„Sprache braucht hochklassige Vermittlung“

An den deutschen Hochschulen lernen mehr als 180.000 Studenten aus anderen Ländern, für die Deutsch in den allermeisten Fällen eine Fremdsprache ist. Noch mehr Talente aus aller Welt sind willkommen, um im Lande Humboldts ihre akademische Ausbildung aufzunehmen oder fortzusetzen. Hans-Joachim Althaus, Leiter des TestDaF-Instituts für den "Test Deutsch als Fremdsprache", gibt Auskunft, wie sich die Sprachhürden überwinden lassen.
Wie gut müssen ausländische Studienbewerber schon Deutsch können, bevor sie ein deutschsprachiges Bachelor- oder Masterstudium an einer Universität oder Fachhochschule beginnen können?
Möglichst gut und flüssig, je höher das Niveau, desto höher der Studienerfolg. Für die Zulassung zum Studium gelten international wie auch in Deutschland mehr oder weniger die Niveaus B2 bis C1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen. Ich spreche von IELTS (GB, Australien), TOEFL (USA), DELF/DALF (F), TestDaF (D). Es gibt Fachhochschulen, die geringere sprachliche Anforderungen festgelegt haben als Universitäten. In der Regel entscheiden darüber die Hochschul-Gremien. Die Webseite www.sprachnachweis.de gibt detailliert Auskunft.
Deutsch ist keine Weltsprache mehr. Wie und wo kann ich die erforderlichen Sprachkenntnisse trotzdem schon zu Hause erwerben?
Mehr als 16 Millionen Menschen lernen Deutsch als Fremdsprache. Man muss jedoch große regionale Unterschiede machen: Zwischen Stettin und Wladiwostok, von Polen bis zum Pazifik gibt es nicht nur viele, sondern auch sehr gute Deutschlerner. In West- und Südeuropa endet das Deutschlernen vielfach jedoch eher unterhalb eines Niveaus für das Studium. Im arabischen Raum, in Afrika, Lateinamerika oder Ostasien wird Deutsch – wenn überhaupt – nur nach der Schule als zweite oder dritte Fremdsprache gelernt.
Die Goethe-Institute in aller Welt, über 430 Lektorate des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, mehr als 500 Schulen im Ausland, rund 350 TestDaF-Testzentren in 80 Ländern sind ein enormes Netz für Unterricht und Beratung. Dazu kommen jetzt Internetangebote wie die Deutsch-Uni Online mit mehreren Tausend Stunden betreutem Deutschlernen, das orts- und zeitunabhängig verfügbar ist. Wir brauchen jedoch noch viel mehr maßgeschneiderte Programme für das Deutschlernen im Heimatland.
Stellen die besagten Sprachprüfungen Mindeststandards dar oder bin ich damit schon ausreichend fit fürs Studium und Leben in Deutschland?
Die TestDaF-Niveaustufe 3 besagt, dass jemand im Alltag der Hochschule zurecht kommen kann. TDN 4 ist der Mindeststandard für ein Fachstudium, TDN 5 reicht schon für sehr differenzierte Äußerungen. Für Examensarbeiten vor allem in den Geisteswissenschaften oder für fachsprachliche Kenntnisse empfiehlt es sich, studienbegleitend weiter Deutsch zu lernen. Viele Hochschulen bieten das an.
Was sind Ihrer Kenntnis nach die größten und zu Anfang am meisten unterschätzten Probleme, wenn Studienbewerber erst in Deutschland die Sprache lernen wollen?
Sprache ist eine zentrale Voraussetzung für Integration im Sinne von sozialen Kontaktchancen. Meist wird unterschätzt, dass Defizite im Rückzug auf die Angehörigen der eigenen Sprachgruppe münden und die Studienerfolge erheblich schwächen. Grundsätzlich aber spricht nichts gegen das Deutschlernen in Deutschland – im Gegenteil. Man bewegt sich in der Zielsprache. Internationale Lernergruppen wirken meist motivierend, der ständige Kontakt mit Muttersprachlern fordert und fördert.
Was sind "International Degree Programmes" in Deutschland? Komme ich darin an Deutschprüfungen vorbei?
Aktuell wird lediglich in drei bis vier Prozent aller Studiengänge nicht auf Deutsch unterrichtet. Diese Studiengänge haben für die Konkurrenzfähigkeit der Hochschulen in Deutschland eine große Bedeutung. Für die Zulassung braucht man meist den IELTS (Cambridge-ESOL) oder der TOEFL (ETS, Princeton). Oft wird auf ein Deutschzertifikat verzichtet – anyway!. Man braucht aber bei einem längeren Studienaufenthalt Deutsch auf mittlerem bis fortgeschrittenem Niveau, wenn man sich nicht, wie gesagt, sozial isolieren will.
"Die Spitzenforschung spricht englisch", stellte der spätere Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Hubert Markl, schon vor rund zwanzig Jahren fest. Gilt das neben den mathematisierten Sciences eigentlich auch für die Kultur- und Sozialwissenschaften?
Hegel und Hölderlin an den Tübinger Wirkungsstätten auf Englisch zu lehren, wäre einigermaßen absurd. Wissenschaft braucht aber eine lingua franca. Das ist heute das Englische. Geistes- und Sozialwissenschaften trifft Kommunikation in einer Fremdsprache härter, weil es in diesen Fächern eine Verschränkung von Sprache und Kultur als Forschungsgegenstand und Medium gibt.
Der Philosophische Fakultätentag forderte bereits vor fünf Jahren "die aktive Pflege des Deutschen als Fremdsprache und die Erhaltung des Deutschen als Wissenschaftssprache im eigenen Lande". Hat der Appell gefruchtet?
Solange es attraktiv ist, in Deutschland zu studieren und zu forschen, solange deutsche Literatur und Filme interessant sind, solange deutsche Firmen in der Welt Handel treiben, werden Menschen Deutsch lernen. Sprache braucht keine Pflege, sie braucht Anlässe, Gründe und hochklassige Vermittlung. Richtig ist, dass eine selbstbewusstere Verwendung des Deutschen von Deutschen im Ausland wichtige Signale setzen würde.
| TestDaF ist ...
ein zentraler, standardisierter Test für Deutsch als Fremdsprache, vor allem
Das Institut hat seinen Sitz in Hagen. Das Goethe-Institut gehört zu den Gründern. Alle Prüfungsaufgaben werden vom TestDaF-Institut zentral entwickelt und korrigiert. Sie unterliegen einer ständigen testmethodischen Qualitätskontrolle. Der Test kann an hierfür lizenzierten Testzentren in vielen Ländern der Erde abgelegt werden. Das Prüfungszeugnis weist die sprachlichen Fähigkeiten im Leseverstehen, Hörverstehen, schriftlicher und mündlichen Ausdruck wie auch nach dem erreichten Niveau (TDN 3 bis 5) differenziert aus. |
Er arbeitet als freier Journalist in Bonn.
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Februar 2007
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