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Schnattern und zwitschern – Autoren im Netz

Screenshot vom Suhrkamp-Verlag auf facebookDeutsche Autoren erobern den Cyberspace und entdecken immer mehr Möglichkeiten in Sozialen Medien, wo sie ihre Texte online publizieren und den Dialog mit dem Leser bekräftigen.

Das Internet bietet neue Lesarten an: Hypertexte, Bloggen und Co. sind auf dem Vormarsch und noch nie gab es so breitgefächerte Plattformen für Schriftsteller, die sich selbst online verlegen, sich in Foren und Social-Media-Gruppen tummeln oder eigene Werke auf ihrer privaten Website präsentieren und gerne kostenlose Appetithäppchen servieren. Längst hat die Literaturszene das Web 2.0 entdeckt, wobei auch Unbekannte ihrerseits auf Entdeckung hoffen, denn nie war es so einfach, potenziell viele Menschen mit virtuellen Leseproben, Netzwerkeln und Bloggen zu erreichen.

Bestseller durchs Netz

Der junge US-amerikanische Autor John Green hat es gar mit Youtube, Twitter und Facebook zum Bestseller gebracht, obgleich in letzter Konsequenz mit Hilfe von Amazon und seinem Verlag. Die Regel ist solch ein Fall sicher noch nicht, eher eine Ausnahme im Netz-Dschungel der Social-Media-Autoren. Wer selbst nicht solche Initiativen zu ergreifen im Stande ist, der kann auf Onlineservices wie XinXii zurückgreifen, wo Buchmarketing im sozialen Medium geplant und mit Hilfe von Experten publikationsreif gemacht wird. „Europas führende digitale Self-Publishing Plattform“ erfreut sich immer größerer Beliebtheit vor allem bei unbekannten Autoren, die eine Vielzahl von Services in Anspruch nehmen können: Buchtrailer für Youtube, Pressemitteilungen, Bookmarks und vieles mehr in der Social-Media-Landschaft.

Literatur im bewegten Bild

Screenshot von zehnseiten.deWie gehen denn bekannte deutsche Autoren mit diesen Dingen um? Bloggen und twittern sie ebenso freudig oder verlassen sie sich ausschließlich auf klassische Vermarktungsstrategien ihrer Verlage, die sich bis heute an Printmedien orientieren? Lettra.tv hat bereits hunderte von Videos über populäre Bücher und deren Autoren auf Youtube veröffentlicht, ganz so als wäre es bereits völlig normal, Kritik und Empfehlung des gedruckten Buches auch auf dem sonst eher als Mainstream-Plattform bekannten Video-Portal hochzuladen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Schriftsteller auf ihrer Website auch einen Link zu ihrem Youtube-Channel präsentieren, sowie aktuelle News zum geschäftigen Treiben bei Twitter anbieten. Alles ganz sozial und kostenlos. Zehnseiten.de betreibt professionelle Autorenlesung im Flash-Video-Modus und verhilft der einfachen Videobotschaft zum edlen Anschein, wobei sie auch bei allen anderen Social-Media-Plattformen präsent ist und dort rege Kontakte zur Leserschaft pflegt. Die Beziehung zwischen Autor und Leser befindet sich durch das Netz hindurch in einem Zustand, in dem Verlage ihre Rolle neu definieren müssen.

Ein Buch, ein Gesicht

Screenshot vom Blog von Nele NeuhausWas machen etablierte Berufsschreiber mit Facebook, dem wohl berühmtesten Social-Media-Phänomen? Nicht alle gehen damit so freizügig um wie das Paradebeispiel Green. Doch auch wer keinen eigenen Account hat, landet gerne im Verzeichnis und wird mit dem typischen „Gefällt-mir-Button“ ausgerüstet, anhand dessen die eigene Popularität gemessen wird, ob man das nun möchte oder nicht. Große Schriftsteller findet man kaum mit eigenem Account auf jener beliebten Plattform. Dann lieber ein Foto im Klappentext. Krimi- und Jugendbuchautorin Nele Neuhaus verweist hingegen auf ihrem Blog direkt zu Facebook, wo eifriger Austausch mit den Fans gepflegt wird. Doch die Regel ist das noch lange nicht.

Autoren und ihre Blogs

Screenshot von Arno Geiger beim Hanser VerlagBei jungen deutschen Autoren ist ein eigener Blog schon beliebter. Arno Geiger hat eine offizielle Website vom Carl Hanser Verlag mit reichlich Informationen, Leseproben und Feeds, während Silke Scheuermann, lediglich ein kleines Porträt auf der Verlags-Site bekommen hat. Es gibt also eklatante Unterschiede, wie sich Autoren im Netz präsentieren. Blogs sind Mitteilung pur. Sie sorgen für rege Geschäfte mit Aktualität und Dokumentation und helfen dem Leser, einen tieferen Einblick in die Welt des Autors zu gewinnen. Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek veröffentlicht gleich einen ganzen Roman auf ihrer Website neben den äußerst umfangreichen Beiträgen zu anderen Medien, wie Kino, Theater oder Musik. Entgegen des typischen Bloggings verzichtet sie allerdings auf Kommunikation mit der Leserschaft.

Dialog mit dem Leser

Screenshot von Elfriede Jelineks HomepageEinige kleine und große Verlage kommunizieren über Facebook mit ihren Lesern. Der Suhrkamp Verlag pflegt zum Beispiel eine aktuell gehaltene Seite, auf der gerne direkt auf Kommentare der Leserschaft geantwortet wird. Sicher entsteht im Dialog mit dem Leser auch neue Literatur, Eindrücke werden hoffnungsvoll aufgenommen und verarbeitet, unbewusst oder ganz bewusst. Noch nie war Literatur so leserfreundlich und intermedial wie zu Zeiten des Internets. Verlage haben es mit neuen Dimensionen der Publikation und Werbung zu tun. Sie werden umdenken und ihre neue Funktion auf den rasanten Social-Media-Zuwachs einstellen müssen.

Björn Pötters
studierte Allgemeine Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft und Psychologie in Paderborn. Er arbeitete für das Goethe-Institut Accra in Ghana und als Redakteur in Spanien. Momentan ist er im Bereich Public Relations (Storytelling) und als freier Autor tätig.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
September 2011

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