Keine leichten Pakete

Die weit gereisten Büchersammlungen deutsch-jüdischer Emigranten.

In den vergangenen Jahren wurden dem Goethe-Institut Jerusalem immer wieder Bücherspenden und Schenkungen angeboten. Es handelt sich zumeist um deutsch-jüdische Büchersammlungen, die mit ihren Besitzern nach 1933 in das damalige britische Mandatsgebiet Palästina gelangt sind. In der Nachkriegszeit weiter ergänzt oder aktualisiert bilden sie einen wichtigen Bestandteil der kulturellen Erinnerung und der Identität deutsch-jüdischer Emigranten in Israel.

Die Handbibliothek des Instituts kann diese durchaus wertvollen Schenkungen allerdings nicht aufnehmen und so blieb kaum eine andere Möglichkeit, als die enttäuschten Überbringer auf die einschlägigen Antiquariate zu verweisen.

Ausgesuchte und repräsentative Bücher sollen nun in kleinen Paketen an Schulklassen der gymnasialen Oberstufe nach Deutschland geschickt werden, versehen mit Fotomaterial und einem bibliographischen Text über den ehemaligen Leser und Besitzer. Die Schüler erfahren auf diese Weise viel über die Facetten einer lebendigen deutsch-jüdischen Kultur vor 1933 – werden aber auch mit ihrem gewaltsamen und abrupten Ende im nationalsozialistischen Deutschland konfrontiert und mit der komplexen Geschichte der jüdischen Immigration nach Israel.

In ihrer Anschaulichkeit geben die Bücherschatullen und die anliegenden Hintergrundinformationen Anlass zu geschichts-, literatur- sowie kulturwissenschaftlichen Betrachtungen – etwa zum Exil- bzw. Heimatbegriff, zum bildungsbürgerlichen Kanon und zum Komplex der kulturellen Erinnerung. Die wertvollen Editionen von Heine, Schiller und Goethe, um nur die prominentesten Klassiker zu nennen, zeugen ebenso von der reichen deutsch-jüdischen Kultur, wie die kleinen lieb gewonnen Lektüren, die man in die neue Heimat retten konnte: Kinderbücher, Ratgeber, Reiseführer oder gar Kochbücher.

Der Gebrauchswert und das hohe Identifikationspotential kommen in den vielen persönlichen Randbemerkungen sowie auch ex libris zum Ausdruck.

Israelis der 2. und 3. Generation bekommen hiermit Gelegenheit, die oftmals für sie in fremden Sprachen nicht mehr zugänglichen, für die Familiengeschichte indes höchst bedeutungsvollen Sammlung einer sinnstiftenden Verwendung zu zuführen.

Partner:

Pilotphase zunächst für die Fächer: Geschichte, Sozialwissenschaft und Deutsch der Gymnasialen Oberstufe in Zusammenarbeit mit Yad Vashem, German Desk (Lehrerfortbildung) und Partnerschulen auf Empfehlung der Bezirksregierung Münster.

Durch die Beteiligung von Yad Vashem und israelischer Partner-Schulen können neben Fragen der Erinnerungskultur auch konkrete Recherchen zu den Exilschicksalen der Besitzer und Sammler vertieft werden.

Verantwortlich Goethe-Institut Jerusalem
Simone Lenz

Caroline Jessen und Simone LenzIn Zusammenarbeit mit
M. A. Caroline Jessen, Jerusalem, Autorin und wissenschaftliche Betreuung
Dr. Irena Steinfeldt, Leitung der Abteilung der Gerechten unter den Völkern, Yad Vashem
Dr. Noa Mkayton, Internationale Schule für Holocaust-Studien, Yad Vashem
Theo Schwedmann, Lehrerfortbildung, Bezirksregierung Münster

Presse:

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