Büchermarkt

Relaunch der Comic-Füchse – das neue „Fix & Foxi“

Fix und Foxi mit iPhone; © Worldcopyright Rolf Kauka 1953/2000 und Promedia Inc. 2001/2010. Alle Rechte vorbehaltenFix und Foxi mit iPhone; © Worldcopyright Rolf Kauka 1953/2000 und Promedia Inc. 2001/2010. Alle Rechte vorbehaltenMit dem Relaunch von „Fix & Foxi“ erstrahlt ein deutscher Comic-Klassiker seit Anfang 2010 in neuem Gewand. Mit Goethe.de sprachen die Macher Steve Jones und Martin Söffker über Füchse mit iPhones, die Emanzipation von Lupinchen und den digitalen Verkauf von Comics im Netz.

Fix: „Mann, das rockt.“ Darauf Foxi: „Cool, dass die Aktion derartig einschlägt!“ – Solche Sprüche hatten die Füchse 1953 noch nicht auf Lager, als sie der Feder ihres Erfinders Rolf Kauka entsprangen. Seitdem bestritt das Füchse-Paar rund 2.000 Abenteuer, bis im Juni 2009 die Nachfrage schließlich so stark gesunken war, dass der Comic eingestellt wurde und der damalige Verlag Tigerpress Insolvenz anmelden musste.

Doch schon im Januar 2010 meldeten sich Fix und Foxi im Berliner Verlag New Ground Publishing zurück. Die neuen Herausgeber haben die Füchse einem groß angelegten Relaunch unterzogen.

Der „Edutainment“-Ansatz

Heftcover von „Fix und Foxi“; © Worldcopyright Rolf Kauka 1953/2000 und Promedia Inc. 2001/2010. Alle Rechte vorbehaltenHerr Jones und Herr Söffker, wie kann man Kinder in Zeiten von animierten Computerspielen noch für gedruckte Comic-Abenteuer begeistern?

Steve Jones: Anders als Computerspiele, die nur Unterhaltung bieten, kombiniert das neue Fix & Foxi Unterhaltung mit Wissenswertem. Mit diesem „Edutainment“-Ansatz möchten wir nicht zuletzt die Eltern ansprechen, die den Comic von früher kennen und auf pädagogisch wertvolle Unterhaltung für ihre Kinder Wert legen.

Martin Söffker: Wir wollen dadurch Kindern Wissen mit einem Fun-Faktor vermitteln. Im Comicteil der Januar-Ausgabe Das Licht der Tiefe beispielsweise begeben sich Fix und Foxi mit dem Raben Professor Knox auf eine abenteuerliche Reise in die Südsee. Der Wissensteil, den wir gemeinsam mit dem Berliner Naturkundemuseum erarbeitet haben, ergänzt den Comic um Informationen rund um die Südsee.

Fix und Foxi googeln

Bild aus „Fix und Foxi“; © Worldcopyright Rolf Kauka 1953/2000 und Promedia Inc. 2001/2010. Alle Rechte vorbehaltenWie haben die neuen Füchse ihr Outfit verändert?

Martin Söffker: Neue Klamotten tragen sie nicht. Die Grundausstattung ist immer noch die gleiche. Das hat mit dem Styleguide zu tun, der etwa vorgibt, dass Fix und Foxi rot sein müssen. Das hat Rolf Kauka 1953 festgelegt und so wird es immer bleiben. Neu ist allerdings, dass Fix und Foxi ein iPhone benutzen und googeln, eine X-Box und eine Playstation haben: all diejenigen Dinge also, die die Kids von heute auch haben. So findet Identifikation statt.

Hat sich an den Charakteren etwas geändert?

Martin Söffker: Allerdings. In der Februar-Ausgabe Monströse Maskerade dringt Lupinchen über das Internet in die digitale Welt ein. Lupinchen ist nicht länger das kleine brave Fräulein, wie sie die Gesellschaft der fünfziger Jahre gerne sah. Heute ist Lupinchen tough, spielt Fußball und ist Fix und Foxi völlig gleichberechtigt.

