Auftakt zum Mord 2

Sucht

von Simon Borowiak

Copyright © 2014 Albrecht Knaus Verlag, München

Cromwell hat sieben Ärzte und jeder verschreibt ihm diverse Aufputsch- und Beruhigungsmittel, aber so geht's nicht. Borowiak erzählt mit viel Ironie von der Hölle der Medikamentenabhängigkeit, der Depression und dem harten Leben einer psychiatrischen Notaufnahme, überzeugt davon, dass man die schlimmsten Dinge im Leben nur als Komödie erzählen kann.


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Kapitel 1

Cromwell Jordan war ein weiches Kind, das viel träumte, nie krank war und weder Gott noch Keuchhusten fürchtete. Damit hätte seine Entwicklung zu einem ebenso prachtvollen wie angstlosen Menschen gebongt sein können. Weil aber so dies und das dazwischenkam, entwickelte Cromwell sich letztlich zu einem brüchig-besonnenen Erwachsenen, der zwar noch manchmal träumte, aber ansonsten mit Kinderkrankheiten beschäftigt war. Und seine Besonnenheit war brüchig, weil sie eine chemische war. Denn eines Tages beschloss er, wann immer ihn Gott, Keuchhusten oder Angst zu zerreißen drohte, Tabletten en gros zu sich zu nehmen. Und schon wurde aus dem Aufgeriebenen ein friedfertiger Phlegmat, der es liebte, sich so weit wie möglich aus der Realität zu entfernen und im Schlaf selbst loszuwerden. Doch auch die Methode mit den Tabletten half nur etwa ein Jahr. Zwar ging Cromwell nicht der Stoff aus, denn er hatte inzwischen sage und schreibe sieben Hausärzte am Start, die nichts voneinander wussten und von denen ihm jeder einmal im Monat reinen Gewissens eine Monatspackung verschireb. „Das geht schief“, warnte ich. Aber ein angstfreier, gelöster Cromwell gab chemisch-besonnen zu bedenken, dass es sich bei ihm schließlich nicht um einen charakterschwachen Alkoholiker handle, er kenne das so manche. Immerhin fügte er, bevor ich betroffen aufjaulen konnte, hinzu: „Ich habe nichts gegen charakterschwache Alkoholiker. Mein bester Freund ist einer.“ „Danke. Aber das geht trotzdem schief.“


Über den Autor

Foto: Udo Röben Simon Borowiak, geboren 1964, war sieben Jahre Redakteur bei dem Satireblatt Titanic und ist Autor des Bestsellers Frau Rettich, die Czerni und ich (auch verfilmt). 2007 erschien ALK-fast ein medizinisches Sachbuch, laut Spiegel "ein Wunder an Komik, Recherche und Weisheit". Borowiak lebt und arbeitet in Hamburg. 2007 erhielt er mit Margit Schreiner den Belletristikpreis der LITERA (Internationale Buchmesse in Linz).