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Internationaler Fachaustausch von Bibliothekaren

Führung in der Staatsbibliothek zu Berlin; © BI-internationalFührung in der Staatsbibliothek zu Berlin; © BI-internationalSeit über zehn Jahren fördert „BI-International“ als ständige Kommission von „Bibliothek & Information Deutschland“ (BID) den internationalen Dialog, den Austausch von Know-how sowie die weltweite Kooperation in der Bibliotheks- und Informationsarbeit.

„Schon auf dem Flug von Philadelphia nach Phoenix, wo die Partnerschule meines Berufskollegs ein einwöchiges Bibliotheksbesuchsprogramm für mich zusammengestellt hat, das ich im Rahmen von Librarian in Residence erleben kann, habe ich die erste kleine interessante Begegnung mit dem Thema Schulbibliotheken in den USA. Meine Sitznachbarin spricht mich auf meine Reise an. Als ich ihr meinen Beruf ‚Schulbibliothekarin‘ nenne, erwarte ich automatisch den in Deutschland üblichen erstaunt fragenden Gesichtsausdruck ob eines so ungewöhnlichen Berufs. Sie nickt stattdessen freundlich und wundert sich höchstens ein bisschen, dass eine Schulbibliothekarin eine solche aufwendige ‚Dienstreise‘ macht.“

So beginnt am 19. Oktober 2010 der erste von mehreren Blogeinträgen, in denen Julia Rittel ihre Erfahrungen während ihrer vierwöchigen Reise durch Arizona und Florida festhält. Und er beginnt bezeichnenderweise mit einem Staunen, „dass professionelle Schulbibliotheken hier eine ganz andere Selbstverständlichkeit zu haben scheinen.“

Regine Friederici (Goethe-Institut) mit Gästen des Goethe-Instituts   und Gästen von BI-International vor der Staatsbibliothek zu Berlin; © BI-international

Programme für den Erfahrungsaustausch

Librarian in Residence ist eines von mehreren Programmen, mit denen BI-International – die ständige Kommission von Bibliothek & Information Deutschland (BID) der Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheks- und Informationsverbände – den weltweiten Fachaustausch von Bibliothekaren finanziell unterstützt. „Die Aufgabe unserer Kommission ist es, den Erfahrungsaustausch von Kollegen aus dem Bibliotheks- und Informationswesen zu ermöglichen“, erklärt auch Benjamin Blinten, Sprecher von BI-International. „Dazu holen wir ausländische Kollegen nach Deutschland und geben deutschen Kollegen die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen.“

Die Kommission besteht aus zehn Mitgliedern, die die verschiedenen Mitgliedsverbände von Bibliothek & Information Deutschland repräsentieren, und verwaltet die Fördergelder des Auswärtigen Amtes und des Kulturstaatsministeriums. Mit drei Basisprogrammen fördert sie zwei- bis vierwöchige Kurzpraktika, Gruppenstudienreisen und Kongressaufenthalte. Das Goethe-Institut und die Deutsche Nationalbibliothek sind ihre Partner.

Austausch von Know-how

Benjamin Blinten; © BI-internationalDer internationale Austausch sei in den letzten Jahren immer wichtiger geworden, sagt Blinten, der die Bibliothek des John-F.-Kennedy-Instituts für Nordamerikastudien an der Freien Universität Berlin leitet. „Bibliotheken stehen – etwa durch den digitalen Wandel – in ganz verschiedenen Ländern vor ganz ähnlichen Herausforderungen. Es kann sehr interessant und hilfreich sein sich anzuschauen, wie eine vergleichbare Bibliothek in einem anderen Land und mit einer anderen Bibliothekstradition mit einem vergleichbaren Problem in der Praxis umgeht. Man bekommt einfach sehr viele Anregungen für die eigene Arbeit – egal, ob man nun selbst ins Ausland reist oder ob man als Gastbibliothek einen ausländischen Spezialisten aufnimmt.“

Neben dem für beide Seiten anregenden Erfahrungsaustausch haben die Förderaktivitäten von BI-International noch ein weiteres Ziel: Über die Förderung sollen deutsche Bibliothekare in internationale Zusammenhänge hineingebracht werden und die Stimme des deutschen Bibliothekswesens zum Beispiel bei der IFLA, dem Weltverband der Bibliotheken, vertreten. Dieser Aufgabe kommt laut Blinten immer mehr Bedeutung zu: „Heute wird auf internationaler Ebene politisch deutlich mehr entschieden, was die Bibliotheken dann ganz konkret betrifft. Beispiele sind internationale Handelsabkommen wie GATT und die EU-Urheberrechtsgesetzgebung. Und da ist es natürlich wichtig, dass sich deutsche Kollegen mit ihren Ansichten einmischen können.“

Erfahrungsberichte als Quelle der Inspiration

Das Interesse am internationalen Austausch ist bei den Bibliothekaren in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Längst kann nicht mehr jeder Antrag bewilligt werden. „Darum setzen wir jetzt stärker inhaltliche Schwerpunkte“, erklärt Benjamin Blinten. „Und wir arbeiten für einen bestimmten Zeitraum mit einem Partnerland intensiver zusammen – von 2011 bis 2013 ist das die Türkei.“

Studienreise polnischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare 2010 zu Bibliotheken in Sachsen und Thüringen; © Marzena Przybysz

Jeder Bibliothekar, dessen Auslandsaufenthalt von BI-International gefördert wird, schreibt zudem einen Bericht, in dem deutlich wird, wo der Erkenntnisgewinn lag und welche Perspektiven der Aufenthalt für die weitere Arbeit aufgezeigt hat. „Diese Berichte werden auf unserer Website oder auch auf der deutschen IFLA-Website veröffentlicht. Sie dienen vielen Kollegen, die sich selbst für eine solche Reise interessieren, als Inspiration.“

Librarian in Residence

Damit diese Berichte noch stärker auch für den Wissensaustausch genutzt werden und zugleich ein größeres Publikum erreichen, testet die Kommission neue Ansätze. „Im Programm Librarian in Residence erledigen die Geförderten ihre Berichtspflicht, indem sie unterwegs bloggen“, sagt Blinten. „So kann man sehr gut verfolgen, wie sich neue Erfahrungen bilden.“

Das Librarian in Residence-Programm wird vom Goethe-Institut New York konzipiert und durchgeführt, BI-International unterstützt es durch einen finanziellen Zuschuss und berät bei der Themen- und Bewerberauswahl. Es bietet jedes Jahr zwei deutschen Bibliothekaren die Gelegenheit, während eines mehrwöchigen Fachaufenthalts bestimmte Aspekte des US-amerikanischen Bibliothekswesen intensiv kennenzulernen. 2010 etwa konnten sich Experten zum Schwerpunktthema Schulbibliotheken für diese besondere Form der Fortbildung bewerben.

Julia Rittel, die Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken in Nordrhein-Westfalen, war eine der Stipendiatinnen. Ihre persönlichen Begegnungen, die Gespräche mit Kollegen, die Schulbesuche, die Teilnahmen an Workshops und Tagungen wirken auf vielfältige Weise in ihrem Berufsalltag nach. Und so lautet der letzte Satz in ihrem Blog: „Wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt!“

Dagmar Giersberg
arbeitet als freie Publizistin in Bonn.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Oktober 2011

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