Den Kids aufs Maul geschaut

Bild aus „Fix und Foxi“; © Worldcopyright Rolf Kauka 1953/2000 und Promedia Inc. 2001/2010. Alle Rechte vorbehaltenUnd sprachlich?

Martin Söffker: Natürlich. Die Sprache – und vor allem die Jugendsprache – hat sich seit den Fünfzigerjahren ja weiterentwickelt. Wir gehen mit und lassen Fix und Foxi durchaus mal sagen: „Boa, ist das krass!“.

Woher wissen Sie, wie Jugendliche reden?

Martin Söffker: Wir sind ein sehr junges Team, ich bin mit 34 der Älteste. Unser Chefredakteur ist 29, die beiden Zeichnerinnen 24. So weit ist die Jugend von uns also noch nicht entfernt. Außerdem beliefern wir eine kleine Gruppe von Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren regelmäßig vorab mit unseren Geschichten und wollen ihre Meinung dazu wissen.

Als Streber gibt es Lupo

Lupo; © Worldcopyright Rolf Kauka 1953/2000 und Promedia Inc. 2001/2010. Alle Rechte vorbehaltenEines hat sich seit 1953 nicht verändert: Fix und Foxi sind clever und mutig wie eh und je ...

Martin Söffker: ... und verantwortungsvoll und sozialkompetent. Sie gehen vernünftig mit ihrer Umwelt um, sind weltoffen und unvoreingenommen – zwei tolle Charaktere, die eine Menge Gutes widerspiegeln.

Besteht da nicht die Gefahr, dass die Kinder denken „Ach je, was für Streber“?

Martin Söffker: Nein, dafür gibt es Lupo. Er bündelt einige negative Eigenschaften, ist zum Beispiel ziemlich egoistisch.

Der digitale Fuchsbau

Bild aus „Fix und Foxi“; © Worldcopyright Rolf Kauka 1953/2000 und Promedia Inc. 2001/2010. Alle Rechte vorbehaltenDie neuen Medien spielen bei den „gerelaunchten“ Füchsen eine große Rolle. Das aktuelle Heft gibt es nicht nur im Kiosk, es kann auch im Netz heruntergeladen werden ...

Steve Jones: Die Füchse haben unter fixundfoxi.de ein digitales Zuhause bekommen. Auf der Internetplattform findet der Verkauf der Web-Ausgaben von Fix & Foxi statt. Als PDF, ePub oder Livebook lassen sie sich auf fast allen Endgeräten lesen. Bald bieten wir außerdem eine eigene Applikation für das iPhone und das iPad an. Und noch in diesem Jahr soll Fix & Foxi auch über verschiedene Spielkonsolen lesbar sein.

Derzeit entsteht auch ein Online-Archiv. Wird das Fix-und-Foxi-Material seit 1953 komplett verfügbar sein?

Steve Jones: Etwa 1.500 Ausgaben hat uns der Lizenzgeber zur Verfügung gestellt. Insgesamt sind seit 1953 jedoch an die 2.000 Ausgaben erschienen. Wir wollen uns mit Hilfe der älteren Comicleser auf die Suche nach den restlichen 500 Ausgaben machen. Vielleicht wird es einige Hefte geben, die niemals ihren Weg in das Archiv finden und verschollen bleiben. Unser Ziel ist es, dass bis Ende dieses Jahres 90 Prozent online erhältlich sind.

Verena Hütter
führte das Gespräch. Sie arbeitet als freie Autorin und Redakteurin in München.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
April 2010

Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!
online-redaktion@goethe.de

Links zum Thema

Bücher, über die man spricht

Empfehlungen aus Mittelosteuropa zu neuer deutschsprachiger Belletristik und Sachliteratur: „Bücher, über die man spricht“ stellt zwei Mal im Jahr Neuerscheinungen vor und vermittelt aktuelle Tendenzen.

litrix.de: German literature online

Portal zur Vermittlung deutscher Gegenwartsliteratur