Interviews

Mit dem titelgebenden Schwerpunkt von Discordant Harmony und dem Fokus des Projektes auf die Region Ostasien wird die Verschränkung zahlreicher brisanter Themen und Diskurse offenbar. Um diese aus verschiedenen Perspektiven und mit interdisziplinärem Ansatz zu beleuchten, haben die vier Kuratoren von Discordant Harmony im Rahmen des Projektes Wissenschaftler, Künstler, Philosophen, Historiker und wichtige Denker interviewt. Die tief gehenden, jeweils 30 Minuten dauernden Interviews liefern mannigfaltige Ein- und Ausblicke zur Geschichte, Kunst, Philosophie und den komplexen inneren und äußeren Beziehungen innerhalb Ostasiens, aber auch über die Region hinaus.

    Wang Hui „Die Aussichten Asiens als transnationale Gesellschaft“


    Interview von Carol Yinghua Lu

    Wang Hui ist Professor am Institut für Chinesische Sprache und Literatur der Tsinghua-Universität in Peking (Tsinghua University, CH). Seine Forschungsarbeit konzentriert sich auf die chinesische Literatur und Geistesgeschichte der Gegenwart. Von Mai 1996 bis Juli 2007 war er Chefredakteur der einflussreichen Zeitschrift Dushu (Lesen).

      Wang Wei „Asien als Möglichkeit zum Austausch von Erfahrungen und Praktiken, nicht aber als geografischer Raum“



      Interview von Carol Yinghua Lu

      Der Dichter Wang Wei wurde 1975 in der chinesischen Provinz Guizhou geboren und lebt seit 1996 hauptsächlich in Peking (CH). Während seiner siebenjährigen Tätigkeit als Chefkommentator für Zeitschriften mit human-geografischem Fokus in Tibet und der autonomen, hauptsächlich von Uiguren bewohnten westchinesischen Provinz Xinjiang begann Wang Wei, ein besonderes Augenmerk auf Probleme chinesischer Grenzregionen zu richten. Mit Gegenwartsautoren führte er Gespräche über die Möglichkeiten der „asiatischen Schriftsteller“, über eine Art „Zukunftsliteratur“ und über politische Philosophie. Im Juli 2011 war er einer der Initiatoren von Multi-future, einem Projekt, das sich mit geografischer Herangehensweise und Perspektive bereits verschiedensten Themen und Diskursen der Ideengeschichte widmete. In diesem Rahmen wurden inzwischen u. a. Feldstudien im Nordwesten, Südwesten und Nordosten Chinas durchgeführt. Das andauernde Projekt trug bisher eine Sammlung von Texten, Bildern, Videos und individuellen Praktiken einer Gruppe von Schriftstellern, Sozialwissenschaftlern, Fotografen und Filmemachern zusammen.

        Chen Chieh-Jen „Gleichheit als Lösung begreifen: Eine politische Geschichte aus meinem Leben“


        Interview von Chien-Hung Huang

        Chen Chieh-Jen wurde 1960 in Taoyuan (TW) geboren und lebt und arbeitet derzeit in Taipeh (TW). Während der Jahre 1950 bis 1987 war Chengs Schaffen vor allem von den Umständen des Kalten Krieges, antikommunistischer Propaganda und dem in seinem Land verhängten Kriegsrecht geprägt. Er opponierte gegen die politischen Beschränkungen in Taiwan mit Untergrundausstellungen und Performances im Guerillastil, die sich abseits des Kunstestablishments bewegten. Nach der Aufhebung des Kriegsrechts ließ Chen seine künstlerischen Aktivitäten für acht Jahre ruhen. 1996 wandte er sich erneut der Kunst zu und fand die Protagonisten seiner neuen Werke in den Bewohnern der Stadt: Arbeitslose, Tagelöhner, Gastarbeiter, Ehefrauen aus Festlandchina, die mit taiwanischen Staatsbürgern verheiratet sind, arbeitslose Jugendliche und Gesellschaftsaktiviste. Gemeinsam und im Rahmen seiner küntlerischen Interventionen und Aktionen okkupierten sie u. a. kapitalistische Fabriken und behördlich gesperrte Gebiete und errichteten aus Abfallmaterialien die Kulissen für Chens Videoproduktionen. Mit dem Ziel, die Realität im Taiwan der Moderne und die durch den Neoliberalismus schöngefärbte Geschichtsschreibung des taiwanesischen Volkes aufzuarbeiten, begann Chen eine Reihe von Videoprojekten. In ihnen wendet er Strategien an, die er selbst als „neu ersinnen, neu erzählen, neu schreiben und neu verbinden“ bezeichnet.

