Musiktipp der Woche

Ulrike Haage: „Ich möchte zu Gehör bringen, was ich spannend finde.“


Duo Haage Schaefer - live in Kyoto

Komponistin, Pianistin, Klangkünstlerin und Hörspielautorin – all diese Tätigkeiten vereint das Lebenswerk der deutschen Musikerin Ulrike Haage. Als eine der vielfältigsten deutschen Künstlerinnen arbeitet sie an der Schnittstelle von Jazz, Avantgarde, Klassik und Literatur und bringt durch immer neue, Genre überschreitende Projekte ihre Zuhörer zum Staunen.

Zur Musik findet Ulrike Haage in jungen Jahren – durch die Jazz-Plattensammlung ihrer Eltern wächst sie mit den Klängen von Keith Jarrett, Miles Davis und Bill Evans auf und übt sich selbst früh an den klassische Komponisten Schumann, Grieg und Bartok. Aus dem heimatlichen Ruhrgebiet zieht sie für das Studium der Musik und Musiktherapie nach Hamburg und arbeitet dort in den 80er Jahren an der Musikhochschule als Dozentin für Improvisation. Als Jugendliche probt sich bereits in einer Garagenband, erste richtige Auftritte hat sie dann als Pianistin bei der ersten deutschen Frauenbigband Reichlich weiblich. 1990 schließt sie sich der von Katharina Franck 1986 gegründeten Band Rainbirds an. Sie arbeitet grenzüberschreitend und experimentell mit Musikern wie Alfred Harth, FM Einheit und Phil Minton und beteiligt sich an Produktionen von Schauspielhäusern und Theatern in Zürich, Düsseldorf und Berlin, komponiert und produziert für den Hörfunk und ihren Hörbuchverlag Sans Soleil. 2003 wird sie als erste Frau und jüngste Teilnehmerin mit dem Deutschen Jazzpreis (Albert Mangelsdorff-Preis) für ihr grenzüberschreitendes Lebenswerk gewürdigt.

Ulrike Haages erste Solo-Instrumental-CD Sélavy – benannt nach einem Wortspiel von Marcel Duchamp – erscheint im Jahr 2004. Das Debut-Album erhält den Preis der deutschen Schallplattenkritik und auf Einladung des Goethe-Instituts Moskau bereist sie in Solo-Tourneen Russland, die Wolga-Städte und Sibirien, um dort neben Konzerten auch Vorlesungen und Workshops für Musikstudenten zu geben. Ihre Reisen durch Afghanistan, Sibirien und die Ukraine inspirieren und prägen das Soundmuster der zweiten Solo Platte Weißes Land (2006). Freie Improvisationen auf dem Klavierflügel als zentrales Ausdrucksmittel, kombiniert mit ethnologischen Einflüssen, schicken die Zuhörer in Titeln wie Magic Waters und Emoticon auf eine akustische Reise in die Fremde. Die dritte Solo-CD In:finitum (2011) erfreut sich ebenfalls großer Resonanz, die den Schwerpunkt auf „eine sparsame Instrumentierung und eine Balance zwischen Komposition und Improvisation“ legt.

In ihrem Schaffen bewegt sich Ulrike Haage frei zwischen verschiedenen Musikrichtungen, eine konkrete Zuordnung ihrer Kompositionen lehnt sie dabei ab, wie sie im Interview mit dem Onlinemagazin CULTurMAG verrät: „Mich persönlich interessieren Genregrenzen nicht […]. Mir gefällt gut gemachte Musik und es gibt in allen […] Musikrichtungen wunderbare Musik.“ Mit ihren Arbeiten möchte Ulrike Haage viel mehr zeigen, „dass der Horizont weit ist, […]. Mir geht es um die Musik, um diesen Raum, in dem man kreiert und in dem sich Traum und Realität ständig durchdringen.“

Seit 2006 arbeitet Ulrike Haage live und in unterschiedlichen Studioprojekten mit dem deutschen Schlagzeuger Eric Schaefer zusammen. Im Rahmen eines Partnerstipendiums des Goethe-Instituts Villa Kamogawa erhielt das Musikerpaar 2012 die Möglichkeit drei Monate in der Künstlerresidenz in Kyoto zu leben und zu arbeiten.
Sofia Gonzalez

Goethe-Institut Tokyo
September 2013
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