Graphic Novel

Julian Fiebach über die Energiewende

Julian Fiebach© J.Fiebach

Drei Comic-Reportagen beschäftigen sich mit dem Engagement von Jugendlichen heute. Es werden Geschichten, Ereignisse und Situationen auf der Basis physischer und emotionaler Zustände verarbeitet, die sich an der Grenze zwischen Tagebuch und Alltagsbericht bewegen.

Die Energiewende in Julians Geschichte

Dein Stil erinnert an die Comics der Tageszeitungen. Dachtest du beim Zeichnen an einen bestimmten Autor?

© J.Fiebach Ich glaube, ich sauge ständig irgendwelche Bilder und Stile auf. Im Falle des Wettbewerbcomics waren das ganz konkret: Zum einen“Nancy” von Ernie Bushmiller, ein amerikanischer Zeitungsstrip aus den 40er Jahren.
Zum anderen lag zu dieser Zeit gerade Chris Wares “Acme Novelty Library No. 19” auf meinem Schreibtisch. Die Art sehr große, panoramaartige Panel gegen erzählerischere Sequenzen aus kleineren Panels zu setzen, kam wahrscheinlich daher. Ganz generell versuche ich aber eher einen festen “eigenen Stil” zu meiden.Vielmehr ist es zurzeit so, dass ich versuche, die Stilfrage mit jedem Comic neu auszuhandeln.

In deinem Comic bewirken die Proteste gegen die Umweltverschmutzung eine Auflösung eines Kraftwerks, das jedoch aufgrund der Energieabhängigkeit in einem anderen Land wieder aufgebaut wird.

Können, deiner Meinung nach, Proteste der Jugend die politischen Entscheidungen der einzelnen Staaten und der Europäischen Union beeinflussen?

Puh. Im Comic war es eigentlich so, dass das Kraftwerk gar nicht unbedingt wegen der Protestaktion umgezogen ist, sondern weil der Kraftwerksbesitzer im Nachbarland nicht für seine Umweltverschmutzung zahlen muss. Ich glaube trotzdem, dass Demonstration, Proteste und Diskussion ein Muss sind. Man muss sich darüber unterhalten, was einen stört.

Können, deiner Einsicht nach, Comics der Jugend soziale Probleme näherbringen?

Ja. Aber so ein Comic ist auch nur ein winziges Puzzlesteinchen von Vielen. Was ich aber irgendwie wunderbar finde, ist, dass theoretisch jeder sich einen Stift schnappen kann und einen wortlosen Comic machen kann, der dann auf der ganzen Welt gelesen werden kann.

© J.Fiebach


Die „Energiewende“ ändert schon heute unseren Lebensstil. Wenn du einen Comicstrip über das gleiche Thema zeichnen solltest, der in einer nahen Zukunft spielt, wie würdest du dir die Gesellschaft vorstellen?

Ich glaube, dass sich in der Gesellschaft der nahen Zukunft die heutigen Probleme noch steigern werden, da der Energieverbrauch eben auch steigt. Wenn die Lösungen der Probleme darin bestehen, dass man immer neues dazu baut, wie eben auch Windkraftanlagen, dann bleibt man in einer stetigen Wachstumsspirale gefangen, die bei global begrenzten Ressourcen keine Lösung sein kann.

Ich stelle mir die nahe Zukunft als einen Ort vor, in dem es ein „Mehr“ aller heutigen Dinge gibt: mehr Multimedia, mehr Technik, mehr Perspektiven, mehr Lösungen, mehr Durcheinander, mehr Computerchips, mehr Effizienz. Aber alle Lösungen müssen am Ende auch Geld bringen.

In deinem Werk werden die Bilder durch den Mangel an Wörtern verstärkt. Benutzt du diese Technik auch in deinen anderen Comics?

Ja. Ich bin von wortlosen Comics zurzeit am meisten fasziniert. Zum Beispiel zeichne ich gerade zusammen mit Benjamin Gottwald an einer wortlosen Abenteuergeschichte.

Goethe-Institut Italien, Information & Bibliothek
Online-Redaktion
Februar 2014

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