Liu Ding





Der Künstler und Kurator Liu Ding lebt und arbeitet in Peking. Er beschäftigt sich mit Objekten, Ereignissen und Diskursen der Kunstgeschichte und historisierenden Prozessen, die für ihn sowohl Material als auch Basis für kritische Auseinandersetzung darstellen. Auf der Grundlage seiner umfangreichen Forschungen zum andauernden Einfluss des sozialen Realismus auf die ideologischen Strukturen und Diskurse im heutigen China kann er bereits ein weitreichendes Repertoire an verschiedenen Arbeiten aufweisen.


 

Karl Marx in 2013 befasst sich mit einer Gruppe von Mitgliedern der chinesischen Kommunistischen Partei, denen der Künstler auf dem Weg zum Grab von Karl Marx in einem Londoner Vorort zufällig begegnet war. Das Video zeigt, wie er und seine Landsmänner ernsthaft mit diesen Männern aneinander geraten, als er diese filmen will.

Die Theorien von Karl Marx gelangten Ende des 19. Jahrhunderts über Europa nach Asien und damit auch nach China. Seit fast einem Jahrhundert wird sein Gedankengut hierzulande nun verbreitet und kontinuierlich in die Praxis umgesetzt. Im China der Jetztzeit dürfte es jedoch schwerfallen, die Marxʼsche Theorie in ihrer ursprünglichen Form ausfindig zu machen, obwohl wir an allen möglichen, in seinem Namen ausgeübten gesellschaftlichen und politischen Praktiken festhalten. Immer wieder bereisen Chinas Kommunisten die Metropole London, um dort einzukaufen und dem Grab des Denkers einen Besuch abzustatten. Dort leisten sie Eide und singen die Internationale. Ich frage mich, ob sie auch Friedrich Engels ehemaligen Wohnsitz in Primrose Hill aufsuchen.

In 1988 (Language As The Issue) („1988 – Sprache als Thema“) arrangiert er eine Reihe von Objekten, darunter ein Gemälde, eine an vier Seiten blau angemalte blaue Kiste, drei Kupferstäbe sowie ein paar laminierte Farbausdrucke in Postkartengröße auf einer erhöhten Plattform, womit diese wie die Vorlage für ein Stillleben erscheinen. Im Hintergrund befindet sich ein Aquarellbild auf Leinwand des Künstlers, das wie eine Gemäldelandschaft aus Waser und Tinte wirkt, in die sich hier und da Kupferstäbe einfügen. Die Textausschnitte auf den Ausdrucken stammen aus der nach der 85’ New Wave Movement aufgekommenen Diskussion zum Thema „Sprachsäuberung”, die aus den Überlegungen zum Thema künstlerische Sprache eine lebhafte Debatte über das künstlerische Schaffen an sich machte. Künstler an Kunstakademien, beim Staat angestellte Kunstkritiker, unabhängige Kritiker, junge Künstler aus der 85’ New Wave Szene – sie alle diskutierten lautstark über dieses Thema. Nach der Avantgarde-Ausstellung in China im Jahr 1989 ebbte diese Diskussion jedoch langsam ab. Im Zuge dieser Debatte entwickelte sich das Thema einer künstlerischen Sprache zu einem Maßstab, der die Eckpfeiler verschiedener Wertesysteme wiederspiegelte.

Gegen Ende des Jahres 1985 besuchte der amerikanische Künstler Robert Rauschenberg Peking und Tibet, wo er nacheinander jeweils zwei Einzelausstellungen zeigte. Diese Reise bzw. Rauschenbergs Anwesenheit in Peking spielt in der chinesischen Kunstgeschichte eine besondere Rolle, weil in diesen Ausstellungen ein sich wandelnder Ansatz vieler Künstler bzw. der Kunst in China im Allgemeinen deutlich wurde. In Message nimmt Liu Ding die Gestalt Rauschenbergs ein und bietet seinen Freunden in der Pekinger Kunstwelt ein Geschenk an. Dieses besteht aus einem Bündel von Bildern, die im Namen Rauschenbergs angefertigt wurden, sowie einem an dessen Freunde adressierten Brief, der nach Rauschenbergs Ankunft in Tibet zur Vorbereitung seiner Ausstellung dienen sollte.

Liu Ding wurde 1976 in Changzhou in der Provinz Jiangsu geboren. Heute lebt und arbeitet er als Künstler und Kurator in Peking. Er beschäftigt sich mit Objekten, Ereignissen und Diskursen der Kunstgeschichte und historisierenden Prozessen, die für ihn sowohl Material als auch Basis für kritische Auseinandersetzung darstellen. Lius Arbeiten wurden bereits sowohl in chinesischen als auch in internationalen Museen ausgestellt, darunter die Tate Modern, das Turner Museum und die Arnolfini Gallery in Großbritannien, die Wiener Kunsthalle in Österreich, das Astrup Fearnley Modern Art Museum in Norwegen, das Sao Paolo National Museum Of Art in Brasilien, das Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe, das CentrePasquArt in der Schweiz und das Art Sonje Center in Korea. Weiterhin hat er an der Taipei Biennale 2012, der 53. Venice Biennale im Jahr 2009 (chinesischer Pavillon), der 5. Seoul International Media Biennale (2008), der 2. Guangzhou Triennale (2005), der New Orleans Biennale (2014), der Shanghai Biennale (2014), der 14. Istanbul Biennale (2015) sowie der Asia Pacific Triennale (2015) teilgenommen.