Kwon Byung Jun





Kwon Byung Jun begann seine künstlerische Karriere in den frühen 1990ern als Singer/Songwriter. Kwons Repertoire umfasst nicht nur sechs Alben, deren Genres von Alternative Rock bis zu Minimal House reichen, sondern auch diverse andere musikalische Werke und Performance-Projekte in den Bereichen Filmmusik, Theater, Modenschau oder Modern Dance. In den späten 2000er Jahren studierte er in den Niederlanden Sonologie und arbeitete als Hardware-Ingenieur bei STEIM, einem Forschungszentrum für neue Musikinstrumente im Bereich elektronischer Performancekunst. Seit seiner Rückkehr nach Korea im Jahr 2011 belegt er mit seinen charakteristischen Klang- und Medienarbeiten nun eine Nische in der zeitgenössischen Bildkunst.

 

In Hiroshima stellt Kwon ein Projekt vor, bei dem mit Lautsprechern die sogenannte Technik der Ambisonics eingesetzt wird. Inspiriert wurde dieses neue Stück mit dem Titel The Bell („Die Glocke”) von traditionellen buddhistischen Glocken in Korea. Jene erzeugen einen Hall von besonders tiefer Frequenz, der noch länger nachhallt als bei allen anderen in anderen Ländern benutzten Glocken. Dieses einzigartige Phänomen namens „MacNoRi” beruht auf der asymmetrischen Struktur der Glocken, deren genaue Konstruktion immer noch von Sonologen erforscht wird. Für die Installation in Hiroshima hat der Künstler sowohl koreanische als auch japanische Glocken aufgenommen. Die Dokumentation kombiniert er mit ihrem einzigartigen Widerhall. Dank der von Kwon benutzten Technik der Amibsonics wirkt der elektronisch erzeugte „MacNoRi” Klang noch eindringlicher. Das Schlagen der Glocken erscheint hier als eine der vielen Erscheinungsformen asiatischer Harmonie.

Das Ausstellungszentrum befindet sich auf einem Hügel unweit der Stadt Taipeh, und der Hall der veränderten Klaviersaiten ist genau auf diese ausgerichtet. Die Dokumentation Is This A Musical Instrument? („Ist dies ein Musikinstrument?“) hat eigens zu diesem Zweck ein altes Klavier, das lange vor dem Haus stand und schon viele Insekten beherbergte, zu einem neuen Instrument umfunktioniert: Es erzeugt nicht mehr Töne, indem es die Saiten anschlägt, sondern indem es sich nur ganz minimal bewegt. Aus zwei Hornlautsprechern auf dem Dach des Ausstellungsraumes lässt dieses umgearbeitete Klavier mit seinem ganz eigentümlichen Timbre jede Stunde acht Melodien erklingen.

Kwon Byung Jun wurde 1971 in Seoul, Korea geboren. In den frühen 1990ern begann er seine Karriere als Singer/Songwriter und veröffentlichte sieben Alben, deren musikalisches Spektrum von Alternative Rock bis hin zu Minimal House reicht. Im folgenden Jahrzehnt komponierte und spielte er Musik für Filme, Modenschauen, Tanz- und Theaterproduktionen sowie traditionelle koreanische Musikaufführungen. 2005 zog er in die Niederlande, wo er beim STEIM Institut sowie einem Forschungs- und Entwicklungszentrum für elektronische Musikinstrumente als Hardware-Ingenieur tätig war. 2011 ging er zurück nach Korea, wo er seither als Medienkünstler und Hardwareentwickler tätig ist. Seine stets genreübergreifenden Arbeiten reichen dabei von zeitgenössischer Kunst bis zu experimenteller elektro-akustischer Musik. In Workshops mit jungen Künstlern stellt er neue Instrumente und Bühnenrequisiten vor und organisiert neue Medienperformances mit detailgenau ausgearbeiteten Szenen. Derzeit ist Kwon außerordentlicher Professor an der SoGang University.