Begriffslexikon

Das Wörterbuch Going Public

Bevor wir besprechen, wie man etwas sagt, gehen wir auf die Frage ein: Was wird gemeint?

Das Wörterbuch Going Public wurde von der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig und dem Projekt Well Connected der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig während des Auftakt-Workshops in Vilnius initiiert. Hierfür wurden verschiedene Auffassungen der Öffentlichkeit sowie vielfältige künstlerische Ansätze im öffentlichen Raum untersucht. Das Ziel des Wörterbuchs ist es, regionale künstlerische und kuratorische Perspektiven auch in einem größeren internationalen Kontext assoziativ zu platzieren.

Das Wörterbuch basiert auf Definitionen und Schlüsselbegriffen, die während des Workshops in Vilnius herausgearbeitet wurden. Im Laufe des Workshops beantworteten die TeilnehmerInnen vier grundsätzliche Fragen, die mit der Bestimmung des öffentlichen Bereichs, der Rolle und des Potenzials der public art verbunden sind. Um unterschiedliche Definitionen zu lesen, die von Going Public-Teilnehmenden vorgeschlagen wurden, bzw. um sich mit kuratierten Beispielen der zeitgenössischen Kunst aus einer Region und aus dem internationalen Kontext bekannt zu machen, klicken Sie auf Schlüsselbegriffe und Definitionen Mehr...

Was ist Öffentlichkeit?

Ich bin mir über eine Antwort nicht sicher
Platzierung
nichts
Austausch
Beteiligung
Raum
Offenheit
für alle
Dialog
ein Konflikt
Provokation
Politik
eroberungsbereit
Okkupation/Besetzung
Zerstörung
Kommunikation
Diskussion
Verhandlungen
kontextgebunden
sichtbar
Menschen

Anfechtung / Forderung nach Räumen

Forderung nach Räumen; Foto: Courtesy Igor Grubić

Igor Grubić, East Side Story, Zagreb, Belgrad, 2006-2008

Die Frage nach den Rechten sexueller Minderheiten öffentlich anzusprechen, und zwar in einer Gesellschaft, die gewaltsam auf das Verschiedensein von Menschen deutet – das war das Ziel des Projektes East Side Story. Ich war schockiert über die grausame Reaktion der Bürger auf die Bemühungen der Aktivisten. Während der Homosexuellen-Paraden in Belgrad 2001 und in Zagreb 2002 forderten diese gleiche Rechte für Homosexuelle. Als ich nach der Aktion das gesammelte Material durchging, konnte ich kaum fassen, was ich sah. Ich war fassungslos über die Kraft der Brutalität, die von den Menschen ausging, nur weil sie sich von anderen Menschen unterscheiden.
Zusammen mit Choreografen und Tänzern entschied ich mich, Tanzeinlagen an jenen Orten zu initiieren, an denen damals die Paraden stattgefunden hatten. Das war meine Art, auf die Präsenz einer lebendigen, kreativen Kraft hinzuweisen, ähnlich der Widerstandsbewegung, die versucht die intolerante, konservative Gesellschaft in eine bessere zu verwandeln.

Igor Grubić, Foto: Courtesy Igor Grubić

eine räumliche Form geben

Anri Sala, Dammi I Colori, 2003

Als der ehemalige Künstler Edi Rama im Jahre 2000 Bürgermeister von Tirana wurde, veranlasste er sofort ein etwas umstrittenes Projekt, welches die von Unruhen geprägte Hauptstadt von Albanien, durch das Streichen von veralteten Gebäuden in auffälligen Farben und Mustern, wiederbeleben sollte. Ein Akt, der sowohl ästhetischer als auch politischer Natur war und außerdem Debatten über soziale Veränderungen auslöste. Denn durch die visuellen Veränderungen wurde der damit einhergehende Wandel sichtbar. Drei Jahre später nahm der Künstler (und Freund Ramas) Anri Sala dieses Projekt zum Anlass seines Films Damm I Colori. Ein weiteres Jahr später wurde Rama zum Bürgermeister des Jahres 2004 gewählt.

Das Projekt wurde im Rahmen des Filmprogramms von SKOR in Amsterdam 2010 vorgestellt. Den vollständigen Artikel können Sie hier nachlesen: classic.skor.nl

eine Handlung

Aktion oder „die handelnde Kunst” ist eine Strömung der der Gegenwartskunst, eine individuelle oder kollektive Performance (happening, flash-mob), die öffentlich die Situation des direkten künstlerischen Ausdrucks und/oder der öffentlichen symbolischen Tätigkeit inszeniert (Beispiele: Barrikaden von Anatoly Osmolowskij in Moskau, Oleg Kulik als Hund).

