Italienische Bibliothekare vor Ort: Eine Reise durch Kultureinrichtungen für Jugendliche in Hamburg und Berlin

Im Rahmen des Projektes Boox ging am 6. November 2011 eine Gruppe von 10 italienischen Bibliothekaren, die vorwiegend auf die Arbeit mit Jugendlichen spezialisiert sind oder die sich auf diesem Gebiet mehr engagieren wollten, für 3 Tage auf eine Reise nach Hamburg und Berlin. Sie kamen aus den öffentlichen Bibliotheken ganz Italiens und lernten zahlreiche Bibliotheksbeispiele für Jugendliche, aber auch literarische Einrichtungen für Jugendliche kennen.
Nach vielen interessanten Besuchen und Gesprächen mit deutschen Kollegen endete die Reise mit einem Workshop zum Thema „Gezeichnete Helden – Comic und Graphic Novel als Chance zur Lesemotivationsförderung“, wo die Teilnehmer ganz konkrete Ideen und Materialien für eigene Aktivitäten erstellten.
Die Reise stand unter dem italienischen Motto „BooX - Accelerare il contatto tra libri e nuove generazioni”. Bereits im Vorfeld fanden zwei internationale Fachtagungen in Turin und Rom statt, die sich besonders mit der Bibliotheksarbeit für Jugendliche beschäftigten. Auch im nächsten Jahr plant das Goethe-Institut noch weitere zahlreiche Aktivitäten zum Thema Jugendbibliotheksarbeit, die konkreter über den Fachaustausch hinausgehen.
Bibliotheksarbeit für Jugendliche ist eine unverzichtbare Aufgabe öffentlicher Bibliotheken. Die Zielgruppe der Jugendlichen sollte deshalb auch als Kerngruppe verstanden werden, denn sie ist ein wichtiger Teil der Gesamtbevölkerung. Oft sind die Bedürfnisse von Jugendlichen vielfältig und inhomogen, so dass es den Bibliotheken eher noch schwer fällt, geeignete Angebote zu entwickeln. Vielen Öffentlichen Bibliotheken bleibt die Zielgruppe der Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahren fern. Jugendliche suchen in Bibliotheken besonders nach Angeboten für Freizeit und Unterhaltung. Medien, Ausstattung und Veranstaltungen müssen aktuell und trendy sein – immer auch unter Beachtung neuster Jugendstile. Deshalb gilt es, Konzepte zur Neugestaltung von Jugendbereichen zu entwickeln. Besonders wichtig ist es, die Jugendlichen an diesem Prozess zu beteiligen. Die Einrichtung muss den hohen technologischen Anforderungen der Jugendlichen gerecht werden und räumlich konsequent von der Kinderbibliothek getrennt sein. Vielerorts in Deutschland entstanden Jugendbereiche oder eigenständige Jugendbibliotheken. Auch in Italien ist man sich der Wichtigkeit, spezifische Medien und ansprechende Aktivitäten in Form von Jugendbereichen anzubieten, bewusst.
Folgende Einrichtungen wurden besucht:
Hoeb4U Bücherhallen Hamburg
Hoeb4U wurde im Dezember 2005 als erste Hamburger Jugendbibliothek für die Altersgruppe 14-24 eröffnet. Mit ihrem multimedialen, aktuellen Angebot, das sich ausschließlich an die Freizeitinteressen der Jugendlichen richtet, will die Bibliothek die Lese- und Medienkompetenz der jungen Nutzer fördern.
Bücherhalle Elbvororte (mit Jugendabteilung)
Schwerpunkt der Bücherhalle Elbvororte ist die Einführung neuer Medienarten wie zum Beispiel Wii-Spiele. Außerdem bietet die Bibliothek kostenlosen Zugriff auf alle eLearning-Angebote.
Literaturhaus Hamburg
Erdacht im Jahre 1985 von literaturbegeisterten Hanseaten, hat sich das Literaturhaus schnell zum Mittelpunkt des literarischen Lebens der Hansestadt entwickelt. Auch um potenzielle Nachwuchsleser kümmert sich das Literaturhaus: zum Beispiel mit dem „Sta*-club – Schüler treffen Autoren”, dem „Schreiblabor” für junge Menschen, der Reihe „Gedankenflieger – Philosophieren mit Kindern” sowie mit dem Projekt „Schulhausroman“ für Schüler zwischen 14 und 16 Jahren.
Kinderbibliothek Kibi Hamburg
Die Kibi ist Hamburgs Modellbibliothek für Kinder. Auf insgesamt 700 qm finden sich 50.000 ausleihbare Medien. Sie versteht sich als Zentrum für Kinderkultur und Kooperationspartner für Kindergärten, Schulen, Fachschulen, Fachhochschulen, der Universität, Museen, Verlage und Künstler.
Kinder- und Jugendbibliothek Hallischer Komet
in der Amerika Gedenkbibliothek Berlin
Als größte Kinder- und Jugendbibliothek Deutschlands bietet die Bibliothek mit einem Bestand von über 125.000 Medien ein vielseitiges, aktuelles, auf die Bedürfnisse der Zielgruppen abgestimmtes Medienangebot. Die Kinder- und Jugendbibliothek der ZLB ist ein überregionales Medien- und Informationszentrum mit zentralen Dienstleistungen für Berliner Öffentliche Bibliotheken und das Bibliothekswesen in Berlin.
Interkulturelle Familienbibliothek
Die Mittelpunktbibliothek ist Bildungseinrichtung, Lernort und Kommunikationszentrum für Bewohnerinnen und Bewohner aller Altersstufen im Einzugsbereich. Schwerpunkte der Arbeit liegen bei der intensiven Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit (Sprach- und Leseförderung, Hausaufgabenhilfe), sowie die Bereitstellung von Medien für die Bewältigung des Alltags und die sinnvolle Freizeitgestaltung von Familien im urbanen Umfeld.
Bezirkszentralbibliothek Frankfurter Allee
Eingeweiht im November 2010. Besondere Attraktionen sind eine Familienbibliothek, eine Kunstbibliothek (Artothek), ein Multimedia-Lernzentrum und ein eBook-Reader zum Ausprobieren.
Zentrale Kinder- und Jugendbibliothek Berlin-Spandau, Spandauer Jugendliteraturjury (Deutscher Jugendliteraturpreis)
2005 fiel hier der Startschuss für ein neues Projekt: Die Spandauer Jugendliteraturjury! 18 lesefreudige Jugendliche aus Berlin und Brandenburg im Alter von 14 bis 18 Jahren. Gemeinsam haben sie den Spandauer Jugendliteraturpreis aus der Taufe gehoben und sich darum beworben, eine der deutschlandweiten Jurys zu werden. Mittlerweile bestimmen sie mit, welches das beste Jugendbuch Deutschlands wird!
Galerie Ida Illuster
Ida Illuster ist eine international arbeitende Galerie in Berlin, die den Blick auf Original-Illustrationen aus Bilderbüchern richtet. Eine Galerie, die sich mit der Entwicklung unserer Bildkultur auseinandersetzen und unsere Bildkultur mit den ausgestellten Bildern stimulieren möchte.
Copyright: Goethe-Institut Italien, Information & Bibliothek
März 2012
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