Berliner, Pfannkuchen und andere Missverständnisse


„Nandeyanen?“ und „Doshite?“, „Soka und Soyasoya!“ – Japaner aus dem Kantogebiet und aus Kansai erkennen einander sofort an der Aussprache, zum Beispiel wie hier bei den Worten „warum?“ und „achso!“. In Deutschland ist das sehr ähnlich. Zwar gibt es wie im Japanischen eine Standardsprache, das sog. „Hochdeutsch“, aber in der gesprochenen Sprache findet sich eine Vielfalt an ganz unterschiedlichen Dialekten, die mitunter auch zu amüsanten Missverständnissen führen können.
Es gibt viele Variationen der gesprochenen Sprache, die sich in unterschiedlichen Formen der Aussprache niederschlagen. Das kann so weit gehen, dass das Hochdeutsch kaum noch erkennbar ist, die Verständigung also nur noch regional erfolgt. Hierzu ein Beispiel: Was verbindet „quatschen“, „schnacken“, „schwätze“ und „babbele“? Alle Verben haben den gleichen Inhalt und kommen aus dem Dialektbereich. Diese vier Begriffe bedeuten „reden“ bzw. „sprechen“. Hätten Sie es gewusst?
Wenn Sie den Satz „Du bischd jo klääna wie isch!“in einem Aufsatz schreiben würden, würden viele Muttersprachler mit dem Kopf schütteln und sich fragen, wo Sie ein solches Deutsch gelernt haben. Abgesehen von der Rechtschreibung ist dieser Satz auch grammatikalisch falsch. Nichtsdestotrotz können ihn Deutsche aus dem Mannheimer Raum wahrscheinlich verstehen. Haben Sie erraten, was es heißen könnte? Auf Standarddeutsch würde der Satz lauten: „Du bist ja kleiner als ich!“
Wenn wir schon mal dabei sind, können wir auch die Mundart der Personen betrachten, die sehr stolz auf ihren Dialekt sind: die Kölner. Sie sprechen „Kölsch“, was wiederum zur rheinländischen Mundart zählt, auch wenn Kölner so etwas nicht so gerne hören. Würden Sie diesen Satz verstehen: „Levve un levve loße“? Für Rheinländer ist das ein vollkommen verständlicher Satz. Auf Standarddeutsch ist der Inhalt einfacher zu verstehen: „Leben und leben lassen“.
Justavs Füsch
Als Nicht–Muttersprachler müssen Sie sich jedoch keine Sorgen darüber machen, wenn Sie mal einen Buchstaben nicht richtig aussprechen können. Durch die Mundarten schaffen es auch viele Deutsche nicht, Vokale- und Konsonantenkombinationen richtig auszusprechen. Während im Raum Berlin, die Dialektsprechenden das „G“ in ein „J“ umwandeln, wodurch der „Gustav“ zu einem „Justav“ wird, gelingt es beispielsweise Sachsen des Öfteren nicht ein „i“ korrekt auszusprechen. Aus dem „Fisch“ wird deshalb ein „Füsch“.
Schwierig wird es, wenn Deutsche sich aus ihren Wohnorten fortbewegen und ihre „Dialektbegriffe“ weiterbenutzen. Sollte jemand aus dem Rheinland in einer Berliner Bäckerei einen sogenannten „Berliner“ (ein faustgroßes Siedegebäck) bestellen, würde der Bäcker ihn mit großer Wahrscheinlichkeit nicht verstehen. In Berlin nennt man dieses Siedegebäck nämlich nicht „Berliner“ sondern „Pfannkuchen“. In Süddeutschland bezeichnet der Begriff „Pfannkuchen“ dagegen ein ganz anderes Gebäck. Auch ein Bäcker in Hessen oder Bayern würde die Bestellung nicht verstehen, denn in Hessen heißt der rheinische „Berliner“ „Kräppel“ und in Bayern „Krapfen“. Deutsche Lebensmittel tragen oft regionale Bezeichnungen.
Obwohl es in Deutschland viele Mundarten gibt, wird in der Berufswelt weitgehend Hochdeutsch verwendet. Dialekte und ein unklares Deutsch senken die Karrierechancen. Ein Nachrichtensprecher, der in starkem Dialekt spricht, wird es beispielsweise schwer haben, eine Anstellung bei landesweiten Fernsehsendungen zu finden, da sein Dialekt nicht landesweit, sondern nur in einer bestimmten Region verstanden wird. Deswegen müssen, unter anderem die Nachrichtensprecher der Tagesschau (Deutschlands wichtigste Nachrichtensendung), Hochdeutsch sprechen und gegebenenfalls Nachhilfekurse besuchen, um dies zu erlernen.Privat darf mit der Familie und mit Freunden jedoch weiter fröhlich „gequatscht“, „geschwätzt“ und „gebabbelt“ werden!
Carolin Sorhage
Japanologin
Goethe-Institut Japan
Juni 2012
Japanologin
Goethe-Institut Japan
Juni 2012









