siren eun young jung





siren eun young jung hat Malerei und Feminismus studiert. Ihre Arbeiten untersuchen die Mechanismen hinter sehr persönlichen Wünschen und Träumen vor dem Hintergrund der Geschehnisse in der Welt, die langsam zu einem Akt des Widerstandes werden und sich sodann weiter zu Geschichte und Politik entwickeln. Seit 2008 hat sie verschiedene Folgen des traditionellen koreanischen Frauentheaters „Yeosung Gukgeuk” konzipiert. Das Projekt beschäftigt sich mit verschiedenen Zusammenhängen und Inhalten innerhalb der Gemeinschaft der Yeosung Gukgeuk Schauspielerinnen. Diese besondere Theaterform besteht nur aus weiblichen Mitgliedern. Diejenigen, die die Männerrollen übernehmen, müssen die Darstellung des anderen Geschlechts akkurat einüben. In den 1950er Jahren, dem Goldenen Zeitalter dieses Genres, waren die meisten Frauen, die besonders gut die traditionelle koreanische Darstellungsform des Singens von „pansori” („Geschichten”) beherrschten, allesamt ehemalige „gisaeng”, also professionelle Unterhalterinnen ähnlich wie die japanischen „geishas”. Dass man diesen talentierten Sängerinnen jedoch das Etikett ehemaliger gisaeng aufdrückte, brachte ihnen viel Verachtung und Hass seitens der Gesellschaft entgegen. In Hiroshima präsentiert siren I Am Not Going To Sing („Ich werde nicht singen”) aus dem Jahr 2015. Darin porträtiert sie eine berühmte Darstellerin, die nur Nebenrollen spielen durfte, weil sie nicht singen konnte. Die Schauspielerin hatte bewusst auf pansori Gesangsunterricht verzichtet, weil sie fürchtete, als ehemalige gisaeng abgestempelt zu werden. Indem siren die Ironie porträtiert, die der Entscheidung der Schauspielerin zugrunde liegt, als Darstellerin männlicher Rollen bewusst im Hintergrund zu bleiben, um sich nicht dem Spott auszusetzen, der berufstätigen Frauen oft entgegengebracht wird, will sie die Illusion der Geschlechterrollen, die die Gesellschaft immer wieder aufoktroyiert, in Frage stellen und dekonstruieren.


 

siren eun young jung wurde 1974 in Inchoen City geboren. Derzeit lebt und arbeitet sie in Seoul. Sie hat an der Ewha Womans University in Seoul und an der University Of Leeds in Großbritannien Visuelle Kunst und Feminismus studiert. Ihr künstlerisches Interesse kreist um die Frage, wie sich die geheimen Wünsche einzelner Individuen vor dem Hintergrund der Geschehnisse in der Welt manifestieren und wie aus solchen Verbindungen schließlich Widerstand, Geschichte und Politik entsteht. Seit 2008 arbeitet sie mit dem traditionellen koreanischen Frauentheater Yeosung Gukgeuk zusammen und begleitet eine Gruppe von in diesem Genre tätigen Schauspielerinnen. 2013 wurde das Projekt mit dem Hermes Foundation Missulsang Kunstpreis ausgezeichnet. Die Arbeiten von siren eun young jung sind nicht nur in Kunstausstellungen zu sehen, sondern auch im Rahmen von Filmfestivals und Performancedarbietungen.