Für das Max Mueller Bhavan- mit lieben Grüßen
An die Musik
Meine Verbindung mit dem Max Mueller Bhavan (in Indien MMB), begann während einer spannenden Zeit im Jahr 1969. Es war geplant, im nächsten Jahr Beethovens großartige 9. Sinfonie in Mumbai aufzuführen. Prof. H.J. Koellreutter, der Leiter des MMB Delhi und Margarita Schack, die bekannte Sängerin, arbeiteten damals mit dem Mumbai Kammerorchester und dem Paranjoti Chor zusammen. Unter den Sängern in Mumbai fand ein Probesingen für die Alt-, Bass- und Tenorsolisten statt. Drei von uns wurden eingeladen und ausgewählt, um bei der Aufführung zu singen. Das war mein erstes großes Konzert. Als Solistin auf der Bühne, mit nahezu hundert der besten Sänger und Musiker Indiens. Das Ganze vor einem Publikum, bestehend aus eintausend Musikkennern Mumbais! Es war traumhaft und ich werde es niemals vergessen- Die Musik und den Applaus.
Dieser Abend und die Freundschaft mit den Koellreutters, stellten einen Wendepunkt in meiner Karriere dar. Sie machten mir bewusst, dass ich eine „Stimme“ und Potential als Sängerin habe. Margarita gab mir Gesangsunterricht, wann immer sie in Mumbai war und half mir, mein Repertoire zu entwickeln. Das Liedrepertoire der großen Komponisten- Schumann, Brahms, Hugo Wolf…Opernarien und Kunstmusik. Mich faszinierte besonders die Schönheit der Lieder, in denen sich die Dichtung Goethes, Schillers und anderer Dichter mit der Musik zu einer perfekten Einheit fügt. Die Erkenntnis, dass das es essentiell ist, Deutsch zu lernen, um die Lieder singen zu können, führte mich zum MMB Mumbai. Meinem damaligen Nachbarn am Malabar Hill. Herr Sewitz war ein ausgezeichneter Lehrer.
Kurz darauf kam Herbert von Brauer, ein deutscher Bariton, für ein Gastspiel an das Max Mueller Bhavan. Wir waren begeistert. Neben vielen wunderbaren Stunden des Solokonzerts, profitierten einige von uns von seiner Fachkompetenz als Gesanglehrer.
Als wir im Jahr 1974, aufgrund der Arbeit meines Mannes bei der Firma ITC, von Mumbai nach Bangalore zogen, fiel mir der Abschied schwer. Damals hielten wir uns nur ein knappes Jahr in Bangalore auf. Während dieser Zeit verliebten wir uns in die Stadt und für mich war es ein weiterer Wendepunkt in meinem Leben als Musikerin. Wir kauften damals, als Alterssitz für die Zeit nach unserer Pensionierung, einen alten typischen Bangalore Bungalow. Dort zog dann später der ‘Sound of music’ in Form der Bangalore School of Music ein. Während dieser kurzen Zeit in Bangalore, lud mich Dr. Stache, der Institutsleiter ein, ein Konzert in den Räumlichkeiten des Instituts zu geben. Das Institut lag in einem charmanten Bungalow in der Museum Road. Damals gab es noch kein Parkplatzproblem! Oder Lärm, der den Klang gestört hätte.
Von Bangalore zogen wir nach Kolkata. Und wieder waren wir Nachbarn des Goethe-Instituts an der Ballygunj Circular Road. Unsere kulturelle Verbindung wurde, durch die Zusammenarbeit des Instituts mit der Calcutta School of Music, AIR (Radio) und Doordarshan, dem staatlichen Fernsehsender, fortgesetzt. Damals wurden öffentliche Auftritte ein wichtiger Bestandteil meiner Bemühungen die Liebe zum Singen zu befördern. Ich machte eine Sendung mit dem Titel ‘The Joy of Singing’, welche live aufgeführt und außerdem auf AIR übertragen wurde.
Meine Konzerttour im Nordosten, von Kalimpong nach Darjeeling, Shillong und einigen kleineren Städten entlang der Strecke, mit dem Pianisten Conrad Mathews, wurde mit großem Interesse und viel Lob aufgenommen. Dort, wo es kein Klavier gab, haben wir uns mit einem Harmonium beholfen. Die Zeitungen schrieben: “The Hills are alive with the Sound of Music”. Mein Dank für diese Tour gehört dem deutschen Generalkonsul und dem MMB Calcutta.
Als Herr Nagl, ebenfalls ein Musiker, Institutsleiter wurde, gab es noch mehr Aktivitäten im Bereich Musikprogramme. Herr Nagl hat mit dem Kirchenchor und dem Kammerorchester der Oxford Mission Oratorien und Kantaten von Bach und Händl einstudiert. Zu meiner großen Freuden konnte ich, begleitet von diesen ausgezeichneten Kammermusikern, die Alt- Solostimme übernehmen.
Zu dieser Zeit zollte ich Händl und Bach, anlässlich ihrer Hundertjahrfeier, mit einer All-India-Tour durch sechs Städte, mein persönliches Tribut. Das Programm wurde von den Max Mueller Bhavan Instituten Calcutta, Mumbai, Pune, Hyderabad, Bangalore und Chennai präsentiert. Der Pianist Zenobia Vakil aus Mumbai begleitete mich.
Im Jahr 1987 zogen wir dann vollständig von Calcutta nach Bangalore und ich gründete die Bangalore School of Music.
