
Über die Buchkultur in Nordkorea ist wenig bekannt. „Nordkoreanische Autoren müssen vorsichtig sein“, schreibt Katharina Borchardt in einem Beitrag für die Deutsche Welle. Es gebe drei verschiedene Gruppen von Autoren:
Die eine schreibe nur über nordkoreanische Geschichte.
Die zweite Gruppe verfasse ausschließlich Propagandaschriften über die Politik der Partei.
Und die dritte Gruppe beschreibe in ihren Erzählungen das alltägliche Leben. Speziell diese dritte Gruppe beklage sich leise und vorsichtig über das Leben in Nordkorea.
Nach 1945 gingen einige Schriftsteller nach Nordkorea, die dann aber in den 1950er-Jahren einer Vereinheitlichung der Parteilinie für Kunst und Literatur zum Opfer fielen.
Das erste innerkoreanische Schriftstellertreffen
Im Juli 2005 fand nach 60 Jahren das erste innerkoreanische Schriftstellertreffen in Pjöngjang und am Vulkansee des Baekdu-Berges statt. Ein kleiner Mauerfall? Im Abschlussdokument des Treffens sind drei Punkte von Bedeutung:Erstens soll ein Verband mit dem Namen „Nationaler Schriftstellerverband 15. Juni“ gegründet werden, dem Autoren aus Nord- und Südkorea als Mitglieder beitreten können.
Zweitens ist eine Literaturzeitschrift geplant, in der Autoren aus Nord und Süd ihre Werke veröffentlichen dürfen.
Drittens soll ein Literaturpreis mit dem Namen „Wiedervereinigungsliteraturpreis 15. Juni“ gestiftet und einem koreanischen Autor verliehen werden – unabhängig davon wo er lebt.
Außerdem gibt es eine Kommission, die ein gemeinsames Wörterbuch erstellen soll, denn die koreanische Sprache hat sich seit der Landesteilung vor fast 60 Jahren im Norden anders entwickelt als im Süden.
Mit Blick auf die Beschlusspunkte scheint der Weg zu einer föderalen Struktur der Literatur nicht ganz versperrt. Verlage, Zeitungen und Magazine sollen an nordkoreanische Autoren Aufträge erteilen dürfen und südkoreanische Autoren in nordkoreanischen Literaturzentren arbeiten.
Trotz der leichten Öffnung kann von einem wirklichen literarischen und sprachlichen Austausch noch nicht die Rede sein. In Südkorea werden nur vereinzelt Bücher aus Nordkorea verlegt. Es ist auch zu befürchten, dass die Verlags- und Vertriebsstruktur in Nordkorea noch eine Weile im Banne der Vereinheitlichung und Parteilinie steht.








