Veranstaltungen

Joachim Schmid. Die Fotografien der anderen.

Ausstellung
2. Dezember 2012 - 5. Mai 2013
Eröffnung: 1. Dezember 2012, 18.00 Uhr
Museo di Fotografia Contemporanea - Villa Ghirlanda, Via Frova 10, Cinisello Balsamo MI
Eintritt frei
Öffnungszeiten: Mittwoch - Freitag: 15.00 - 19.00 Uhr; Samstag - Sonntag: 11.00 - 19.00 Uhr
Tel: +39 02 66056633

progr@mailand.goethe.org
Die Ausstellung Joachim Schmid. Die Fotografien der anderen. ( kuratiert von Roberta Valtorta) wurde in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Mailand und Amici del Museo di Fotografia Contemporanea und der Unterstützung der Deutschen Bank realisiert.

„Keine neuen Fotos bis die alten aufgebraucht sind!“
Joachim Schmid, 1989

„Bitte hört nicht auf zu fotografieren!“
Joachim Schmid, 2010

Die Ausstellung wird dem Publikum in Form eines Gespräches zwischen Joachim Schmid und zwei Theoretikern der Fotografie vorgestellt: dem Kritiker und Kuratoren Simone Menegoi und dem Fotograf Franco Vaccari. Der Einführungsabend dient der Auseinandersetzung mit den Hauptargumenten der Forschung Schmids und den Tendenzen, die die Gesellschaft und die zeitgenössische Kunst durchleben.
Freitag, 30. November 18.30 Uhr, Goethe-Institut Mailand, Via San Paolo 10, Milano

Eröffnung der Ausstellung: Samstag, 1. Dezember 2012, 18.00 Uhr, Museo di Fotografia Contemporanea

Das Museum für zeitgenössische Fotografie dokumentiert Studien und deren Verbreitung an das Publikum der wichtigsten Veränderungen in der Sprache der Fotografie mit einer Ausstellung von Joachim Schmid, die mit der Unterstützung der Deutschen Bank realisiert werden konnte. Schmid ist ein für seine Originalität und Aktualität bekannter deutscher Künstler auf internationale Ebene, leider jedoch in Italien noch relativ unbekannt. Die Ausstellung wird von einem Buch begleitet, das Schriften internationaler Studien und eines wichtigen Bildungsprojektes mit dem Titel Erzähl mir von dir - Parlami di te beinhaltet. Dieser Titel ist dem Dialog zwischen verschiedenen Generationen durch den Gebrauch von Bildern gewidmet.

Joachim Schmid (1955 in Balingen geboren, lebt und arbeitet in Berlin) arbeitet intensiv mit den Fotografien der Achtziger Jahre, ist jedoch kein Fotograf im herkömmlichen Sinne – in der Tat fotografiert oder produziert er keine Bilder.

Im Jahr 1989 erklärt er anlässlich des 150. Jubiläums der Erfindung der Fotografie provokativ: „Keine neuen Fotos, bis die alten aufgebraucht sind“, ein Versprechen, welchem er bis heute treu geblieben ist. Der Standpunkt Schmids ergibt sich aus der Gewissheit, dass die “Gesellschaft der Bilder“ eine kontinuierliche und immer steigende Produktion von Fotos durchlebt – einen wahren Vermehrungsprozess, bis hin zur Gewöhnung und Übersättigung, manchmal bis zum Verlust des Sinns.

Schmid entschließt sich also, die Produktion einzustellen und “beschränkt” sich auf die Suche, das Sammeln und die Wiederverwertung von bereits existierenden, von anderen aufgenommenen Fotos, sowie von Bildern und Einladungen zu Ausstellungen und Veranstaltungen, Karten, gedruckten Bildern in Büchern, Zeitungen und Prospekten, die er auf Märkten gefunden hat, in Archiven oder von Internet- und Social-Network-Seiten heruntergeladen hat. Er löst diese aus dem großen zeitgenössischen Kommunikationsfluss, archiviert sie, nähert sich ihnen, verbindet sie untereinander, mitunter bearbeitet er sie und ist dabei immer auf der Suche nach möglichen neuen Kontexten. Er ist also kein Fotograf im herkömmlichen Sinne, sondern vielmehr ein Sammler, ein Freund des Recyclings und Katalogisierens.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Joachim Schmid im Laufe der Jahren mehr Fotos gesehen bzw. verarbeitet hat, als jeder andere Mensch auf der Welt. Durch seine kontinuierliche Arbeit in Form des Suchens, hat er alle Fototechniken der Massenebene sowie die verschiedenen Sprachen der Fotografie erforscht.

