Delhi jetzt online!(August 2011)

Noch bis vor fünf Jahren war es nicht unüblich, dass Kunstbegeisterte die Hauptstadt Delhi als langweilig abtaten, ohne Aufregendes im Angebot.In einer Stadt, die als besessen von Machthierarchien und Geld galt, stellte sich die Frage, hat auch die Kunst einen Wert? Oder dient sie als bloßes Vorzeigeobjekt, das protzigen Ausstellungsaktionismus fördert und Requisiten liefert, die den Status von Macht und Geld weiter zur Schau stellen?
Nicht mehr. Das Delhi von heute ist ganz klar zu einem Knotenpunkt der Kunstszene geworden. In den visuellen und multimedialen Künsten unterstützen viele Galerien die innovativsten Arbeiten, führende Künstler leben und arbeiten in Delhi, die nationalen Museen zeigen umfassende Ausstellungen und Retrospektiven, und der India Art Summit zieht Teilnehmer aus der ganzen Welt an. Im Theater erlauben einige der größten nationalen Festivals den Delhianern regelmäßig, das Beste der zeitgenössischen Dramatik zu sehen – und während anerkannte Theaterleute ihre seit Jahrzehnten bedeutsame Arbeit fortsetzen, beginnt eine neue Generation von Künstlern, Performance in neuen Kontexten zu erforschen. In der Musik explodiert die Zahl neuer Genres und Veranstaltungsorte geradezu und schafft eine dynamische Szene für etablierte und aufstrebende Künstler gleichermaßen.
Die gedeihenden Kunsthochschulen – die National School of Drama und die School of Art and Aesthetics der Jawarhal Nehru University zum Beispiel – sichern den konstanten Nachwuchs von Studenten und Kritikern mit Interesse an der Kunst – unerlässlich für die Pflege und Förderung einer gesunden Kunstszene.
Delhi geht online – anschließend an Bangalore, Kolkata und Mumbai – mit Beiträgen, die dem Leser eine Einführung in Delhis verschiedene Szenen geben, sei es Theater, Musik oder multimediale Kunst und Performance.
Ein Überblick – oder eine augenblickliche Bestandsaufnahme, wenn man so will – der neben den Beteiligten maßgebliche Einflüsse und Trends vorstellt. Javed Malick, Theaterwissenschaftler und Kritiker und Neeraj Malik, Akademiker und Schriftsteller, widmen sich gemeinsam der Theaterlandschaft, vom studentischen Amateurtheater bis hin zu etablierten Regisseuren. Neha Sharma, die für Rolling Stone India seit mehreren Jahren die Musikszene beobachtet und kommentiert, steuert einen treffenden Abriss der der Bandbreite aktueller Musik in Delhi bei. Ina Puri, Autorin mehrerer Bücher zu visueller Kunst, zeigt wie sehr Delhi wirklich zu einem Zentrum der bildenden Künste im heutigen Indien geworden ist. Und der Performance-Künstler und National School of Drama-Dozent Amitesh Grover, der selbst mit den neuen Medien experimentiert, erforscht die aufkeimende alternative Multimedia-Kunstszene, mit besonderem Augenmerk auf Performance-Kunst.
Viel Vergnügen mit der Einführung in die Kunstszene Delhis – und halten Sie an dieser Stelle Ausschau nach weiteren Neuigkeiten in den nächsten Wochen!
Herzliche Grüße,
Anjum Katyal
Herausgeberin











