Musik

Paul Kalkbrenner

Paul Kalkbrenner wurde 1977 in Leipzig geboren. Aufgrund seiner klaren Jungenstimme vor dem Stimmbruch, wurde er ausgewählt, in der Musikschule ein Instrument zu lernen. Fünf Jahre lang nahm er am Trompeten -und Musiktheorieunterricht teil. Manch einer könnte in dieser Ausbildung seinen Werdegang für weitere musikalische Entwicklungen begründet sehen, oder zumindest einen erleichterten Umgang mit der Produktion von Musik annehmen. Der heutige Paul Kalkbrenner meint jedoch dazu, dass die theoretische Musikgrundausbildung seiner Meinung nach keinen Einfluss auf die Qualität und das Ausüben seiner Musik gehabt habe. „Ich habe immer einen Quintenzirkel im Kopf, wenn ich Musik mache, aber wirklich brauchen tue ich den nicht. Vieles geht nach Gefühl. Wenn sich etwas richtig anhört und die Musik aus dem Inneren kommt, dann fügt sich alles äußerlich zusammen.“, meint Paul Kalkbrenner. 1989 fällt die Mauer und Pauls Vater fährt mit ihm in den Westen zu MacDonalds. Aber nicht nur diesen kulinarischen Ausflug ermöglichte die Öffnung der Grenzen, sondern auch Kalkbrenners gesamte Karriere. Er kam durch die Ost-West-Bewegung in der Berliner Technoszene mit elektronischen Klängen in Kontakt. Ab 1992 legte er in diversen Clubs und Jugendhäusern auf. Die Schule beendet Paul Kalkbrenner nicht. 1997 bekam er die Gelegenheit als Editor, Cutter und Produzent bei mehreren TV-Sendern zu arbeiten. Nebenbei beschäftigte er sich jedoch stetig mit seinem ersten Album, welches 1999 erschien. Er wurde von dem Label BPitch Control unter Vertrag genommen und produzierte ab diesem Zeiptpunkt ausschließlich Musik. Seitdem erschienen zum Beispiel die Alben Superimpose, Zeit und Self.

Zum Film kam er dadurch, dass Hannes Stöhr Kalkbrenners Album Self (2004) kannte und ihm von der Idee berichtete, einen Film über die electro-Szene drehen zu wollen. Kalkbrenner diente in diesem Vorhaben zunächst als Berater, der in Stöhrs großem Szenario mit seinem Fachwissen die Details einfüllen sollte. Schritt für Schritt entwickelte sich die Zusammenarbeit der beiden Männer jedoch weiter. Kalkbrenner wurde zunächst damit beauftragt, den Soundtrack für den Film zu produzieren. Letztendlich fragte ihn Stöhr, ob er nicht auch die Hauptrolle im Film übernehmen würde. Der sonst eher in der Nacht kreativ-werdende Kalkbrenner avancierte als letzten Schritt des Projektes zum um 6 Uhr aufstehenden Schauspieler.

Pauk Kalkbrenner bezeichnet sich als musikalischer Autist. Er hört keine Musik anderer Live-Acts oder DJs, sondern ist froh „seine eigene Musik so lang ertragen zu können“. Das einzige was er gelegentlich anschaltet, sei Klassik-Radio. Auch kennt er sich im Musikgeschäft oder mit den neuesten auf den Markt erschienenen Platten nicht gut aus. Denn er spielt live, und dann nur seine eigene Musik. Darum ist es ihm auch nicht recht, DJ genannt zu werden. Für den Beruf des DJs hat er allerdings sehr viel Hochachtung übrig, denn ein DJ dürfe nie das Interesse verlieren immer neue Platten zu kaufen und anzuhören um sich dann durch einen großen Berg voller „Schund“ zu kämpfen, bevor er das Richtige filtern und für sein Set zusammenstellen kann.

Am inspirierendsten empfindet er die Musik, die er, wenn vielleicht auch unbewusst, in seiner Kindheit gehört hat. Denn diese Musik werde vom Kind nicht rezipiert oder reflektiert, sondern lediglich in ihrer Klangmentalität wahrgenommen. Wenn Jugendliche mit 15 Jahren anfangen zum Beispiel Punk zu hören, dann entscheiden sie sich bewusst dafür, auch für die politische Aussage, die sich in den Texten manifestiert. Kalkbrenner hat schon mit 13 Jahren Techno gehört, eine Musikrichtung die vor allem ohne Text auskommt. Aus dieser Textlosigkeit heraus tituliert Kalkbrenner electro heute auch als globale Bewegung. Für ihn geht Techno mit einer hedonistischen, nihilistischen Weltanschauung einher. Im Interview für das Magazin Cicero sagt Kalkbrenner „(Techno) hat keinen Text. Also geht es nur um die pure Melodie, um den Sound. (…) Dazu kommt eine bestimmte Feierkultur. Die elektronische Musik hat einen so starken Einfluss auf die Art und Weise, wie sich die jungen Leute zusammentun. Ob ich in Japan oder Brasilien spiele, die Leute feiern genau gleich. Obwohl die Gesellschaften in beiden Ländern nicht unterschiedlicher sein könnten.“

Ira Goldbecher
Goethe-Institut Korea

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