Darstellende Kunst in Indien - Musik

Ankur Tewaris abenteuerliche Indi-Reise

Rohit Bhatia

Ankur and guitars
Ankur and guitars.
Der Weg, der Ankur von den Kneipen in Bhopal zur Berlinale führte, war lang und voller Umwege. Die Zeit, in der Ankur 1998 in Bhopal Hotelmanagement studierte, war für ihn eine schwierige Zeit, in der er in Kneipen Coverversionen überstrapazierter Pop-Rock-Songs spielte und bekannte Musiker imitierte. Seitdem legte er einen weiten Weg zurück. Heute tritt er mit seiner Originalmusik in allen Teilen des Landes auf, komponiert Musik für das unabhängige wie auch kommerzielle Kino und war Mitautor des Drehbuchs für den Kinderfilm "Gattu", der auf der diesjährigen Berlinale für Aufmerksamkeit sorgte. Es scheint Jahre her zu sein, als Ankur noch Coverversionen spielte; heute erntet er wesentlich mehr Applaus für seine unabhängige Musik.

Auch wenn es nicht einfach war, meint Ankur in einem persönlichen Gespräch, dass es für ihn nur diesen einen Weg gegeben hätte. Er berichtet: „Ich bin ein Aussteiger. Mir war klar geworden, dass mich Hotelmanagement nicht interessierte. Ich wollte auf der anderen Seite des Tisches sitzen; wollte von anderen bedient werden, anstelle andere bedienen zu müssen.” Nach diesem gewagten Schritt kam der schwierige Teil - auf meinem Weg, mir einen Namen zu machen, auch Spass zu haben. Ankur ließ den Dingen ihren Lauf. Dazu sagt er: „Eigentlich war es nicht geplant, Musiker zu werden, aber Musik machen war das, was ich am besten konnte. Ich spiele seit meiner Schulzeit Gitarre und singe Lieder. Entweder machte ich Musik oder einen Abschluss an der Hotelfachschule. Ich hatte nie bewusst geplant, beruflich Musik zu machen, Songs und Geschichten zu schreiben. Auch heute noch betrachte ich es nicht als Karriere. Man tut Dinge, um Spaβ zu haben.”

Ankur Tewari
Ankur Tewari.
Wie so viele andere zog es auch Ankur mit seinen Träumen nach Mumbai, in die Stadt der Träume. Es war alles andere als einfach und Ankur sah sich gezwungen, für kurze Zeit nach Delhi zu gehen, bevor er nach Mumbai zurückkehrte, um schließlich groß rauszukommen. Dabei entdeckte er Möglichkeiten, sich zu verwirklichen. Ankur nutzte die anfänglich schwierige Zeit in Mumbai, um noch bessere Songs zu schreiben. Dazu sagt er: „Ich habe das Leben so genommen, wie es kam. Früher lebte ich von der Hand in den Mund, das hat sich nun geändert. Die Höhen und Tiefen des Lebens sind es, über die ich schreibe, sie sind der Närhboden für meine Geschichten und Songs. Mein Motto ist, jeden Abend mit einem Lächeln auf den Lippen einzuschlafen und so frei zu sein, wie ich es mir wünsche. Ich schreibe keine Songs, die sich bestimmten Genres zuordnen lassen und schreibe auch nicht nach Vorgabe. Jetzt spüre ich eine gewisse Freiheit - die für mich vielleicht etwas Besonderes sein mag, von der ich aber hoffe, dass auch andere Musiker das Gleiche empfinden.”

Ankurs unabhängige Musik, die er mit seiner Band Ghalat Family macht, ist die Art einfache Kost, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ihr unterhaltsamer Rock-n-Roll mit Hindi-, Urdu- und englischer Lyrik zwingt zum Mitsummen. Ihr Debütalbum "Jannat", das 2010 herauskam, ist bereits ein Kult-Album. Die Shows von Ankur Tewari und seiner Band Ghalat Family locken ein treues und bunt gewürfeltes Publikum an. Ihre Gigs sind nicht nur in Großstädten Hits, sondern auch in kleineren Städten. Ihre Fangemeinschaft wächst von Tag zu Tag und auf ihren Shows wird begeistert mitgesungen. Ankur schreibt und vertont die meisten der Songs selbst. Den Prozess des Songwriting beschreibt er folgendermaβen: „Ich jamme mit einem Musikinstrument. Das kann eine Gitarre, Ukulele oder ein Rhyhtmus sein, den ich auf die Tischplatte trommle. Dann füge ich weitere Töne hinzu. Das geht so lange bis man in eine Art Trancezustand verfällt. Und wenn man dann aufwacht, ist ein neuer Song entstanden.”

Ankur with Ghalat Family
Ankur with Ghalat Family.
Die Band hält Ankur mit Gigs und Auftritten in Trab, womit aber Ankurs Kreativität noch lange nicht ausgeschöpft ist. So schafft er es, zwischendurch immer mal wieder ein international gefeiertes Drehbuch zu schreiben, von denen "Gattu" sein jüngstes ist. Ankur berichtet: „Gattu ist ein Film, den ich für meinen Freund Rajan schrieb. Er drehte bereits mehrere preisgekrönte unabhängige und Arthouse-Filme. In einer früheren Phase schrieb ich zwar Filmmusik, sah mir aber nur selten mal einen Film an. Als ich mir Rajans Film „Dance With The Wind“ ansah, war ich überrascht, wie gut man eine Geschichte auch auf nicht-kommerzielle Art erzählen kann. Ich hatte zuvor schon einmal zusammen mit Rajan an einem Drehbuch für einen Film gearbeitet, aus dem aber nichts wurde. Und so schlug er vor, ein anderes zu schreiben. "Gattu" spielt in meiner Geburtstadt Rourkee. Es war sehr schön, meine alte Stadt in diesem schlichten Film wiederzuentdecken. Der Film wurde mit einem kleinen Budget gedreht.”

Für seine Versuche, Geschichten mittels Worten und Musik zu erzählen, bedient sich Ankur modernster Technologie. Dazu sagt er: „Für mich ist alles, von einem Bleistift bis zu einem Twitter-Account, Technologie. Sie hilft, Worte und Musik an noch mehr Menschen zu bringen. Technologie ist Ihr Freund und sollte wie ein Freund behandelt werden.”

Was die Zukunft angeht, so weiβ Ankur genau, was in den Karten geschrieben steht. Dazu sagt er: „2012 ist das Jahr des Drachen und auch ich bin ein Drache. Dieses Jahr sind zahlreiche Gigs mit meiner Band Ghalat Family angesagt. Ausserdem arbeite ich an einem Film, für den ich Ende des Jahres Regie führen werde.”

Juni 2012

Rohit Bhatia ist ein Journalist und Autor aus Mumbai, dessen Beiträge in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften in Indien und Australien veröffentlicht wurden.

Copyright: Goethe-Institut 2012

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