Deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur

Postkarten - Cartoline

Ein Ausschnitt von Kleiner Mann grosser Traum von Marta Jorio

Postkarten-Cartoline ist ein Kunst-Projekt des Goethe-Instituts Italien mit Sitz in Rom, das entwickelt wurde, um die deutsche und die italienische Kultur mit den Mitteln der Illustration zu fördern.

Zu den unterschiedlichen Arbeitsphasen des im vergangenen Jahr gestarteten Projekts gehörten vier Stipendien für Künstler in Hamburg, Leipzig, Bozen und Palermo. Aus Italien haben sich Alessandro Gottardo, alias Shout, und Marta Jorio, nach Deutschland aufgemacht, während aus Deutschland Aljoscha Blau und Katja Spitzer nach Italien geflogen sind. Ihre Aufgabe war es, durch genaue Beobachtung und Dokumentation die Physiognomie der Orte zu erkunden, Figuren auszuwählen, die die jeweilige Stadt abbilden, und eine Sammlung bildlicher Notizen zu erstellen, die die Grundlage für einen Leporello zu den jeweiligen Aufenthaltsorten bilden sollten.



Die Autoren und Städte wurden nicht zufällig ausgewählt. Hamburg, Leipzig, Palermo und Bozen sind Punkte auf der europäischen Landkarte, auf die vor diesem Projekt noch niemand geachtet hatte. In einigen Fällen zielte die Einladung an die Künstler auf eine starke Übereinstimmung mit der Stadt, in anderen ging es um den Kontrast. Auch wenn es sich mit drei Wochen vor Ort und sechs Monaten Ausarbeitungszeit um einen relativ kurzen Zeitraum handelte, regte die Suche nach einem persönlichen und intimen Dialog mit den Orten und ihren Bewohnern die Künstler zu einer Erzählmethode an, die auf der Geographie basierte und auf den möglichen Erweiterungen dieser beschreibenden Wissenschaft im Bereich der visuellen Festhaltung, bis hin zur Abfassung eines Bildtagebuches in Form eines Leporellos.

Ich hatte das Vergnügen, die Illustratoren auf ihrer Reise zu begleiten. Dabei hatte ich Gelegenheit, Gottardos, Jorios, Spitzers und Blaus Schaffen von Nahem zu verfolgen und dabei zu erahnen, wohin ihre Bilder führten, nachdem sie zu Papier gebracht worden waren. Sie führten zu Aktionen und Situationen, die wir nicht ohne weiteres mit der Darstellung einer Stadt verbinden würden. Eine große Rolle spielten beispielsweise praktische Themen, die Stilfragen eher weniger beinhalteten, z.B. unterschiedliche Fortbewegungsmöglichkeiten, zu Fuß, per Boot, Taxi oder mit dem Fahrrad, der Seilbahn oder der Straßenbahn; Essen auf dem Markt oder im Restaurant; sich den Bewohnern des Ortes anzunähern oder bei langen einsamen Spaziergängen in stiller Beobachtung zu versinken.

Gottardo, Jorio, Spitzer und Blau haben während ihrer Aufenthalte an öffentlichen Veranstaltungen und wissenschaftlichen Konferenzen teilgenommen, an denen zahlreiche Institutionen beteiligt waren, darunter das Goethe-Institut Palermo, die Accademia di Belle Arti di Palermo, die Freie Universität Bozen, die HAW Hamburg und die HGB Leipzig. Auch die Landschaft, die Wetterbedingungen, Gerüche, Festivitäten und Bekanntschaften waren keinesfalls unwichtige Faktoren auf dieser Forschungsreise und auf der Suche nach Orten, in welche die Figuren von Postkarten-Cartoline einladen.



Taubenstraße 21 von Alessandro Gottardo, Kleiner Mann großer Traum von Marta Jorio, Leben & Sterben in Palermo von Aljoscha Blau und Bozen. Notizen und Bilder von Katja Spitzer können unabhängig voneinander gelesen oder auch als Reise in vier Etappen verstanden werden. Deshalb hat die Designfabrik, die das Bild-Projekt betreut, eine Hülle entworfen, in der alle vier Geschichten vereint sind. Ein Ort mehr in diesem topographischen Abenteuer, der den Leser anregt, den Spuren der Autoren auf einer Europa-Karte ohne Grenzen zu folgen, um etwa das nächste Mal mit eigenen Mitteln die italienischen und deutschen Zielpunkte erreichen zu können, auf denen die Zeichnungen von Gottardo, Spitzer, Jorio und Blau gründen. Die Reise und der Aufenthalt außerhalb der bereits bekannten territorialen Grenzen ist einer der Hauptgründe für das Vergnügen, welches das Erstellen der Postkarten- Cartoline bereitet, die Schritte nachzuahmen, und, sofern wir dies wünschen sollten, Grenzen zu überschreiten.

DIE AUTOREN

  • Alessandro Gottardo
  • Marta Jorio
  • Katja Spitzer
  • Aljoscha Blau
Giulia Mirandola
entwirft und betreut Projekte der Leseförderung sowie experimentelle Stationen für Schulklassen, die sich mit dem Betrachten und dem Erzählen der Natur und der Umgebung beschäftigen.
Sie arbeitet mit einer Reihe von Verlagen und Institutionen zusammen: Kinderbuchverlag Topipittori und Babalibri, Museum Mart, Muse, dem System der Stadtbibliotheken Trent, Casina di Raffaello, OliverLab, Spazio B**K.

Goethe-Institut Italien, Information & Bibliothek
Online-Redaktion
Übersetzung: Bettina Gabbe
Mai 2015

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