Literarischer Abend mit Ranjit Hoskoté
14. September 2009, 18.00 Uhr
Cymroza Art Gallery, Mumbai

„Eine Empfangsstation”, so charakterisiert Ranjit Hoskoté Dichtung in einem Interview. Sie kann sich in Frequenzen aller Art eintunen, ohne dass der Dichter sich dessen bewusst sein muss, was empfangen wird – er wartet, empfängt, kristallisiert, spinnt ein zusammenhängendes aber offenes Ganzes. In seine Wahrnehmung fallen von Geschichte, Kunst und Politik informierte Bilder, die er verwebt, bis sie metaphorische oder archetypische Züge tragen, ohne dabei ihre Wandelbarkeit zu verlieren. Der in indische Schriftssteller, Poet Kulturkritiker und freischaffende Kurator liest am 14. September in der Cymroza Art Gallery, Mumbai.
Der Autor
Ranjit Hoskoté wurde 1969 in Bombay (Mumbai) geboren, wo er auch heute noch lebt. Er studierte Politikwissenschaft, englische Literatur und Ästhetik an der Bombay Scottish School, dem Elphinstone College und der University of Bombay. Seit den frühen 1990ern veröffentlicht er seine Gedichte. Hostkoté schrieb zahllose Kritiken über Kunst, Kino, Architektur und Kulturpolitik in verschiedenen Zeitungen und Magazinen, darunter Poetry Review (London), Rattapallax (New York), Art and Thought (Bonn), The New Straits Times (Kuala Lumpur) und Indian Literature (New Delhi). Sein schriftstellerisches Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Sanskriti Award for Literature (1996), mit dem ersten Preis der Poetry Society All-India Poetry Competition des British Council (1997), dem Sahitya Akademi Golden Jubilee Award (2004) und dem Raza Award for Literature der S.H. Raza Foundation (2006). Als Kurator hat Hoskoté seit 1994 13 Ausstellungen zeitgenössischer indischer und asiatischer Kunst konzipiert und organisiert. Er ist Vorsitzender des Poetry Circle Bombay und Sekretär des indischen PEN-Clubs.
Hoskoté zählt zu einer neuen Generation postkolonialer Dichter in Indien. Während die Generation der indischen Unabhängigkeitskämpfe noch weitgehend in den indischen Landessprachen schrieb, fällt seine, die jüngere Generation urbaner, kosmopolitischer Dichter auf ihre Kulturen und den Sprachenreichtum Indiens mehr als Referenz zurück. Diese ist nur Teil eines schier unerschöpflichen Repertoires, derer sie sich bedienen. Das gilt insbesondere für Hoskote, der sich zwischen den Genres, Kulturen und Zeiten frei bewegt – oder von allem bewegt wird. Seine Gedichte sind ebenso politisch wie seine politischen und kulturwissenschaftlichen Schriften lyrisch sein können.
Denkbar wäre Hoskotés Werk nicht ohne seine schier unerschöpflichen Bezüge, ohne die Hinterlassenschaften der Alten, ohne ihre Fäden, die er bis an die Grenzen des Surrealen zieht. Doch ist Hoskoté vor allem ein Künstler der Gegenwart, die sich – wie der in „Kampfabsage“ beschworene Fluss – aus der Vergangenheit speist. Dafür spricht nicht nur sein politisches Engagement.








