Chang Wen-Hsuan





Die Geschichte zeichnet sich durch eine „Mise en abyme” Struktur aus: Sie ist quasi ein Bild, das sich selbst enthält. Chang Wen-Hsuan interessiert sich vor allem für das Thema „Fiktion”. In ihren Arbeiten ist Fiktion stets ein Erzählvorgang, der Geschichte und Politik verbindet. Indem die Künstlerin sich mit Geschichte und Politik in einem fiktionalen Raum beschäftigt, lotet sie die Beziehungen und dynamischen Strukturen zwischen persönlichen Geschichten und Geschichtsschreibung aus. In ihrem neuen Werk Autobiography („Autobiografie”) beschäftigt sie sich wie schon in früheren Werken mit den Techniken des „sich Beziehens auf andere Namen” „Katalogisierung“ und „Mise en abyme“. Das Ganze ist quasi ein historischer Knotenpunkt, der sich der Fiktion bedient, um weibliche Mitglieder der „Taiwanese Communist Party“ zu porträtieren, von denen in der Realität nur wenig dokumentiert ist. Das Compendium Of Autobiographies („Handbuch der Biografien”) untersucht die ethischen Beziehungen innerhalb historischer Archive sowie die experimentelle Fiktionalisierung des Erzählstoffs. Außerdem ist die Fiktion hier ein Mittel, um einen breit gefächerten historischen Diskurs anzuregen.

 

Chang Wen-Hsuan wurde in Changhua County geboren und lebt derzeit in Taipeh, wo sie gerade ihren Hochschulabschluss absolviert und in der Kunstszene tätig ist. Mit ihren Performance-Arbeiten, die auf Erzählungen und animiertem Puppenspiel basieren, möchte sie die Beziehungen zwischen individuellen und historischen Geschichten herausstellen. Dabei interessiert sie sich vor allem für die Frage, wie sich ein Individuum in verschiedene Erzählstrukturen einbringt bzw. wie diese Erzählstrukturen auf der anderen Seite die individuelle Erzählstimme übergehen. Auch die Frage, inwieweit diverse historische Erzählungen das Leben des Einzelnen prägen, ist dabei von Bedeutung. Mit ihren Erzählungen versucht die Künstlerin zu zeigen, wie die Fiktion für den Einzelnen eine notwendige Befreiungsstrategie innerhalb eines historischen Rahmens wird, der die Wahrheit „entführt“. In ihren Werken baut sie daher stets eine Spannung zwischen systemischen Strukturen und dem Alltag des Einzelnen auf. Ihre erzählten Geschichten werden zu einem verschlungenen (befreienden) Fluchtweg und zur Fiktion, weil sie politisch sind.