Ich hatte aus meiner engen Verbindungen mit den Music Schools in Calcutta und Dehli gelernt. Daher lag mir viel daran sicherzustellen, dass neben der Spezialisierung in westliche Musikerziehung und Förderung auch indische Musik und indische Musiker, unser eigenes kulturelles Erbe, gefördert wird. So wurde die Idee des „East-West Music and Dance Encounter“ geboren, ein multikulturelles Festival, das im Jahr 1990 stattfand. Es war nicht das erste Festival dieser Art in Indien. Die Koellreutters hatten das Gleiche ein paar Jahre zuvor in Pune initiiert. Aber davon gab es keinerlei Mitschnitte. Diese Begegnungsveranstaltung im Jahr 1990 war sehr wichtig für uns und wurde auf der „West-Seite“ mit der Hilfe der Koellreutters und auf der „Ost-Seite“ mit der Hilfe solch namhafter Persönlichkeiten wie Dr. Raja Ramanna, Vainika Dr. Doraiswamy Iyengar, dem Musikwissenschaftler B.V.K Shastry und Anderen durchgeführt. Es kostete Monate der Planung und herausgekommen ist eine ganze Woche voller Veranstaltungen. Mit einem minimalen Budget machte, die noch in den Kinderschuhen steckende, Musikschule die Stadt stolz.
Diese unerfüllbare Aufgabe wurde durch das Engagement der Koellreutters und den Künstlern aus Übersee möglich gemacht. Die Künstler haben ihre Reisekosten selbst übernommen und ein komplettes Programm mit Konzerten und Seminaren geliefert. Das ICCR [Indian Council of Cultural Relations], das Ministry of Culture Delhi und das Department of Kannada and Culture traten als Sponsoren auf.
Bangalore sah seitdem 12 dieser Begegnungsveranstaltungen, aber die erste bleibt immer noch etwas Besonderes. Ein Juwel in unserer Krone.
Die Zusammenarbeit mit dem MMB Bangalore hielt über Jahrzehnte an. Über die Amtszeiten der Institutsleiter Dr. Dencker, Heiko Sievers und Dr. Rudolf Bartsch hinweg, um nur ein paar zu nennen, bis zur heutigen Leiterin Frau Dr. Evelin Hust. Besonders erwähnen möchte ich Herrn Dr. Bartsch, der im Jahr 2000 den berühmten deutschen Organisten Matthias Eisenberg hergebracht hat, um auf dem World Festival of Sacred Music des Dalai Lama zu spielen. Ich habe damals das Privileg genossen, Teil des Organisationskomitees für Bangalore zu sein.
Die Bangalore Musik School konnte, Dank des MMBs und seinen Leitern, in ihrem Bemühen fortfahren das Beste der weltweiten Musik nach Bangalore zu holen. Die große Indien-Tour, des dreißigköpfigen Leipziger Orchesters im Jahr 2007, wurde von der Bangalore School of Music koordiniert und begleitet. Die Idee einer Ost- West Begegnung des Leipziger Orchesters und Dr. L Subramanian, wurde ebenfalls von uns, mit der Hilfe von Dr. Evelin Hust, initiiert. Es muss wohl nicht extra gesagt werden, dass das Konzert in der Chowdiah Halle ausverkauft war!
In jüngerer Zeit hat die BSM ein zweiwöchiges Austauschprogramm des Saxony Youth Orchestras, unter dem Leiter Rolf V. Nordenskjold, durch Indien organisiert und ausgerichtet. Frau Dr. Hust und das MMB haben in diesem Austausch ein tragende Rolle gespielt. Das Konzert in der Chowdiah Halle hat stürmische Ovationen hervorgerufen. Das Austauschprogramm wird sicherlich weiter wachsen. Und während ich diesen Text schreibe, ist gerade das vom MMB in Indien initiierte „Project Humanism“ bei uns. Es hat zum Ziel, über sieben Musikschulen in ganz Indien, die Ausbildung in westlicher Musik zu unterstützen und zu verbessern. Der Besuch von Prof. Bernd Claussen bei uns und die Deutschlandreisen der sieben Musikschulleiter, haben das Projekt weiter gebracht. Die engen Verbindungen werden weiter gepflegt.
Rein physisch, steht bei uns ein wichtiger Teil des MMBs. Der Steinway Flügel, der zahllosen Musikschülern, Lehrern und professionellen Musikern gedient hat. Außerdem wurden uns wertvolle Orchesternoten sowie zahlreiche CDs und einige DVDs für unsere Bibliothek überlassen. Vielen Dank!
Ich habe nur einen Wunsch und spreche im Namen vieler Musikliebhaber: Das ein Land, welches so viele große Musiker wie Bach, Beethoven, Mendelssohn, Schumann, Brahms, Wagner und andere Ikonen hervorgebracht hat, uns weiterhin mehr von diesen Meistern der Klassik, die wir so lieben, beschert. Nach zeitgenössischem Jazz halten wir eher in den USA Ausschau.
Musik hat uns alle vereint. Von Ost nach West und die Music School ist in den Genuss der Interaktion mit dreißig Ländern weltweit gekommen. Das vollzog sich über Musiker und Wissenschaftler mit ihrer speziellen Musik und Kunst. Unsere lange Beziehung mit dem Max Mueller Bhavan und seinen Leitern, mit der Indo-German Cultural Society und ihrem dynamischen Präsidenten Herrn S. Haldar, mit Künstlern und der deutschen Gemeinschaft. All das hat unser Leben bereichert, besonders meines. Die Verbindung wird fortgesetzt! Aruna Sunderlal ist Gründerin und leitende Verwalterin der Bangalore School of Music (www.bangaloreschoolof....) .








