Deutsch - Sprache der Ideen

Und wie wir Deutsch können! – Dichterwettbewerb „Poet gesucht!“

Sprachkünstler, insbesondere unter muslimischen Jugendlichen, wurden zu einem Audio-und Videowettbewerb  Sprachkünstler, insbesondere unter muslimischen Jugendlichen, wurden zu einem Audio-und Videowettbewerb aufgerufen.  Foto: © PRDie Muslimische Jugend in Deutschland e. V. und das Jugendportal waymo.de haben Sprachkünstler zu einem Audio-und Videowettbewerb aufgerufen. Unter den Einsendungen waren lustige, traurige, tiefsinne und kurzweilige Stücke.

In Anlehnung an die bekannten „Poetry Contests“ stimmte zunächst die Online-Community ihre Favoriten ins Finale, diese wurden anschließend von der Jury bewertet. Laut der Jury hat der Wettbewerb gezeigt, wie viel großartiges, kreatives Potenzial die muslimische Jugend mit der deutschen Sprache entwickeln kann.

Poet gesucht!

Der Wettbewerb hat gezeigt, wie viel großartiges, kreatives Potenzial die muslimische Jugend entwickeln kann.  Foto: DElight © iStockphoto„Salamu aleikum, mein Name ist Fatima“, stellt sich die junge, gutaussehende Frau auf dem Bildschirm vor, um kurz darauf in einen rhythmischen Vortrag einzusteigen: „Gestern hab ich in der Nacht geredet. Es sah ungefähr so aus: Hätt ich was zu sagen – ich würd keine Fragen fragen – ich würd große Schritte wagen, mich an guten Worten laben – Armut, Hass und Krieg begraben – ich würd keine Hemmungen haben – Verantwortung tragen – Liebe propagieren – Frieden ausprobieren – jedes Haus verzieren – mit Worten wie – ‚Killer raus von hier‘ – oder ‚Chiller, du verlierst‘“. Sie beschreibt, wie sie als Politikerin vor ihrem Volk steht und in einer Wahlkampfrede ihre Vorstellung von einer gerechten und friedlichen Welt ausdrückt: „Change must come – es liegt in unseren Händen – als erstes brauchen wir ne neue Flagge – weiß wie die strahlend weiße Zukunft – darin ein roter Kreis – für das Kommen und Gehen – und eine schwarze Ecke als Beweis – und Erinnerung an das Elend im Leben – und Sterne für Hoffnung und ewiges Streben – und Pfeile, die die Richtung oben angeben – mein Volk würde leben!“ Mit dieser nachdenklichen, unterhaltsamen, mitreißenden Performance hat Talkmania, wie sich die junge Künstlerin nennt, den ersten Platz des Dichterwettbewerbs Poet gesucht! Muslimische Wortkunst aus der Republik gewonnen.

„Trifft den Zeitgeist“

Rund siebzig Beiträge wurden auf dem Jugendportal hochgeladen.  Foto: Paul Piebinga © iStockphotoZum ersten Mal hatten die Muslimische Jugend in Deutschland und das vom Zentralrat der Muslime in Deutschland organisierte Jugendportal waymo.de 2011 Sprachkünstler aufgerufen, sich mit einem Audio- und Videobeitrag an dem Wettbewerb zu beteiligen. Rund siebzig Beiträge wurden auf dem Jugendportal hochgeladen. Zunächst stimmte die Online-Community ihre Favoriten ins Finale, die verbleibenden rund fünfzig Beiträge wurden dann von einer Jury bewertet, in der neben Poetry-Kenner Amin Naggar und Rapper Ammar114 auch TV-Moderatorin Kristiane Backer, Schriftsteller Feridun Zaimoglu, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland Aiman Mazyek und taz-Kolumnistin und Bloggerin Kübra Gümüsay saßen.

Talkmanias „leidenschaftliche und zugleich lässige erstklassige Darbietung“ wurde von der Jury einstimmig auf den ersten Platz gewählt. Der Beitrag „trifft den Zeitgeist des arabischen Frühlings und der müßigen Integrationsdebatte einmalig erfrischend und eloquent, leidenschaftlich und zugleich lässig“, erklärt Jurorin Kristiane Backer. Auf dem zweiten Platz folgt „ein bewegender Beitrag über zwischenmenschliche Beziehungen und die Beziehung zu Gott“ von Tarek X, gefolgt vom Künstler Sayfuddin mit „erstklassigen Reimen, die ins Herz gehen“, so die Jury. Auch die anderen Einsendungen drehen sich rund um universelle Themen wie Liebe, Glaube, Gerechtigkeit, Gemeinschaft, Hoffnung, Vertrauen, aber auch um den arabischen Frühling – und die Integrationsdebatte.

Muslimische Kunst in deutscher Sprache

In erster Linie richtete sich der Wettbewerb an muslimische Jugendliche.  Foto: Zurijeta © iStockphotoTeilnehmen konnte jeder – doch in erster Linie richtete sich der Wettbewerb an muslimische Jugendliche. „Auch Muslime können wunderbar in deutscher Sprache dichten, vortragen, erzählen“, erklärt die 18-jährige Mitinitiatorin und -organisatorin Beyza Cinar. „Mit dem Dichterwettbewerb im Internet wollten wir Muslime klarstellen, dass wir in Deutschland integriert sind. Wir sind Muslime, wir glauben an Allah, aber trotzdem ist Deutschland unsere Heimat.“ Laut der Jury hat der Wettbewerb tatsächlich gezeigt, wie viel großartiges, kreatives Potenzial die muslimische Jugend mit der deutschen Sprache entwickeln kann.

„Worte können stärker sein als Taten, sie berühren die Herzen, sie berühren die Seele und haben eine große Auswirkung auf die Menschen“, findet Juror Aiman Mazyek und Kübra Gümüsay ergänzt: „Wenn man eine Geschichte erzählt und Menschen und ihre Herzen bewegt, dann hat man letztendlich etwas getan – das kann sehr stark sein.“ Die Dichter selbst hoffen nicht zuletzt mit ihrer Teilnahme am Wettbewerb zum Abbau von Vorurteilen beitragen zu können. „Viele denken ja, wir können kein Deutsch oder wir wissen die deutsche Sprache nicht zu schätzen“, erklärt eine Teilnehmerin im Interview. Je nach Resonanz möchten die Organisatoren demnächst auch ein Poetry-Slam-Live-Event organisieren.

Janna Degener
arbeitet als freie Journalistin in Köln.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Januar 2012

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