Die Bücher im Tandem

Mittelstufe:
Prinzessinnen


In einem tiefen dunklen Wald...

In dieser Märchenparodie bricht Paul Maar mit den gängigen Vorstellungen von Prinzessinnen und mit den Erwartungen der Leser: Die verwöhnte Henriette-Rosalinde-Audora kann den rechten Mann nicht finden. Keiner der vielen Prinzen, die ihr ihre Aufwartung machen, gefällt ihr. Selbst ist die Frau, denkt da die Prinzessin, und inszeniert kurzerhand eine Entführung durch ein Untier. Schließlich weiß sie, wie es im Märchen läuft: Ein mutiger Prinz wird sie befreien, und genau den wird sie heiraten. Um auf Nummer sicher zu gehen, klärt die Prinzessin vorher ab, dass es sich um ein gutmütiges Untier handelt. Vorsichtshalber nimmt sie auch noch ihre Daunendecke mit, ihr zusammenklappbares Bett, den halben Kleiderschrank und bergeweise Proviant. Das alles wird an den Rand des Waldes transportiert, in dem das Ungeheuer haust. Allerdings entsprechen auch die Prinzen in dieser urkomischen Geschichte nicht den Klischees. Keiner schafft es, die Prinzessin zu befreien. Das öffnet Tür und Tor für eine überraschende Wendung.

Zum Einsatz im DaF-Unterricht
Wie könnte die Geschichte wohl ausgehen? – Es bietet sich an, das Buch bis Seite 36 gemeinsam in der Klasse zu lesen. Also bis zu dem Punkt, als Prinzessin Henriette-Rosalinde-Audora am Waldrand campiert und auf ihre Entführung wartet. Die gemeinsame Lektüre lässt sich auflockern und erleichtern durch die Projektion der zum Teil comicartigen Illustrationen von Verena Ballhaus. Die komischen Dialoge lassen sich mit verteilten Rollen lesen. Im Anschluss entwickeln die Schüler in Gruppenarbeit eine Version davon, wie es weitergehen könnte. Dabei ist auch eine Umsetzung in Text und Bild, z.B. in Comicformat, möglich.

In einem tiefen dunklen Wald... : Paul Maar / Verena Ballhaus (Ill.)
Oetinger 1999, 144 S., € 13.90, ab 8 Jahren


La principessa capovolta

Raymond Queneaus Stilübungen sind die Inspirationsquelle für dieses unterhaltsame Buch von Andrea Sottile, in dem er den jungen Lesern den Spaß am Geschichtenerzählen vermitteln will. Ausgangspunkt ist ein Märchen, das ein Vater seinen zwei Töchtern, Irene und Miranda, erzählt. In ihm geht es um eine gelangweilte Prinzessin, die während eines Spazierganges im Garten so tief seufzt, dass sie kopfüber über die Wurzeln eines Baumes stürzt. Aber dies ist nur der Anfang, denn sobald man zum Kern der Geschichte zu kommen scheint, fängt diese stets von vorne an, mit immer neuen Details und jedes Mal in einem anderen Stil: als Kinderreim, Brief, Kochrezept, Telefongespräch, Telegramm, Fernsehnachricht, Horrorgeschichte, in altertümlicher Sprache oder als Werbeprospekt. Zum Schluss wird witzigerweise sogar eine Schulübung zur Textanalyse persifliert. Das letzte Kapitel mit seinen leeren Seiten und dem Titel „Es war einmal“ lädt schließlich die Leser dazu ein, selber kreativ zu werden, ein eigenes Märchen zu erfinden und dessen Faden dann in etlichen Varianten weiterzuspinnen.

Zum Einsatz im IaF-Unterricht
Die Didaktisierung ist schon im Buch selbst angelegt und zwar durch die abschließenden leeren Seiten, die der Leser ausfüllen soll. Die Klasse kann gemeinsam ein kurzes Märchen erfinden. Dann kann man in Gruppen die Geschichte jeweils auf einer der im Buch vorsgeschlagenen stilistischen Ebenen verarbeiten. Das Buch gibt die Möglichkeit, über unterschiedliche Textarten zu diskutieren und deren Hauptmerkmale zu erkennen. Der Aufbau des Buches ermöglicht es auch, je nach Sprachkompetenz der SchülerInnen, nur eine Auswahl an Textarten und Varianten zu behandeln.

La principessa capovolta : Andrea Sottile
Rizzoli 2012, 208 S., € 9.90, ab 8 Jahren



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