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Seoung Won Won

© Seoung Won Won

Es beginnt mit einem Bild in ihrem Kopf, wird zur Fotografie und endet als Kunstwerk. Seoung Won Won selbst beschreibt ihre fotografisch erschaffenen Landschaften als gewöhnlich und trotzdem einzigartig, prächtig und dennoch stets einsam. „So ist wohl das Leben“, sagt die Künstlerin dazu. Sie hat in Köln und Düsseldorf studiert, lebt heute in Seoul und wird von befreundeten Kuratoren als „Pippi Langstrumpf“ bezeichnet – so voller Energie, Schöpfungs- und Lebenskraft sie auf der einen Seite ist, so zart und zerbrechlich wirken ihre Werke auf der anderen.

Diese mystische Ambivalenz zwischen Stärke und Schwäche schwingt auch in Wons 2010 veröffentlichter autobiografischen Serie My Age of Seven in 1978 mit. In den elf Bildern spiegelt sich das ganz persönliche Wunderland der koreanischen Künstlerin wieder: Die Bilder erzählen die Geschichte eines siebenjährigen Mädchens, das eines Tages in ihrem Kinderzimmer aufwacht und sich von wild wucherndem Grün umgeben sieht – über Nacht sind buchstäblich Bäume und Pflanzen aus dem Boden gewachsen. Auf der Suche nach ihrer Mutter wandelt das Mädchen in den einzelnen Szenen durch eine faszinierende Welt, idyllische Landschaften, Berg- und Küstendörfer. Eine Geschichte entfaltet sich, in der man nicht nur Anspielungen auf koreanische Legenden, sondern auch auf europäische Märchen und griechische Sagen erkennen kann.

Aber irgendetwas stimmt auf diesen Bildern nicht… die Dimensionen erscheinen leicht verzerrt, Gebäude ragen schräg in den Himmel und manche der dargestellten Dinge grenzen physikalisch ans Unmögliche. Tatsächlich handelt es sich hierbei nicht um jeweils einzelne, einfache Fotografien. Vielmehr hat Seoung Won Won zahllose Einzelbilder zu einer filigranen und detaillierten Collage kombiniert. Die Einzelbilder dieser Patchwork-Fotos jedoch wurden allesamt mit großem Aufwand aufgenommen – die Künstlerin hat im ganzen Land nach passenden Orten gesucht und dabei zum Teil tagelang auf die passende Lichtsituation gewartet. In den so entstandenen, von den Normen der Realität ver-rückten Landschaft verarbeitet die Künstlerin ihre eigenen Kindheitserfahrungen und -erinnerungen an das ländliche Südkorea, wo sie ihre ersten Lebensjahre verbrachte.

Fotografie als ein Mittel, Phantasien anschaulich zu machen und damit greifbar erscheinen zu lassen – dieses Thema zieht sich durch Seoung Won Wons Werk. Bevor sie ihre eigenen Sehnsüchte, Erinnerungen und Traumata zum Thema machte, fragte sie für Dreamroom andere Austauschstudenten in Deutschland nach ihrem „Wunschzimmer“: Durch Michalis‘ Zimmer fließt ein Wildbach, das begrünte Zimmer von Zuschun beherbergt Esel, Pinguine und andere Haustiere, und Beikyoung lebt unter Wasser.

In der Serie Tomorrow entwirft Won nach Ideen von Freunden, Verwandten und Schülern mögliche Zukunftsszenarien, von einem „Dorf der Hunde“ bis hin zu einer begrünten Seouler Innenstadt. In all ihren Bildern erschafft die Geschichtenerzählerin Seoung Won Won Welten zwischen Traum und Realität, die den Betrachter dazu einladen sie noch weiter fortzuspinnen.

© Seoung Won Won
„Tomorrow: Village of dogs“ (2008)
Sarah Pint

Copyright: Goethe-Institut Korea
Dezember 2012

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