          Kuan-Hsing Chen „Asien als Methode“

          Interview von Chien-Hung Huang

          Kuan-Hsing Chen ist Professor am Institut für Sozialforschung und Kulturwissenschaft der Chiao-Tung-Nationaluniversität in Hsinchu (National Chiao Tung University, TW). Unter seinen zahlreichen Veröffentlichungen sind die von ihm in englischer Sprache herausgegebenen Bände Stuart Hall: Critical Dialogues in Cultural Studies (Routledge, London/New York 1996) und Trajectories: Inter-Asia Cultural Studies (Routledge, London/New York 1998) sowie die chinesischen Publikationen Entimperialisierung – Asien als Methode (2006, deutsche Übersetzung des Buchtitels Christiane Wagler), Kulturwissenschaft in Taiwan (2000, deutsche Übersetzung des Buchtitels Christiane Wagler) und Das Partha-Chatterjee-Seminar – Die politische Gesellschaft verorten: Modernität, staatliche Gewalt und postkoloniale Demokratien (2000, deutsche Übersetzung des Buchtitels Christiane Wagler). Zu seinen eigenen Büchern zählen Medien- und Kulturkritik: Eine volksdemokratische Fluchtlinie (1992, auf Chinesisch, deutsche Übersetzung des Buchtitels Christiane Wagler) und Der imperialistische Blick (2003, auf Koreanisch, deutsche Übersetzung des Buchtitels Christiane Wagler). Er ist Mitherausgeber der viermal jährlich erscheinenden Zeitschrift Inter-Asia Cultural Studies der gleichnamigen Society mit Sitz in Seoul (KR).

            Inuhiko Yomota „Melodramatische Fantasie in Grenzüberschreitungen des ostasiatischen Films“


            Interview von Yukie Kamiya

            Inuhiko Yomota wurde 1953 in der japanischen Präfektur Hyōgo geboren und ist Schriftsteller, Kulturessayist und Filmhistoriker. Derzeit lebt und arbeitet er in Tokio (JP). An der Universität Tokio (JP) absolvierte er ein Studium der Religionswissenschaft und danach einen Aufbaustudiengang in Vergleichender Literatur- und Kulturwissenschaft. Er war an mehreren Einrichtungen in verschiedenen Ländern als Gastprofessor und Forscher tätig, darunter die Konkuk University in Seoul (KR), die Columbia University in New York (US), die Universität Bologna (IT), die Universität Tel Aviv (IL) und die Universität Priština im Kosovo. Zeitweise lehrte er zudem Filmstudien und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Meiji-Gakuin-Universität in Tokio (Meiji Gakuin University, JP).

            Sein wichtigstes Forschungsgebiet ist die Filmgeschichte, vor allem die Geschichte des Films in den asiatischen Ländern. Im Lauf seiner Karriere veröffentlichte er fast 80 Bücher und erhielt verschiedene Literaturpreise, darunter der „Kodansha Essay Award“. Zudem übersetzte er zahlreiche Werke von US-amerikanischen und palästinensischen Autoren ins Japanische.

              Toshiki Okada „Körperspiel als lokales Medium in Asien“


              Interview von Yukie Kamiya

              Okada wurde 1973 in Yokohama (JP) geboren und ist Dramatiker und Regisseur. 1997 gründete er die Theatergruppe „Chelfitsch“. Seitdem hat er für alle Produktionen des Ensembles die Texte geliefert und selbst Regie geführt. Seine Theaterstücke zeichnen sich durch seine unverwechselbare Methode aus. Besonders sind sie für Dialoge in drastischem, umgangssprachlichem Japanisch sowie einzigartige Choreografien bekannt. 2005 gewann sein Stück Five Days in March den renommierten 49. „Kishida Kunio Drama Award“. Im selben Jahr nahm Okada mit Air Conditioner (Cooler) am Wettbewerb um den „Toyota Choreography Award“ teil und erlangte große Aufmerksamkeit. 2012 erschien sein ins Deutsche übersetzter Erzählband Die Zeit, die uns bleibt (S. Fischer, Frankfurt am Main 2012). Dieser war bereits im Februar 2007 auf Japanisch veröffentlicht und mit dem „Ōe Kenzaburō Prize“ (JP) ausgezeichnet worden. Seit 2012 ist Okada Mitglied der Jury für den „Kishida Kunio Drama Award“ (JP). 2013 erschien sein erstes theaterwissenschaftliches Buch im Verlag Kawade Shobo Shinsha in Tokio (JP).

                Chan-Kyong Park „Ostasien von der naiven Wahrnehmung als ‚Ostasien‘ befreien“


                Interview von Sunjung Kim

                Chan-Kyong Park wurde 1965 geboren und ist Künstler und Filmemacher. Nach seinem Bachelor in Malerei an der Seoul National University (KR) absolvierte er einen Masterstudium in Fotografie am California Institute of the Arts in Los Angeles (US). Seine Werke wurden international ausgestellt, u. a. in der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart (DE), im Atelier Hermès in Seoul (KR), im REDCAT in Los Angeles (US) und auf der Gwangju Biennale (KR). Seine Kunstwerke und Filme sind vielfach ausgezeichnet worden, etwa 2004 mit dem „Hermès Korea Misulsang“ und 2011 mit dem Goldenen Bären für den „Besten Kurzfilm“ auf der Berlinale (DE). 2014 war er einer der künstlerischen Leiter der Biennale „Mediacity Seoul“ im SeMA – Seoul Museum of Art (KR).

                  Seung Yul Oh „Sichtweisen auf Asien: Eine ökonomische Annäherung“


                  Interview von Sunjung Kim

                  Seung Yul Oh ist Dekan der Graduate School of International and Area Studies an der Fremdsprachenuniversität Hankuk (Hankuk University of Foreign Studies, KR). Seinen Doktortitel in Ökonomie erhielt er an der Chinese University of Hong Kong (HK/CN). Seine wichtigsten Forschungsgebiete sind die chinesische und die nordkoreanische Ökonomie sowie wirtschaftliche Beziehungen.