Hao Jingban





Die junge Filmemacherin und Künstlerin Hao Jingban lebt und arbeitet in Peking. Hao hat am University College Of London ihren Magisterabschluss in Filmtheorie gemacht. Ihr Herz schlägt vor allem für Essays und Dokumentarfilme. In den letzten Jahren hat sie sich besonders mit dem Thema Gesellschaftstanz in Peking beschäftigt. Vor allem zwei Generationen erinnern sich in China noch besonders lebhaft an diese Tanzveranstaltungen: Diejenigen, die in den 1950er und 1980er Jahren jung waren. Getrennt werden beide Gruppen von der „Cultural Revolution“ (1966-1976), als westlich inspirierte Gesellschaftstänze verboten wurden und stattdessen zu Ehren von Mao Zedong sogenannte „Loyalty Dances“ („Loyalitätstänze“) abgehalten wurden. Mit der Kamera fängt Hao die Überbleibsel dieses bedeutenden, aber fast schon vergessenen sozialen Phänomens sehr nah und feinsinnig ein.

In ihrer Arbeit A Dance Party („Eine Tanzparty“) aus dem Jahr 2013 hat Hao Jingban eine 25-minütige Videodokumentation in Peking gedreht, die in Echtzeit präsentiert, wie die Tänzer ankommen, ihren Tanz aufführen und anschließend den Saal wieder verlassen. Ihre vielschichtige auf vier Kanälen aufgezeichnete Erzählung I Can’t Dance („Ich kann nicht tanzen“) verbindet selbst gedrehtes Material und Archivaufnahmen zum Thema Gesellschaftstanz sowie zu dem politischen und historischen Kontext, in den dieser Tätigkeit eingebettet war und ist. So gibt es etwa Interviews mit ehemaligen Tänzern, die seit den 1950er Jahren dieser Tanzszene in Peking angehörten oder Aufnahmen, die diese in den damaligen Tanzsälen der Stadt zeigen. Außerdem finden sich hier Ausschnitte aus den Filmen Song Of Youth („Lied der Jugend”) aus dem Jahr 1958 und Intrepid Heroes („Unerschrockene Helden“) von 1959, wo der Gesellschaftstanz vor allem als geselliges Ereignis, aber auch als geheimer Test des eigenen politischen Status porträtiert wird. Schließlich findet man hier auch noch einen Ausschnitt aus der TV-Sendung Get Up And Dance („Steh auf und tanze“), die 1997 im Morgenprogramm lief und die wichtigsten Schritte des Gesellschaftstanzes zeigte. Aus der Perspektive einer bloßen Freizeitaktivität entsteht hier so ein Porträt einer ideologisch aufgeladenen historischen Zeit.

 

Die 1985 geborene Hao Jingban lebt und arbeitet in Peking. Hao hat 2007 am Goldsmiths College in London ihren Bachelor-Abschluss in Medien- und Kommunikationswissenschaften gemacht und 2010 an der University Of London ihren Master in Filmwissenschaften erlangt. Sie hat bereits an diversen Ausstellungen teilgenommen: der 7. Shenzhen Sculpture Biennale (OCAT Shenzhen, 2012), From The Issue Of Art To The Issue Of Position: Echoes Of Socialist Realism (OCAT Shenzhen, 2014), Sight And Sound (Jewish Museum, New York, 2014), The Civil Power (Minsheng Art Museum, Beijing, 2015), Southern Wind (Antenna Space, Shanghai, 2015) und Discordant Harmony (Hiroshima MOCA, Japan, 2015). 2013 hat sie die Ausstellung OCAT Screens: The Prose Of The World For 2013 kuratiert, 2016 eröffnete sie ihre Einzelausstellung Over-Romanticism (Taikang Space, Peking, China). Außerdem hat sie 2016 unter dem Titel The Prose Of The World („Die Prosa der Welt“) eine Reihe von Essays herausgebracht. Die von Hao kuratierten Werke beschäftigen sich mit dem Bild als Mittel, Geschichte greifbar zu machen sowie den Möglichkeiten der Bildsprache, Dinge zu beschreiben und kritisch zu beleuchten.