Service für Bibliothekare

Bibliothekswesen in Deutschland – ein Überblick

Besucherin der Stadtbibliothek Stuttgart; © Südpol-Redaktionsbüro/T. KösterBesucherin der Stadtbibliothek Stuttgart; © Südpol-Redaktionsbüro/T. KösterDas Bibliothekswesen in Deutschland ist stark und vielfältig. Rund 11.000 Bibliotheken mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten und Zielgruppen sorgen für einen – möglichst barrierefreien – Zugang zu Information und Wissen.

Staats- und Landesbibliotheken, die wertvolle Handschriften aufbewahren; öffentliche Bibliotheken, die Bürgerinnen und Bürger in Städten, Stadtteilen und Gemeinden mit modernen Medien versorgen; wissenschaftliche Bibliotheken, die Forschende und Studierende umfassend unterstützen; Kinder- und Jugendbibliotheken, die zum Lesen motivieren; Schulbibliotheken, die Lesefreude und Informationskompetenz vermitteln; Spezialbibliotheken, die Literatur zu besonderen Fachgebieten sammeln; Fahrbibliotheken, die entlegene Ortschaften versorgen: Die Bibliothekslandschaft in Deutschland ist ungemein bunt und vielfältig. Und sie blickt auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück. Die ersten Klosterbibliotheken entstanden bereits im 6. Jahrhundert nach Christus. Heute gibt es in Deutschland etwa 11.000 Bibliotheken.

Oft besucht und viel genutzt

Bayerische Staatsbibliothek in München; © BSBDie Deutsche Bibliotheksstatistik, an der längst nicht alle Einrichtungen teilnehmen, verzeichnet für das Jahr 2010 rund 8.500 Bibliotheken mit insgesamt circa 10.700 Standorten. Darunter sind etwa 2.100 öffentliche Bibliotheken mit hauptamtlicher Leitung und rund 240 wissenschaftliche Bibliotheken, zu denen neben den Hochschul- auch die Staats- und Landesbibliotheken zählen.

Das Gros dieser Bibliotheken wird von den Kommunen und Bundesländern finanziert. Mit über 4.000 haupt-, neben- und ehrenamtlich geleiteten Büchereien sind aber auch die Kirchen bedeutende Träger.

An jedem Werktag verzeichnen die Bibliotheken in Deutschland rund 680.000 Besuche: Mit 205 Millionen Besuchern jährlich sind sie die am stärksten genutzten Kultur- und Bildungseinrichtungen. Über 10 Millionen Bürgerinnen und Bürger waren 2010 aktive Nutzer einer Bibliothek – 474 Millionen Medien wurden entliehen.

Lesesaal der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswiisenschaften Kiel; © ZBW Kiel/Stefan Vorbeck

Dezentral organisiert

Das deutsche Bibliothekswesen ist dezentral organisiert, denn im föderalen Deutschland liegen Kultur und Bildung im Wesentlichen in der Verantwortung der einzelnen Bundesländer. Im Gegensatz zu vielen anderen Staaten gibt es hier keine zentrale Institution für die nationale Planung und Lenkung von Bibliotheksangelegenheiten, ebenso wenig ein nationales Bibliotheksgesetz. Seit 2008 sind in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Hessen landesbezogene Bibliotheksgesetze verabschiedet worden. In weiteren Bundesländern werden Bibliotheksgesetze diskutiert.

Deutsche Nationalbibliothek; © DNBDeutschland hatte lange Zeit keine Nationalbibliothek. Das liegt vor allem an der im Vergleich zu anderen europäischen Nationen recht späten Staatsgründung sowie der Teilung des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg. Erst seit Juni 2006 trägt die Deutsche Nationalbibliothek mit ihren Standorten in Leipzig, Frankfurt am Main und Berlin diesen Namen. Die bestandsmäßig größte Bibliothek in Deutschland sammelt alle im In- und Ausland veröffentlichten deutschsprachigen Medienwerke.

Traditionsreich und modern

ZBW Hamburg; © ZBW/Sönke WurrAuch heute noch werden etliche Aufgaben von nationaler Bedeutung von anderen großen und traditionsreichen Bibliotheken wahrgenommen, beispielsweise von der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und der Bayerischen Staatsbibliothek in München. Zudem gibt es drei zentrale Fachbibliotheken: die Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW) in Kiel und Hamburg, die Deutsche Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED) in Köln und Bonn sowie die Technische Informationsbibliothek (TIB) in Hannover.

Davon abgesehen ist die Versorgung mit wissenschaftlicher Literatur dezentral organisiert. Im Sondersammelgebietsprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist jedes Wissensgebiet einer bestimmten wissenschaftlichen Bibliothek zugeteilt.


Deutsche Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED) in Köln; © ZB MED Köln

Innovativ und kreativ

Die deutschen Bibliotheken verstehen sich als Garanten für den freien Zugang zu Information und Wissen. Unermüdlich erweitern sie ihre Dienstleistungen, um ihren Nutzern Medien in unterschiedlichen Formen so barrierefrei wie möglich anbieten zu können.

Staatsbibliothek zu Berlin; © SBB/Jörf F. MüllerNeben Büchern, Zeitungen und Zeitschriften sind das vor allem CD-ROMs, DVDs, Blu-rays, Musik-CDs, Videos, Spiele, Hörbücher und E-Books. Über 364 Millionen Medieneinheiten stellen die deutschen Bibliotheken ihren Nutzern insgesamt zur Verfügung.

Beständig wachsen die digitalen Angebote der Bibliotheken, die via Internet unabhängig von Ort und Zeit zur Verfügung stehen. Daneben bleiben Bibliotheken, die vielfach in imposanten, traditionsreichen oder modernen Gebäuden untergebracht sind, nach wie vor Orte der Begegnung und des lebenslangen Lernens. Die Bibliothekarinnen und Bibliothekare fungieren in der heutigen Informationsgesellschaft mehr denn je als Navigatoren und vermitteln den Nutzern aller Altersstufen Lese-, Informations- und Medienkompetenz – auf vielfältige Art und Weise.


Stadtbibliothek Stuttgart; © Südpol-Redaktionsbüro/T. Köster

Dagmar Giersberg
arbeitet als freie Publizistin in Bonn.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Februar 2012

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