu. In den zwanziger Jahren gründeten ausländische Firmen wie Peugeot und Ford Niederlassungen in Deutschland, und viele deutsche Hersteller gingen bankrott. Andere wie Benz & Cie. und die Daimler-Motoren Gesellschaft, schlossen sich zusammen, um überleben zu können.

Autorennen wie z.B. die Prinz-Heinrich Fahrten wurden bald zu beliebten Veranstaltungen, die zur Popularisierung des Autos und einzelner Marken beitrugen. Bei einem Rennen konnten potentielle Kunden den unterschiedlichen technischen Stand verschiedener Modelle gut vergleichen. Dass bei Rennen neben der Aristokratie, die Reichen und Berühmten unter den Zuschauern waren, trug zur Faszination der Rennen bei und machte sie dem breiten Publikum noch interessanter. In den 20er Jahren setzte der langsame Wandel des Autos vom Luxusartikel zum Massenprodukt ein.

1928 wurden 100 000 Personen- und 21 000 Nutzfahrzeuge gebaut. Da die Nachfrage nach Autos ständig stieg, wuchs auch der Import aus den USA, Frankreich und Großbritannien. Die deutsche Autoindustrie hatte Schwierigkeiten, im internationalen Wettbewerb zu bestehen, welche durch die Weltwirtschaftskrise 1929 noch verschlimmert wurden. Zu Beginn der dreißiger Jahren führte die steigende Nachfrage dazu, dass die Industrie wieder florierte. Doch schon Mitte der 30er Jahre wurde sie erneut auf Kriegsproduktion umgestellt, was die zivile Produktion wieder unterbrach. Während des Zweiten Weltkriegs wurden ausschließlich Kriegsfahrzeuge hergestellt.

Nach dem Krieg entwickelte sich die Autoindustrie schnell zur wichtigsten Wirtschaftsbranche in Deutschland. Die Autohersteller Mercedes-Benz, BMW und Volkswagen wuchsen zu Konzernen mit zahlreichen Niederlassungen und Tochterunternehmen heran. In Ostdeutschland wurden die Werke von Audi und BMW verstaatlicht und begannen Trabant und Wartburg Autos zu produzieren.

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