Bildung und Beruf

I have a dream – Zukunftspläne deutscher Studenten

Zu den Boomfächern mit Zukunftspotenzial gehören Internationale Kommunikation und die Photonik.  Foto: Luca Palermo © iStockphotoZu den Boomfächern mit Zukunftspotenzial gehören Internationale Kommunikation und die Photonik.  Foto: Luca Palermo © iStockphotoAnna-Katharina, Ivo und Ceyhun haben einiges gemeinsam: Alle drei entschieden sich für besondere Studiengänge. Alle drei wissen auch genau, was sie wollen – sowohl im Studium als auch bei ihren parallelen Projekten und für ihre berufliche Zukunft.

Jedes Semester entstehen in Deutschland dutzende neue Studiengänge. Viele davon vereinen Fächer der Wirtschafts-, Kommunikations- und Kulturwissenschaften wie Sport-, Medien- oder Eventmanagement. Die Kreativen verschmelzen in Studiengängen wie „Transmedia“ und „Interaktive Medien“ die Schnittstellen von Kunst, Film und Technik. Zu den Boomfächern mit Zukunftspotenzial gehören „Internationale Kommunikation“ und die „Photonik“. Drei Studenten erzählen über ihre Projekte, Interessen und Zukunftsvisionen.

Virtuelle Parasiten schaffen: Interaktive Medien in Ludwigsburg

Das Anmiationsspiel „Globosome“.  Foto: © Filmakademie Baden-Württemberg„Ich kann auch machen, dass der Ball nach oben fällt. Man ist ein Gott der eigenen Welt und bestimmt die Naturgesetze.“ Mit solchen Sätzen beschreibt Anna-Katharina Brinkschulte ihr jüngstes Projekt. Die 27-Jährige ist Game-Producerin und an einem Animationsspiel beteiligt, das man sich aufs iPhone oder iPad als App herunterladen kann: Globosome. Schwarze Kugelparasiten rollen durch eine virtuelle Hügellandschaft mit langstieligen Riesengewächsen. Unterwegs werden die Pflanzenfresser fetter und fetter. Der User kann bei diesem Spiel die Macht mampfender Kugelparasiten studieren und testen, wie viel ausbeuterische Gefräßigkeit das virtuelle Ökosystem verträgt. Das Entwicklerteam, allesamt Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg, hat für Idee und Realisation des Spiels den App Award des Zentrums für Kunst- und Medientechnologie Karlsruhe gewonnen.

„Wir haben ganz unterschiedliche Leute im Team. Sascha Geddert, der Game-Direktor, hat die Geschichte entwickelt. Dann haben wir einen Game-Designer, der berechnet, wie viel die Kugel essen darf, bis die nächste Aktion passiert. Außerdem gibt es einen Sound-Designer, der für die passende Akustik zuständig ist.“ Wenn Anna-Katharina Brinkschulte erzählt, mischen sich in ihrer quirligen Stimme Enthusiasmus und Professionalität. Sie muss nicht sagen, dass sie gerade dabei ist, sich einen Traum zu verwirklichen, man spürt es. „Das ist genau das Richtige für mich: Das befriedigt mein Organisationstalent, denn als Game-Producerin bin ich für das Team zuständig, für die Hardware und Software, die Arbeitsverträge und Meetings. Auf der anderen Seite kommt der technische Teil nicht zu kurz, denn ich habe nach dem Abitur zuerst Maschinenbau studiert.“ Auf die Frage, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt, meint sie: „Ich hatte heute Mittag ein Vorstellungsgespräch bei einer Firma für Transmedia Games, kommende Woche fang ich an.“

Professioneller Lichtbündler: Photonik in München

Die Filmakademie Baden-Württemberg in  Ludwigsburg.  Foto: © Filmakademie Baden-Württemberg„Als ich Physikingenieurwesen studierte, begann ich mich dafür zu interessieren, woraus Licht besteht. Das Besondere ist ja, es ist zwar sichtbar, aber nicht greifbar.“ Ceyhun Kesin hat nach dreieinhalb Jahren sein Physik-Diplom abgeschlossen und studiert jetzt im dritten Semester Photonik. Bedenkt man, dass er erst 23 ist, klingt das ziemlich überfliegerverdächtig. Bei seiner Diplomarbeit hat er sich bereits für die Anwendung der Lasertechnologie interessiert. Er entwickelte ein System, mit dessen Hilfe man einen Laserstrahl, etwa bei einer Augenoperation, verschieben und dadurch sehr präzise platzieren kann. Gerade experimentiert Ceyhun Kesin an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München mit Glasfasern. „Man schießt mit einem Laser auf eine Glasfaser und erzeugt so ein optisches Gitter. Die Glasfaser dient dann als optisches Messsystem. Man kann damit Temperaturen und Dehnungen messen.“

Manchmal klingt Ceyhun Kesin, als würde er gerade auf einem wissenschaftlichen Kongress sprechen. Angewandt wird die jüngste Technologie, die er im Labor seiner Uni erforscht, zum Beispiel bei der Flugzeugüberwachung. Weil die Hochschule eng mit verschiedenen Unternehmen zusammenarbeitet und Anregungen aus der Industrie bekommt, schätzt sein Professor Johannes Roths die Zukunftsaussichten seiner Studenten extrem gut ein: „Wir kooperieren mit mittelständischen Unternehmen, die Lasersysteme für wissenschaftliche Anwendungen und zur Materialbearbeitung entwickeln. Außerdem arbeiten diese Unternehmen auch an besseren Mikroskopen, mit denen man Einblicke in Zellstrukturen gewinnen kann. Auf unserem Feld erwarten wir ähnliche Entwicklungen, wie man sie in den vergangenen fünfzig Jahren in der Elektrotechnik gemacht hat.“

Künftiger Friedensforscher: Internationale Beziehungen in Berlin

Interaktive Kunstinstallation „PaperWaves“  Foto: © Filmakademie Baden-Württemberg„Ich hatte gerade ein Seminar zum Thema „Inszenierungen des Krieges“, da haben wir uns mit der medialen Wirklichkeit beschäftigt. Wie funktionieren Kriegsfotografie und embedded journalism? Die Journalisten sind ja hier Teil der Kriegsmaschinerie, weil sie sich auf das Militär verlassen müssen.“ Ivo Schnipkoweit ist 27 und hat bereits einen Bachelor in Sozial- und Islamwissenschaften. Seit vier Semestern studiert er „Internationale Beziehungen“ in Berlin. Drei Universitäten haben sich für dieses Fach zusammengeschlossen: die Humboldt-Universität Berlin, die Freie Universität Berlin und die Universität Potsdam.

Für eine wichtige Voraussetzung für das Studium hält Ivo Schnipkoweit analytische Fähigkeiten, damit man Konflikte sieht und die globalen Zusammenhänge erkennt. Schnipkoweit würde später gerne in die Friedens- und Konfliktforschung gehen. Aktuell arbeitet er an einem Austauschprojekt: Er hat den Verein Nica Netz mitbegründet und organisiert einen Choraustausch zwischen Berlin und Nicaragua. „Da lerne ich viel Organisatorisches: Buchhaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Projektmanagement und wie man Sponsoren gewinnt.“ Fähigkeiten, die man im Studium nicht lernt, die aber sicher genauso wichtig sind wie Fachwissen und analytisches Denken.

Astrid Mayerle
lebt und arbeitet in München. Ihre journalistischen Schwerpunkte sind Kultur und Gesellschaft.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Oktober 2012

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