Anfang der Achtziger Jahre gründet er die Zeitung “Fotokritik”, 2009 die ABC Artists’ Book Cooperative, innerhalb derer er sich, gemeinsam mit anderen Künstlern dem self-publishing widmet, unter Verwendung der print-on-demand Technik. Der Künstler, der auch kulturelle Veranstaltungen organisiert, hat ebenfalls an der theoretischen Debatte bezüglich der Fotografie teilgenommen. Dabei hat er eine starke Reflexion gefördert, die ihre Wurzeln in zwei wichtigen Fragestellungen der zeitgenössischen Kunst hat: auf der einen Seite der ready made Ansatz, nach Marcel Duchamp, der das Schicksal der Kunst des 20 Jahrhunderts und darüber hinaus verändert hat, auf der anderen Seite “Der Tod des Autors“, wie ihn als erster Roland Barthes formuliert hat.

Das umfangreiche Werk Joachim Schmids repräsentiert heutzutage einen postmodernen Ansatz, der in der zeitgenössischen Kunst stark präsent ist - den der Wiederverwendung sowie den der Zweckveränderung von kulturellen Produkten, die auf diese Art neue bzw. andere Bedeutungen erlangen.

Sein neuestes, Motto heißt: "Hört bitte nicht auf zu fotografieren!”

Einige seiner berühmtesten Werke sind unter anderem Bilder von der Strasse (ab 1982), Archiv (1986-1999), Photogenic Drafts (1991), Belo Horizonte (1992-1993), Statics (1995-2003), Arcana (1996-2008), Photographic Garbage Survey Project (1996-1997), Decisive Portraits (1998), The Face in the Desert (1999), Meetings (2003-2007), Untitled Portraits (2007) sowie seine neuesten Arbeiten Other People’s Photographs (2008-2011) und Bilderbuch (2010-2012).

Die vorgestellte Ausstellung ist dank der Unterstützung der Deutschen Bank verwirklicht worden und besteht aus Fotografien der Serie Bilderbuch. Sie umfasst 60 anonyme Bilder und 40 Bücher, in denen Fotos des heterogenen Genres vorhanden sind, die Schmid jahrelang gesammelt und geordnet hat. Sowohl in der Ausstellung als auch in den Büchern steht das Publikum zahlreichen Bildern gegenüber, die aus ihrem originalen Kontext herausgelöst und ohne jeglichen Kommentare nebeneinander präsentiert werden.

Das Buch, welches den gleichen Titel wie die Ausstellung trägt – Joachim Schmid. Die Fotografien der anderen – beinhaltet einen “visuellen Essay” von Joachim Schmid und Schriften internationaler Studien von Mark Durden, Joan Fontcuberta, Simone Menegoi, Franco Vaccari, Roberta Valtorta, John Weber. Herausgegeben wird das Buch von Johan & Levi und wird von der Associazione Amici del Museo di Fotografia Contemporanea unterstützt.

Das Bildungsprojekt mit dem Titel Erzähl mir von dir - Parlami di te, ist herausgegeben von der Bibliothek und der Bildungseinrichtung des Museums für moderne Fotografie, in Zusammenarbeit mit dem Centro Culturale Il Pertini di Cinisello Balsamo, unterstützt durch die Fondazione Cariplo (Ausschreibung “Einem neuen Publikum die Kultur näher bringen“). Durch Treffen, Workshops, Debatten, Gruppenarbeiten, werden Bürger verschiedener Altersgruppen animiert Familienfotos, Figurinen, Drucke, visuelle und geschriebene Dokumente sowie Bilder aus dem Internet zu sammeln, um so gemeinsam eine Serie von Büchern zu produzieren.

Weitere Informationen:
Rechts-Pfeilwww.mufoco.org

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