Barenboim: „Den Anderen anerkennen!“

Der Künstler startet in Berlin eine Akademie für Musiker aus Nahost, um Jahrzehnte des Kommunikationsstillstands zu überwinden. Im Gespräch mit der Deutschen Welle äußert sich Barenboim zu den Hintergründen dieses Projektes.
Herr Barenboim, schon als Kind wollten Sie in der Musik und mit der Musik leben. Aber von „etwas wollen zu etwas können – das kann ein sehr langer Weg sein“, sagen Sie immer wieder. Was wollen Sie den Stipendiaten aus Israel und den arabischen Staaten in Berlin auf diesem schwierigen Weg mitgeben?
Ich möchte Ihnen natürlich beibringen, dass hohe technische Qualität des Spielens unbedingt notwendig ist. Aber es geht viel weiter. Das heißt: Musik ist kein Beruf. Musik ist, wie man auf Englisch sagt, „a way of life“ - eine Lebenshaltung, für die man große Professionalität braucht. Als die jungen Studenten damals zu Franz Liszt nach Weimar kamen, hoffte der Komponist und Pianist, dass sie durch ihr Studium bei ihm bessere Menschen würden. Das ist nicht nur Rhetorik des
Ihre Akademie hat eine ganz klare politische Ausrichtung. Wie genau funktioniert das für Sie?
Das ist nicht Politik, das ist Anti-Politik! Politik wäre zu sagen, ich nehme Partei für den Einen oder für den Anderen. Ich sage, wir sind nicht in politischen Verhandlungen. Wir müssen jetzt versuchen den Anderen zu verstehen und ihn anzuerkennen.
Und geht für Sie aus der deutschen Hauptstadt da eine politische Botschaft Richtung Nahost?
Ja, ich bin natürlich der deutschen Regierung sehr dankbar für die finanzielle Hilfe. Denn damit sagt sie: „Hier ist eine schwere Situation. Wir müssen alle in diesem Konflikt helfen. Nicht Einer gegen den Anderen.“ Ich bin voller Bewunderung, wie mehrere Generationen der Deutschen sich mit der Vergangenheit auseinandergesetzt haben. Sonst könnte ich hier als Jude nicht leben. Aber jetzt müssen wir auch über die Gegenwart und über die Zukunft nachdenken. Und da hat Deutschland aus meiner Sicht möglicherweise sogar eine zusätzliche Verantwortung.
Die Barenboim-Said-Akademie in Berlin will in fünf Jahren bis zu
Die volle Dimension des Divans wird erst kommen, wenn das Orchester in allen Ländern spielt, die im Orchester repräsentiert sind. Wenn wir also eine Tournee machen und in Istanbul, in Beirut, in Damaskus, in Tel Aviv, in Amman, in Jerusalem, in Ramallah und in Kairo spielen. Dann hat der Divan sozusagen die volle Dimension erreicht.
Copyright: Deutsche Welle
November 2012
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