Wo Literatur zugleich ankert und in See sticht – Literaturport

2006 ist www.literaturport.de als Online-Anlaufstelle für Literatur gestartet. Seither wächst das Angebot und mit ihm die Zahl der Schriftsteller, die es mitgestalten. 2008 ist das umfangreiche Rechercheinstrument mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden.
„Das Nomadendasein fällt in Berlin so leicht wie der dörfliche Rückzug, ich suche beides.“ Julia Franck zeigt ihr Berlin – in elf Stationen, die sie ihre „Wohnstationen“ nennt und wo sie nie länger als drei Jahre gelebt hat.
Francks Berlin-Tour kann man nachlesen oder sich anhören. Es gibt Fotos dazu und eine Karte, auf der die beschriebenen Stationen mit Fähnchen markiert sind. Das ist eine von zurzeit 16 Literatouren, mit denen das Internetportal www.literaturport.de Orte und Schriftsteller auf ungewöhnliche Weise als miteinander verbunden präsentiert.
Für Schriftsteller und für ihre Leser
Literaturport versteht sich als „Literaturhafen im Internet“. Die Online-Plattform, die vom Literarischen Colloquium Berlin und vom Brandenburgischen Literaturbüro initiiert wurde, verfolgt dabei zwei Ziele.
Zum einen will sie eine Anlaufstelle für deutschsprachige Autoren sein; sie finden hier relevante Informationen für ihre Arbeit und über den Literaturbetrieb. Zum anderen sollen auch Leser und Literaturvermittler so schnell wie verlässlich über aktuelle Entwicklungen im Literaturbereich informiert werden.
Die Literaturlandschaft Berlin-Brandenburg
Das Portal gliedert sich – zusammen mit den erwähnten „Literatouren“ – in sieben Hauptrubriken: „Autorenlexikon“, „Literaturlandschaft“, „Veranstaltungen“, „Autorentöne“, „Preise/Stipendien“ sowie „Leselampe“.
In der Rubrik „Literaturlandschaft“ sind die Orte verzeichnet, in denen es in Berlin und Brandenburg literarische Institutionen wie Bibliotheken, Literaturgedenkstätten und -archive gibt. Darüber hinaus findet man hier unter „Literatur zum Ort“ Texte, die Beziehungen zum Ort der Wahl aufweisen. Verzeichnet sind lokale Sagen, aber auch literarische Beschreibungen zum Beispiel von Bettina von Arnim, Theodor Fontane, Karl Gutzkow oder Heinrich Heine.
Ein Lexikon aus Selbstporträts
Das Autorenlexikon besteht aus zwei Teilen: einem zeitgenössischen und einem historischen. Das historische Lexikon umfasst circa 3.000 Autoren aus der Region Berlin-Brandenburg. Das zeitgenössische Lexikon beschränkt sich nicht auf diese Region, sondern umfasst den gesamten deutschsprachigen Raum. Hier werden Autoren aus den Bereichen „Belletristik“ und „Kinderbuch“ vorgestellt, die bereits über mindestens eine eigenständige Veröffentlichung verfügen.
Das Besondere und Einzigartige: Die Schriftsteller verfassen die Einträge selbst. Das Lexikon bietet ihnen damit eine Plattform, um sich und ihre Arbeit vorzustellen. Der Eintrag kann wie bei einer eigenen Website jederzeit von den Autoren verändert und aktualisiert werden. Zurzeit präsentieren sich hier 680 Zeitgenossen – und es werden ständig mehr.
O-Töne von Autoren
Doch man kann sich im Literaturhafen nicht nur lesend und schauend über die Literaturschaffenden informieren. Unter „Autorentöne“ gibt es ein recht umfangreiches Verzeichnis von Hörproben aus der aktuellen deutschsprachigen Belletristik.
Ein großer Teil der Hörtexte ist von den Autoren selbst eingelesen worden. Uwe Tellkamp liest aus Der Turm, Julia Franck aus Die Mittagsfrau, Martin Walser aus Ein liebender Mann, Günter Grass aus Beim Häuten der Zwiebel. Im Schnitt sind die Hörproben zehn Minuten lang; das Anhören und sogar das Herunterladen der MP3-Datei ist – wie übrigens das gesamte Angebot – kostenlos.
Termine und Buchtipps
Als Serviceleistung für Schriftsteller und Verlage ist die Rubrik „Preise/Stipendien“ gedacht. Täglich aktualisiert erscheinen dort die laufenden literarischen Ausschreibungen aus dem deutschsprachigen Raum.
Zudem findet man auf der Website ausgewählte literarische Veranstaltungen in Berlin und Brandenburg. Auch wer einen Buchtipp sucht und sich dazu nicht durch lange Feuilletonartikel kämpfen möchte, wird auf www.literaturport.de gut bedient. Unter „Leselampe“ gibt es jede Woche eine neue Literaturempfehlung, die jeweils von einer Person aus dem kulturellen Leben stammt – von Verlegern, Literaturkritikern, -wissenschaftlern und -agenten, aber auch von Politikern. Und: Keine der Empfehlungen ist länger als 200 Zeichen.
Nutzer in aller Welt
Literaturport wird weidlich genutzt. Im Juni 2008 wurden über 1,5 Millionen Zugriffe von 45.500 unterschiedlichen Nutzern gezählt. 6.500 Nutzer riefen das Portal aus dem Ausland auf: Aus 96 Ländern der Welt wird regelmäßig auf die Website zugegriffen. Nach den deutschsprachigen Ländern stammen die meisten Aufrufe aus den USA, aus Polen, Frankreich und Italien.
Dieser zählbare Erfolg wie auch die Nominierung für den European Regional Champions Award 2008 und die Auszeichnung mit dem Grimme Online Award 2008 spornen das Team rund um die Website an, das Angebot weiter auszubauen. In Zukunft soll es auch um die Rubrik „Verlagskultur“ erweitert werden, die alle Berliner Verlage in einer individuell gestalteten Übersicht erfasst.
Bis dahin und auch dann noch können sich junge Eltern, Nachtschwärmer, Schokoladenfans und andere Büchernarren von Christoph Peters, Tilman Rammstedt und Tanja Dückers per Mausklick durch Berlin führen lassen – auf der „Familien-“, der „Abend-Nacht-“ oder der „Schoko-Kunst-Tour“.
arbeitet als freie Publizistin in Bonn.
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April 2009
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