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L’Orma Editore - Begegnung mit Marco Federici Solari

Gli amici di Bernhard © L'Orma editore“Übersetzungen deutscher und französischer Literatur sind in Italien unterrepräsentiert." Das ist der Ausgangspunkt des kurzen Gesprächs mit Marco Federici Solari, der gemeinsam mit Lorenzo Flabbi Gründer und Seele des Verlags L’Orma ist.

Federici Solari bestätigt den Eindruck, den jeder schon hatte, wenn er eine Buchhandlung betritt: Ist der Autor im Regal fremdsprachig, so hat er sein Werk meist auf Englisch verfasst. L'Orma Editore ist ein kleiner Verlag, der sich im Herzen des Celio-Viertels einen Steinwurf vom Kolosseum entfernt vor allem deutscher und französischer Literatur widmet.

„Wir beschäftigen uns bewusst mit Übersetzungen", sagt Federici Solari, während ich mich zwischen dem Kommen und Gehen der Mitarbeiter und der Katzen, die hier ganz zu Hause sind, sehr wohlfühle. Federici Solari bekennt seine uneingeschränkte Liebe zu Kafka und kramt mit einer beeindruckenden Mischung aus Bescheidenheit und Enthusiasmus sein enormes akademisches und professionelles Wissen hervor, sowie die eigene Geschichte und die von Flabbi als Übersetzer für große Verlage, die sie sozusagen als Aussteuer in den eigenen Verlag eingebracht haben. Er erklärt die großen Veränderungen, das Beben, das die deutsche Literatur nach 1989 durchgemacht hat.

„Unser ganzer Stolz ist im Moment die Veröffentlichung der gesamten Tetralogie der Jahrestage von Uwe Johnson, deren erste Bände vor Jahren von Feltrinelli herauskamen. „Mich interessiert die Reihe I Pacchetti, die ersten Bücher, die man zukleben und, mit einer Briefmarke von 1,50 Euro versehen, verschicken kann. Das Gespräch kommt unvermeidlich auf die Turiner Buchmesse, bei der Deutschland dieses Jahr Ehrengast ist. L'Orma wird das jüngste Werk von Peter Schneider veröffentlichen, einem der Anführer der Berliner Studentenbewegung, der seine Stadt beschreibt wie kein anderer, der Autor von Der Mauerspringer. "Das Buch heißt Die Lieben meiner Mutter und erzählt von der überraschenden Entdeckung eines Schuhkartons mit Liebesbriefen der Mutter des Autors, einer nie an die Öffentlichkeit getretenen Schriftstellerin, die im Schatten der übergroßen Bedeutung ihres Ehemanns lebte, eines Dirigenten." Bezüglich Turin hat L'Orma auch Aus der schönen neuen Welt übersetzen lassen, zwei Reportagen von Günter Wallraff, dem für seinen investigativen Journalismus bekannten Autor von Ganz unten, der als offizieller Gast zur Buchmesse geladen ist.

Am Ende bleibt nur noch Zeit für zwei weitere Bücher. „Zwei Romane, Der amerikanische Investor von Jan Peter Bremer, die tragikomische Geschichte eines steinreichen Mannes, der in einem Flugzeug lebt, und eines Schriftstellers, der seine Inspiration verloren hat, und Freunde um Bernhard von Annemarie Schwarzenbach, die Abenteuer einer Gruppe junger Künstler zu Beginn des Nationalsozialismus."

Giovanni Giusti
schreibt aus einer Art Impuls heraus wie besessen in der Metro auf kleinen quadratischen Blöcken. Er hat keinen Hochschulabschluss, aber wehe dem, der versucht, ihm bei Trival Pursuit oder beim Quizduell herauszufordern.

Goethe-Institut Italien
Information & Bibliothek, Online-Redaktion
Übersetzung: Bettina Gabbe
April 2015

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