
Die Buchkultur in Korea hat eine uralte Tradition. Bereits zu Beginn des achten Jahrhunderts stellten die Koreaner heilige buddhistische Schriften mittels Holzdruck her. 1234 wurde in Korea zum ersten Mal auf der Welt ein Buch per Metalldruckverfahren vollendet. Es handelt sich um ein religiöses Werk, das den Titel "Sangjeong gogeum yemun" ("Handbuch alter und moderner Rituale") trug, heute aber nicht mehr existiert. Demnach fand rund 200 Jahre vor Gutenberg die revolutionäre Erfindung des Buchdrucks auf der koreanischen Halbinsel statt. Das älteste noch existierende Buch im Metalldruckverfahren heißt "Buljo Jikji simche yojeol" ("Unterweisung") und entstand 1377 im buddhistischen Tempel Heungdeoksa in Cheungju rund 78 Jahre vor Erscheinen der Gutenbergbibel. Es handelt sich um eine Sammlung von buddhistischen Traktaten und Lehrtexten, die von dem Mönch Baegun zusammengetragen wurden. Das Original befindet sich im Besitz der Nationalbibliothek Paris. Seit 2005 liegt Jikji in deutscher Übersetzung vor.
Trotz dieser Pionierleistungen musste das koreanische Verlagswesen vor dem Hintergrund der japanischen Besetzung, der Landesteilung und des Koreakrieges massive Krisen durchstehen. Erst nach und nach erholte sich das Land von den traumatischen Ereignissen. Rund ein halbes Jahrhundert nach dem Krieg können die Koreaner auf eine beeindruckende Wirtschaftsentwicklung verweisen, die sich nicht zuletzt im Verlagswesen widerspiegelt.
Daten zu den Neuerscheinungen in Korea
Korea ist weltweit inzwischen die Nummer sieben in Bezug auf Neuerscheinungen. Entsprechend der hohen gesellschaftlichen Bedeutung, die die Aus- und Weiterbildung in Korea genießt, entfällt der größte Teil der Veröffentlichungen auf den Bereich der Kinder- und Lehrbücher. Das Land verzeichnet die größte Studienrate weltweit.
Etwa ein Drittel der Neuerscheinungen ist importiert. US-amerikanische und japanische Bücher werden am häufigsten übertragen, gefolgt von Büchern aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Jährlich werden 500 bis 600 deutsche Titel aus allen Sachgebieten ins Koreanische übersetzt.
Umgekehrt hatte sich in den vergangenen Jahren die durchschnittliche Zahl deutscher Übersetzungen und Publikationen aus dem Koreanischen bei rund einem Dutzend eingependelt. Erst anlässlich der Gastlandrolle Koreas bei der Frankfurter Buchmesse schnellte diese Zahl auf etwas über 100 hoch.
Dennoch scheint das große Ungleichgewicht zwischen Korea und den europäischen Ländern im Bereich des Büchertransfers vorläufig bestehen zu bleiben, da es nicht genügend kompetente Übersetzer und auch zu wenig engagierte Verlage gibt, die sich gezielt für die Verbreitung der koreanischen Literatur auf dem internationalen Buchmarkt einsetzen.








