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Die Kraft der Innovation: Patente werden immer wertvoller

Opel von 1899  Copyright: GM CorpOpel von 1899  Copyright: GM CorpEs muss nicht immer die berühmte Garage sein, in der geniale Ideen zur Welt kommen. Für Adam Opel reichte im Frühjahr 1863 ein Kuhstall am Rande seiner rheinischen Heimatstadt Rüsselsheim für die serienmäßige Produktion seiner ersten Nähmaschine.

Es folgte eine echte deutsche Erfolgsgeschichte, die vor allem dank der konsequenten Weiterentwicklung technologischer Trends bis an die Spitze der europäischen Automobilindustrie geführt hat. Doch jetzt könnte der Firma ausgerechnet dieses innovative Potenzial zum Verhängnis werden.

Adam Opel  Copyright: GM CorpGanz im Sinne ihres Vaters setzten Adam Opels Söhne ab 1886 auf die Produktion einer neuen, massentauglichen Erfindung: Fahrräder. Und 1899 lief schließlich das erste Opel-Automobil mit einer Motorleistung 3,5 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h in Rüsselsheim vom Band. Im Jahr 2008 beschäftigte die Adam Opel GmbH in Deutschland mehr als 25.000 Mitarbeiter an fünf Standorten und verkaufte allein auf dem deutschen Markt rund 260.000 Fahrzeuge.

Nun aber hat die weltweite Wirtschaftskrise in kürzester Zeit auch am Automobilstandort Deutschland viele vermeintliche Gewissheiten in Frage gestellt. Weltweit müssen sich die Fahrzeughersteller einem immer schärfer geführten Wettbewerb stellen. Dabei wird deutlich, dass vor allem der Zugriff auf Schlüsseltechnologien über die Zukunft der Produktionsstandorte entscheidet. Nur wer technologische Antworten auf drängende Probleme und Herausforderungen hat, wird langfristig erfolgreich am Markt bestehen können. Opels Schicksal steht exemplarisch für den Wettbewerb um diese entscheidende Fähigkeit.

Kampf um die Opel-Patente

Opels Nähmaschine  Copyright: GM Corp1931 wurde Opel vom amerikanischen Autokonzern General Motors (GM) aufgekauft und aus einer bedrohlichen Schieflage gerettet. 78 Jahre später steht der ehemals größte Autohersteller der Welt auch aufgrund mangelnder Innovationskraft selbst kurz vor der Insolvenz. Um sich vor der drohenden Pleite des Mutterkonzerns zu retten, sucht Opel nach einem Weg, sich von GM abzukoppeln. An potenziellen Rettern mangelt es nicht. So haben bereits der italienische Autobauer Fiat und der österreichisch-kanadische Zulieferkonzern Magna ihr Interesse an Opel bekundet.

Doch im Gegenzug für ein milliardenschweres Rettungspaket hat der GM-Konzern aus Detroit einen Großteil der technischen Patente seiner deutschen Tochtergesellschaft bei der US-Regierung in Washington als Sicherheit verpfändet. Ein Durchbruch in den Verhandlungen mit den potenziellen Investoren für Opel droht nun am Zögern von GM und US-Regierung bei der Rückgabe dieser Patente zu scheitern. Insgesamt soll es dabei nach Angaben deutscher Regierungskreise um Vermögenswerte von rund 3 Milliarden Dollar gehen. Das zähe Ringen um Opels Patentrechte weist jedoch weit über den finanziellen Wert dieser Schutzrechte hinaus.

Wachsende Bedeutung von Patenten

Eine neue, massentaugliche Erfindung: Das Fahrrad  Copyright: GM CorpInsgesamt ist die Zahl der internationalen Patentanmeldungen laut der World Intellectual Property Organization (WIPO) zwischen 1978 und 2007 um fast 40 Prozent gestiegen. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) beliefen sich die Ausgaben für geistiges Eigentum im Jahre 2004 allein in Deutschland auf knapp 154 Milliarden Euro. Dieser immense Bedeutungszuwachs erklärt sich aber nicht allein mit den Kosten zum Schutz von Innovationen gegen Produktpiraterie. Laut einer Studie des BMWi zur volkswirtschaftlichen Bedeutung von geistigem Eigentum aus dem Jahre 2008, gewinnt vielmehr das strategische Patentmanagement vor allem als unternehmensinternes Steuerungsinstrument und als Verhandlungsmasse gegenüber Wettbewerbern stetig an Relevanz.

Einerseits sind Unternehmen gezwungen ihre steigenden Forschungsetats mit Hilfe der Monopolisierung erzielter Ergebnisse zu sichern. Dies kann entweder im direkten Vertrieb oder über den Handel mit entsprechenden Lizenzen geschehen. Andererseits spielt die strategische Blockade von Wettbewerbern eine immer wichtigere Rolle im Patentmanagement. Nicht nur lässt sich durch den geschickten Einsatz von Schutzrechten Druck auf die Innovationszyklen der Konkurrenz ausüben. Unternehmen verteilen ihre Patentanmeldungen darüber hinaus auch gezielt nach geografischen Mustern, um so neue Märkte gezielt abzuschotten oder zu erschließen.

Patente als politischer Faktor

Das Europäische Patentamt in München  Copyright: European Patent OrganisationVor diesem Hintergrund erscheint nicht nur im Poker um die Opel-Patente das große Interesse der Politik als bemerkenswert. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dem Schutz geistigen Eigentums eine entscheidende Rolle für die Entwicklung Europas zugewiesen. „Es muss verhindert werden, dass Know-how unkontrolliert abfließt“, sagte Merkel anlässlich des Europäischen Patentforums 2007. Das Patentrecht eines Landes zeige den Stand seiner technologischen Entwicklung, betonte sie und unterstrich damit ihre Forderung nach einer einheitlichen europäischen Patentgerichtsbarkeit.

Ohne einen solchen Schritt wird es ein gemeinsamer europäischer Wirtschaftsraum nach Meinung von Experten zukünftig schwer haben, gegen den wachsenden Innovationsdruck aus den USA, Asien und vor allem dem aufstrebenden Schwellenland Indien zu bestehen. Besonders in der Umwelttechnologie steckt dabei vor dem Hintergrund des globalen Klimawandels großes Potential. Das zähe Ringen um die Patente der Adam Opel GmbH könnte also ein Vorgeschmack darauf sein, woran sich in wenigen Jahren Verteilung des Wohlstands in der Welt entscheiden wird – globaler Konfliktstoff inklusive.

Volker Petzsch-Kunze
ist Diplom-Politologe und freier Journalist.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Mai 2009

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