Marcello Fois fragt Peter Probst – Peter Probst fragt Marcello Fois

Gavoi, 2.800 Einwohner, liegt im Herzen Sardiniens und wird einmal im Jahr zum Mittelpunkt der Welt, dann wenn das Dorf zu seinem Literaturfestival „l'Isola delle Storie“ einlädt. Vom 28. Juni bis 1. Juli 2012 ist es zum neunten Mal soweit. Auf den Plätzen und in den Gärten werden wieder Geschichten erzählt und Meinungen ausgetauscht, treffen sich Literaten, Wissenschaftler und Literaturbegeisterte aus Nah und Fern. Seit mehreren Jahren verbindet das Goethe-Institut eine enge Zusammenarbeit mit dem Festival. Deutsche Autoren, Journalisten und Experten treten in einen lebhaften Austausch mit ihren Kollegen aus Italien. Und in diesem Jahr haben sich das Festival und das deutsche Kulturinstitut etwas ganz Besonderes ausgedacht: ein Residenzprogramm. Peter Probst, Schriftsteller und Drehbuchautor, wird vom 28. Mai bis 3. Juli in Gavoi leben, arbeiten, beobachten und diskutieren.
Marcello Fois fragt Probst und Peter Probst fragt Fois! Was erwartet Gavoi von einem deutschen Krimi- und Drehbuchautor und umgekehrt, welche Fragen hat Probst an Gavoi!
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Fois fragt Probst |
Probst fragt Fois |
| Was erwartet sich ein deutscher Schriftsteller von Gavoi? Dass er Dinge erfährt, die in keinem Reiseführer stehen. |
Was erwartet Gavoi von einem deutschen Krimi- und Drehbuchautor? Deine hauptsächlichen Charaktereigenschaften: Intelligenz und die Fähigkeit, gut zu schreiben. |
| Magst du Käse? Ich liebe Käse, vor allem Schafs- und Ziegenkäse. |
Ich habe „Accabadora“ von Michela Murgia und „Die schöne Mercede und der Meisterschmied“ von Dir, Marcello, gelesen. Bin ich damit gut vorbereitet? Da fehlen dir mindestens noch „L’edera“ („Der Efeu”) von Grazia Deledda und „Il Giorno del Giudizio“ („Der Tag des Gerichts“) von Salvatore Satta. |
| Glaubst du, deine nächste Geschichte wird in der Barbagia spielen? Mein Ermittler, Anton Schwarz, verfolgt mich. Er wird bei seinem nächsten Fall zumindest einen Abstecher in die Barbagia machen. |
Eine banale Frage. Habe ich in Gavoi die Gelegenheit, während der EM die Spiele der Deutschen zu sehen? Und wer tröstet mich bei Niederlagen? Natürlich kannst du dir in Gavoi die Spiele der deutschen Nationalmannschaft anschauen – aber verhalte dich sehr unauffällig, vor allem im Fall eines deutschen Siegs! |
| Was hältst Du von der Tendenz der deutschen Regierung, immer unbedingt Klassenerster sein zu wollen? Ein schrecklicher Defekt, ich war übrigens nie Klassenerster. |
In einem Reiseführer steht, dass bis vor nicht allzu langer Zeit viele sardische Dörfer mit ihren Nachbarn verfeindet waren. Kann ich überall in Sardinien erzählen, dass ich zu Gast in Gavoi bin? Du kannst es in die ganze Welt hinausschreien und dir einen neuen Reiseführer kaufen. |
| Was sollten wir hier in Gavoi unbedingt vermeiden, um Peter Probst nicht zu verärgern? Ich bin nur schwer zu verärgern, aber leicht zu irritieren. Und das ist gut fürs Schreiben. |
Was darf ich als Deutscher in Gavoi auf gar keinen Fall tun? Was ein jeder, egal woher er kommt, immer vermeiden sollte: ungezogen zu sein. Insofern besteht also keine Gefahr für dich. |
| Bist du trinkfest – ganz besonders was Wein und „Mirto“, unseren sardischen Likör angeht? Ich mag Wein und euer Mirto schmeckt mir auch. Aber in einem Trinkwettbewerb hätte ich keine Chance. |
Was ist gerade das wichtigste politische Thema in Gavoi? Ich wohne in Bologna und werde mal beim Organisationskomitee vor Ort nachfragen. |
| An welchen Projekten arbeitest Du im Moment? Ich beschäftige mich mit der seltsamen Beziehung zwischen Luis Trenker und Leni Riefenstahl. Vielleicht arbeite ich auch an einem Skript über Frauen bei den Neonazis weiter. |
Wie schafft ihr es, 30.000 Gäste zu eurem Festival „Isola delle storie“ zu locken? Und wo bringt ihr sie unter? Mit Energie, Gastfreundschaft und Intelligenz. Wir sind es seit Jahrtausenden gewohnt, unsere Gäste besser als uns selbst zu behandeln. |
Deutschland auf dem Festival „Isola delle Storie“
Im Rahmen des Festivals wird auch der Film Die Hebamme – Auf Leben und Tod vorgestellt – eine deutsch-österreichische Koproduktion aus dem Jahr 2009 unter der Regie von Dagmar Hirtz und nach dem Drehbuch von Peter Probst –, die über den dramatischen Konflikt zwischen Glaube und Wissenschaft reflektiert, indem sie die Erlebnisse einer jungen Hebamme in einem kleinen Tiroler Dorf Anfang des 19. Jahrhunderts erzählt.
Deutschland wird außerdem durch den Schriftsteller Friedrich Chistian Delius repräsentiert, des Weiteren durch den bekannten deutschen Sozialwissenschaftler, Publizisten und Juristen Meinhard Miegel, den freien Journalisten Michael Braun (seit 2000 auch Korrespondent für die TAZ) sowie Matteo Galli, ordentlicher Professor für deutsche Literatur an der Universität von Ferrara.
Im Rahmen des Festivals wird auch der Film Die Hebamme – Auf Leben und Tod vorgestellt – eine deutsch-österreichische Koproduktion aus dem Jahr 2009 unter der Regie von Dagmar Hirtz und nach dem Drehbuch von Peter Probst –, die über den dramatischen Konflikt zwischen Glaube und Wissenschaft reflektiert, indem sie die Erlebnisse einer jungen Hebamme in einem kleinen Tiroler Dorf Anfang des 19. Jahrhunderts erzählt.
Deutschland wird außerdem durch den Schriftsteller Friedrich Chistian Delius repräsentiert, des Weiteren durch den bekannten deutschen Sozialwissenschaftler, Publizisten und Juristen Meinhard Miegel, den freien Journalisten Michael Braun (seit 2000 auch Korrespondent für die TAZ) sowie Matteo Galli, ordentlicher Professor für deutsche Literatur an der Universität von Ferrara.
Copyright: Goethe-Institut Italien
Online-Redaktion
Mai 2012
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Mai 2012
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