Ham Yang Ah





Ham Yang Ah arbeitet in Amsterdam und Seoul, war jedoch schon auf der ganzen Welt tätig. Die Künstlerin bedient sich verschiedenster Medien von der Videokunst bis zur Skulptur und thematisiert damit Natur und Gesellschaft, wie sie sie selbst erfahren hat bzw. sich erträumt. Für die Ausstellung in Seoul präsentierte sie eine schwingende Plattform als Teil einer aus Video, Fotografie, Zeichnung, Neoninstallation und Skulptur bestehenden Komposition, die von einer surrealen Erzählung über einen fiktiven Ort namens Nonsense Factory („Nonsens-Fabrik“) inspiriert wurde. Einige Teile dieser fiktiven Erzählung beschäftigen sich mit Gegenwartsthemen wie dem Wettbewerb in einer wachstumsorientierten Gesellschaft und dem drohenden Verlust idealistischer Werte. Die bewegte Plattform soll dabei eine architektonische Visualisierung des Systems Demokratie darstellen. Die Künstlerin, die schon in mehreren Projekten individuelle Lebenssituationen und soziale Systeme untersucht hat, legt stets mit feiner Beobachtungsgabe die in einer Gesellschaft herrschenden Mechanismen offen. In Hiroshima und Taipeh stellt sie nun ihre neuesten Arbeiten vor. Vor dem Hintergrund der versagenden sozialen Systeme der Gegenwart, die es nicht schaffen, ihre Mitglieder vor bedrohlichen Situationen und Katastrophen zu schützen, setzt sie sich mit ihrer Rolle als Künstlerin erneut kritisch auseinander. Hams neuestes Werk The Sleep („Der Schlaf“) ist ein Versuch, die Geschichte um sie herum abzubilden und gleichsam der erste Schritt hin zu einer sozialkritischen Betrachtungsweise, die die emotionalen und psychologischen Reaktionen der Menschen auf ihre Umgebung nicht ausschließt. Indem sie Schlaf als Metapher für die Beziehung zwischen Menschen und der sie umgebenden Gesellschaft benutzt, reflektiert The Sleep die derzeitigen Reaktionen auf vorherrschende Ängste und die Unfähigkeit des sozialen Systems, diesen entgegenzuwirken.

 

Mit Nonsense Factory erzählt die Künstlerin eine surreale Geschichte an einem virtuellen Ort. Sie bedient sich dafür der unterschiedlichsten Medien wie Video, Fotografie, Zeichnung, Neonlicht und Skulptur. Die namensgebende „Fabrik“ besteht aus sechs betitelten Räumen – First Room: Central Image Box Control Room, Second Room: Welfare Policy-Making Room, Third Room: Coupon Room, Fourth Room: Artists’ Room, Fifth Room: Factory Basement sowie Sixth Room: Blue-Print Room for Future Factory. Diese einzelnen Räume widmen sich jeweils verschiedenen Aspekten einer komplexen modernen Gesellschaft: die Problematik der kontrollierten Bilder, Glück als Ideologie, Kapitalismus und Geldwirtschaft, Kultursnobbismus, der Niedergang idealistischer Werte sowie der endlose Wettkampf, der mit dem Streben nach ständigem Wachstum einhergeht.
Das in der Ausstellung Discordant Harmony gezeigte Podest basiert auf dem fünften Raum Factory Basement. Visualisiert wird ein demokratisches Gesellschaftssystem auf architektonische Weise. Der Schreibtisch und Stuhl in der Ecke des Podests hinterfragen den Wert der Arbeit und Kreativität als Schwerpunkt einer Gesellschaft in Zeiten der Unsicherheit. Ergänzend zu diesem Setting werden Videos präsentiert: Zum einen ist die Performance einer Gruppe auf dem Podest zu sehen; ein weiteres porträtiert das Können, die Technik und Gedanken von Menschen, die etwas außergewöhnlich gut beherrschen; ein drittes Video nimmt sich Themen des modernen Lebens an. Mit Nonsense Factory lädt die Künstlerin den Betrachter einerseits ein, Zeuge der Absurdität der dargestellten Realität zu werden und die daraus resultierende Resignation wahrzunehmen. Doch darüber hinaus verweist das Werk auch auf die Möglichkeit, ebendiese Realität zu verändern.

In The Sleep sehen wir hundert Menschen, die in einer Sporthalle wohnen und schlafen. Es ist eine Ironie des Schicksals, das Menschen in Krisenzeiten ausgerechnet in Turnhallen untergebracht werden - einem Ort, der ansonsten die Gesundheit der Menschen fördern soll, aber hier nur als schnell verfügbare Massenunterkunft dient. In jüngster Zeit hatten viele Koreaner in so einer Halle gewohnt, nachdem 2014 im West-Meer Koreas eine Fähre gesunken war, was die Absurdität des sozialen Systems einmal mehr zeigte. Indem sie Schlaf als Metapher für die Beziehung zwischen Menschen und der sie umgebenden Gesellschaft benutzt, reflektiert The Sleep die derzeitigen Reaktionen auf vorherrschende Ängste und die Unfähigkeit des sozialen Systems, diesen entgegenzuwirken.

Nach dem Erwerb ihres Bachelors sowie Masters an der Seoul National University (KR) schloss Ham Yang Ah einen Masterstudiengang in Medienkunst an der New York University (US) ab. 2006/07 war sie Teilnehmerin des Residenzprogramms der Rijksakademie in Amsterdam (NL). In vielen ihrer Projekte beschäftigt sich Ham mit dem Leben des Einzelnen sowie mit Gesellschaftssystemen Ganzes. Mit einer Vielzahl von Medien – etwa Skulptur, Performance, Installation und Video – erörtert sie immer wieder Probleme vor allem sozialer Bedeutung. Besonders interessieren die Künstlerin jene, die sich sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene auf die komplexen Beziehungen zwischen Staaten und ihren Einwohnern auswirken. Ihre Werke wurden bereits in verschiedenen Ausstellungen gezeigt, darunter 2010 Adjective Life in the Nonsense Factory im Art Sonje Center in Seoul (KR), 2005 Transit Life im Kumho Museum of Art in Seoul (KR) sowie 2004 Dream…in Life im Insa Art Space in Seoul (KR). Sie war eine der Mitorganisatorinnen des von Künstlern kuratierten Projekts be mobile in immobility, das 2010 im DEPO Istanbul (TR) sowie 2011 im Total Museum of Contemporary Art in Seoul (KR) stattfand. Hieran waren Künstler aus den Niederlanden, der Türkei und Korea beteiligt. Als Teil ihrer Nominierung für den Korea Artist Prize 2013 stellte sie das Projekt Nonsense Factory im National Museum of Modern and Contemporary Art in Seoul (KR) aus, das nun in Abwandlung auch im Rahmen von Discordant Harmony präsentiert wird.