Wu Tsang





In Shape of a Right Statement blickt Tsang direkt in die Kamera und rezitiert einen Ausschnitt aus In My Language, einem eindringlichen Videomanifest der US-amerikanischen Bloggerin Amanda Baggs, die sich für die Rechte von Autisten einsetzt und selbst nicht sprechen kann. Tsangs beeindruckendes Video wurde in der Bar „Silver Platter“ gedreht, in dem der Künstler auch die Clubnacht aus seinem Film Wildness veranstaltete. Es entstand ein Jahr nachdem Tsang den Text von Baggs live reinszenierte. Er ahmt die Stimme von Baggsʼ Sprachcomputer nach und proklamiert: „Nur, wenn ich etwas in eurer Sprache auf dem Computer schreibe, haltet ihr mich für kommunikationsfähig.“

Der Titel ihrer Rekonstruktion der Biographie der bekannten und revolutionären chinesischen Dichterein Qiu Jin (1875-1907) Duilian bezieht sich sowohl auf eine Form der Spruchdichtung als auch auf eine Duelltechnik, bei der sich zwei Kämpfer mit Schwertern gegenüberstehen. Im Vordergrund des Films steht Qius weniger bekannte intime Beziehung zu ihrer Freundin, der Kalligraphin Wu Zhiying. Während andere Romane, Filme und Theaterstücke über Jin eher ihre Rolle im Rahmen der Revolution im China des frühen 20. Jahrhunderts beleuchten, kreist Wus Porträt um die in Asien im Verborgenen liegende lesbische Lebenswelt. Der Film stellt das gesamte ideologische Regelwerk in historischen Dokumentationen in Frage, in denen individuelle Erfahrungen und Lebensumstände meist ausgeblendet werden.


Wu Tsang ist Bildkünstlerin, Performerin und Filmemacherin. Ihre Projekte waren bereits in internationalen Museen zu sehen, darunter die Tate Modern sowie die ICA in London, das Stedelijk Museum (Amsterdam), das MACBA (Barcelona), das Art Sonje Center (Seoul), das Museum Of Contemporary Art (Chicago) sowie im Hammer Museum, LACMA und MOCA in Los Angeles. Auch auf diversen Filmfestivals auf der ganzen Welt wurden ihre Arbeiten schon gezeigt, etwa beim Berlinale Film Festival (Berlin), dem SANFIC (Santiago, Chile), dem South By Southwest Film Festival (Austin, TX) sowie dem Hot Docs Festival (Toronto). Ihr Film Wildness („Wildheit”) feierte bei der MoMa Documentary Fortnight im Jahr 2012 Premiere, und ihre Werke waren ebenfalls bei der 2012 Whitney Biennial 2012, innerhalb der New Museum Triennial in New York (The Ungovernables) sowie bei der Gwangju Bienniale 2012 in Südkorea zu sehen. Tsang war 2015 Stipendiatin bei Creative Capital und 2016 bei der Guggenheim-Stiftung.