Im 18. Jahrhundert musste sich Korea immer wieder gegen die Verletzung seiner Souveränität durch Großmächte wie Japan und China verteidigen. Das führte zu einer Abschottung des Landes gegen die Außenwelt. Das erste und somit älteste Buch eines Deutschen über Korea trägt den bezeichnenden Titel: Ein verschlossenes Land – Reisen nach Corea. Ernst Jakob Opperts Darstellung der Geographie, Geschichte und Handelsverhältnisse des Landes erschien 1880 bei Brockhaus in Leipzig. Siegfried Genthe, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast ein halbes Jahr in Kora aufhielt, schrieb seinerseits, dass Korea ein zu seiner Zeit unbekanntes Land war. Allein die einschneidenden historischen Ereignisse im Laufe des 20. Jahrhunderts, zu denen die japanische Kolonialherrschaft, der Koreakrieg und die anschließende Teilung des Landes gehören, führten zur allmählichen Öffnung. Die in der vorausgegangenen Joseon-Dynastie (1392-1910) erreichte kulturelle Blüte Koreas wurde von den Japanern mit der Besetzung im Jahr 1910 brutal verdrängt. In dieser Schreckenszeit zwang man die Koreaner zur Assimilation der japanischen Kultur. Die so aufgedrängte Aneignung des Fremden ermöglichte aber bis zu einem gewissen Grad einen Strukturwandel im Sinne der Moderne in verschiedenen Bereichen des beruflichen Lebens, so zum Beispiel auch im Bibliothekswesen mit der Einführung der Katalogisierung und der Klassifikationsregeln.
Zwar wurde Korea am 15. August 1945 von Japan befreit, unmittelbar nach der Befreiung kam es jedoch zur Teilung des Landes in Süd- und Nordkorea. Hieraus erwuchs ein Trauma, das bis auf den heutigen Tag wirkt und unterschiedlich ausgelegt wird. Unbestritten ist jedoch, dass Südkorea in wenigen Jahren eine rasche Entwicklung bis hin zu modernster Technologie durchlief, während Nordkorea, das in den fünfziger und sechziger Jahren in seiner Industrialisierung Südkorea noch voraus war, durch die stalinistische Abschottungspolitik dem Entwicklungsprozess heute weit hinter her hinkt.
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Buchtipp: Genthe, Siegfried Korea. Reiseschilderungen herausgegeben und eingeleitet von Sylvia Bräsel Neuauflage 2005 ISBN 3-89129-786-6 · LIV/404 S., kt. ERGA. Erfurter Reihe zur Geschichte Asiens (Bd. 7) |








