Paul Kalkbrenner

Zum Film kam er dadurch, dass Hannes Stöhr Kalkbrenners Album Self (2004) kannte und ihm von der Idee berichtete, einen Film über die electro-Szene drehen zu wollen. Kalkbrenner diente in diesem Vorhaben zunächst als Berater, der in Stöhrs großem Szenario mit seinem Fachwissen die Details einfüllen sollte. Schritt für Schritt entwickelte sich die Zusammenarbeit der beiden Männer jedoch weiter. Kalkbrenner wurde zunächst damit beauftragt, den Soundtrack für den Film zu produzieren. Letztendlich fragte ihn Stöhr, ob er nicht auch die Hauptrolle im Film übernehmen würde. Der sonst eher in der Nacht kreativ-werdende Kalkbrenner avancierte als letzten Schritt des Projektes zum um 6 Uhr aufstehenden Schauspieler.
Pauk Kalkbrenner bezeichnet sich als musikalischer Autist. Er hört keine Musik anderer Live-Acts oder DJs, sondern ist froh „seine eigene Musik so lang ertragen zu können“. Das einzige was er gelegentlich anschaltet, sei Klassik-Radio. Auch kennt er sich im Musikgeschäft oder mit den neuesten auf den Markt erschienenen Platten nicht gut aus. Denn er spielt live, und dann nur seine eigene Musik. Darum ist es ihm auch nicht recht, DJ genannt zu werden. Für den Beruf des DJs hat er allerdings sehr viel Hochachtung übrig, denn ein DJ dürfe nie das Interesse verlieren immer neue Platten zu kaufen und anzuhören um sich dann durch einen großen Berg voller „Schund“ zu kämpfen, bevor er das Richtige filtern und für sein Set zusammenstellen kann.
Am inspirierendsten empfindet er die Musik, die er, wenn vielleicht auch unbewusst, in seiner Kindheit gehört hat. Denn diese Musik werde vom Kind nicht rezipiert oder reflektiert, sondern lediglich in ihrer Klangmentalität wahrgenommen. Wenn Jugendliche mit 15 Jahren anfangen zum Beispiel Punk zu hören, dann entscheiden sie sich bewusst dafür, auch für die politische Aussage, die sich in den Texten manifestiert. Kalkbrenner hat schon mit 13 Jahren Techno gehört, eine Musikrichtung die vor allem ohne Text auskommt. Aus dieser Textlosigkeit heraus tituliert Kalkbrenner electro heute auch als globale Bewegung. Für ihn geht Techno mit einer hedonistischen, nihilistischen Weltanschauung einher. Im Interview für das Magazin Cicero sagt Kalkbrenner „(Techno) hat keinen Text. Also geht es nur um die pure Melodie, um den Sound. (…) Dazu kommt eine bestimmte Feierkultur. Die elektronische Musik hat einen so starken Einfluss auf die Art und Weise, wie sich die jungen Leute zusammentun. Ob ich in Japan oder Brasilien spiele, die Leute feiern genau gleich. Obwohl die Gesellschaften in beiden Ländern nicht unterschiedlicher sein könnten.“
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