Graphic Novel

Janna Klävers über Gerechtigkeit

Copyright: Janna Klävers

Drei Comic-Reportagen beschäftigen sich mit dem Engagement von Jugendlichen heute. Es werden Geschichten, Ereignisse und Situationen auf der Basis physischer und emotionaler Zustände verarbeitet, die sich an der Grenze zwischen Tagebuch und Alltagsbericht bewegen.

Janna Klävers über Gerechtigkeit

In deinen Comics benutzt du Figuren und Wörter aus der Novelle „Michael Kohlhaas” von Heinrich von Kleist, ein Werk des frühen 19. Jahrhunderts. Sind seine Gedanken noch aktuell?

„Michael Kohlhaas” ist für mich ein zeitloses Werk, das seine Aktualität nicht verlieren kann. Umstände ändern sich, aber Diskrepanzen zwischen verschiedenen Auffassungen von Gerechtigkeit werden wahrscheinlich immer existieren.

Wie kann seine Hauptfigur, „Michael Kohlhaas”, die Empörung der Europäischen Jugend verkörpern?

Die Figur des Michael Kohlhaas kann als Synonym für jede Person verstanden werden, die eine bestehende Ordnung nicht akzeptieren kann und sich gezwungen sieht, für ihr Recht einzustehen.

In deinem Comic verwandelt sich die Hauptfigur in einen Hund, als wolltest du ihre Distanz zur Gesellschaft unterstreichen. Ist die Flucht in eine Parallelwelt für dich ein Merkmal der heutigen europäischen Jugend?

Meine Geschichte erzählt nicht, dass Kohlhaas und seine Meute vor den gesellschaftlichen Problemen fliehen. Sie machen vielmehr ihren Standpunkt deutlich – was danach kommen kann lässt die Geschichte offen.
Ich glaube auch nicht, dass die „Jugend von heute" zur Flucht oder Verdrängung neigt. Die Art der Proteste hat sich allerdings etwas gewandelt und erscheint durch die Langfristigkeit vieler Probleme weniger geballt und dadurch auch weniger präsent.

Kann man die „Meute" als die heutige Jugend sehen?

Die „Meute" kann als jede Gruppierung gesehen werden, die sich von der Masse abgrenzt, um gegen
Ungerechtigkeit einzustehen. Somit kann sie auch als der Teil der Jugend gesehen werden, der dies
tut.

Copyright: Janna Klävers


Michael Kohlhaas widerfuhr ein großes Unrecht durch Junker Wenzel von Tronka und seiner Familie. Wenn man die Zustände der heutigen europäischen Jugend damit vergleicht, welches Unrecht geschieht ihr und wer ist dafür verantwortlich?

Ich habe mich absichtlich dem Thema „Empörte Generation“ anhand des Prinzips der Gerechtigkeit angenähert. Denn ich finde es schwierig, von einer homogenen europäischen „Jugend von heute“ auszugehen.
Es gibt zwar viele Themen, die alle betreffen und gegen die man sich wehren sollte, wie Umweltzerstörung, Diskriminierung oder das Fehlen einer Perspektive für die Jugend in vielen europäischen Ländern, aber diese Probleme bestehen nicht erst seit gestern. Außerdem ist die Schuldzuweisung etwas komplizierter als in der Novelle von Kleist.

Wie bist du zu deinem Stil gekommen?

Ich habe lange gebraucht, um mich von den Vorstellungen lösen zu können, wie ein Comic sein und nicht sein darf. Und mich in dieser Offenheit auch wohl zu fühlen. Comic kann so vieles sein. Schließlich habe ich eingesehen, dass ich den Spaß an der Zeichnung während des Prozesses nicht verlieren darf, auch wenn das für mich eine unpraktisch langsame Arbeitsweise bedeutet.
Die Geschichten, die ich erzähle, schienen irgendwann anzufangen einen realistischeren Stil von mir zu fordern, um die richtigen Atmosphären erzeugen zu können. Ich hatte das Gefühl, dass die traumhaften und symbolischen Elemente meiner Erzählungen ein hartes Gegengewicht brauchten um Klischees zu vermeiden. In meinem Fall entstand dadurch eine Tendenz zum Realismus.

Goethe-Institut Italien, Information & Bibliothek
Online-Redaktion
Februar 2014

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