Interaktion – interaktive Aktion, oder „die Kunst des gemeinsamen Handelns”, künstlerische Tätigkeit im öffentlichen Raum, die die Zuschauer (sowie zufällige und/oder nicht zufällige Teilnehmer) zu Antwortaktionen anregt, Aktivierung des Publikums (zum Beispiel „Monstration” von Artjom Loskutow in Nowosibirsk).

Konstantin Skotnikow, 10.06.12 in Nowosibirsk

Video: Oleg Kulik „I love Europe, she doesn't love me back“. ´1. September, 1996. Künstlerhaus Bethanien, Berlin.

Interaktion

Jiří Kovanda, Küssen durch Glas, 10. März 2007

(…) Am 10. März 2007 zwischen 11 und 20 Uhr stand der tschechische Künstler Jiří Kovanda in der Tate Modern hinter einem großen Fenster und hielt dabei ein Papier hoch mit der Aufforderung an die Passanten, ihn durch die Scheibe hindurch zu küssen. Und tatsächlich küssten sie ihn, was trotz der physischen Barriere Peinlichkeit, Zögern, Vorsicht und manchmal auch Zärtlichkeit verursachte. Dieses Stück in der Tate (Küssen durch Glas, 10. März 2007) war nicht die erste Arbeit des Künstlers, der immer noch in seiner Geburtsstadt Prag lebt, in der das Küssen eine Rolle spielte. In einer seiner ersten Aktionen bat er einen Mann und eine Frau, sich zu küssen, während sie barfuß in frisch angerührtem Beton standen. Als hielte er die Ergebnisse eines wissenschaftlichen Experiments fest, tippte Kovanda dann seine Beobachtungen auf ein Stück Papier, den Titel „Kuss“, den Ort und das genaue Datum (11. Mai 1976) mit eingeschlossen. Unter seiner Notiz finden sich auf dem Stück Papier Fotografien der Protagonisten und ihrer Fußabdrücke im Beton. Diese Aktion fand in Prag statt, acht Jahre nach der Invasion der Tschechoslowakei durch sowjetgeführte Truppen des Warschauer Pakts, in einer Zeit harschen Totalitarismus, der viele Bereiche des öffentlichen Lebens paralysierte.(…) Noemi Smolik

Dieser Text wurde zuerst veröffentlicht im Magazin „frieze“, Nr. 113, März 2008. Lesen Sie den vollständigen Artikel unter www.frieze.com

Ausdruck

Expression

Božena Končić Badurina, DEZENTRALISIERTE PERFORMANCE, Rijeka, 2011

Die Vorstellung begann damit, dass ich einen Text vorlas, worin ich dem Publikum die Autorität über die Performance gab und einige Zuhörer dazu einlud, alle Entscheidungen bezüglich der Performance zu treffen (ob etwas gemacht werden soll oder nicht, welches Thema und welche Form etwas haben soll). Alle Entscheidungen wurden per Mehrheitsvotum getoffen, was dazu diente, eine Performance zu schaffen.

Einige Zuhörer machten Vorschläge, die die Performance voranbrachten und lebendige Diskussionen hervorriefen. Letztendlich wurden fünf kurze gemeinsame Performances mit den meisten Stimmen gezeigt (…)

demokratische Existenz

ARTUR ZMIJEWSKI: DEMOCRACIES von Hartware MedienKunstVerein auf Vimeo.

Artur Żmijewski, Demokratien, 2009-2012

(…) Żmijewski dokumentiert verschiedene Arten von Meinungsäußerungen im öffentlichen Raum. Die Bilder bleiben unkommentiert und werden nebeneinander ohne Bewertung oder Rangordnung gezeigt. Für den Künstler repräsentieren die Bilder zum Teil extreme und nicht zeitgemäße Rituale der öffentlichen und demokratischen Meinungsäußerung – die dunkle Seite der Gesellschaft. Es handelt sich jedoch um etwas, das toleriert werden muss und regelmäßig neu verhandelt werden sollte, um so einen öffentlichen Konsens erreichen zu können.

einem Risiko ausgesetzt sein

Das wahre Schneewittchen von Hard//Hoofd auf Vimeo.

Pilvi Takala, DAS WAHRE SCHNEEWITTCHEN, 2009

Die absurde Logik der „wahren Figur“ und das extreme Verhalten von Disneyland wird offensichtlich, wenn einer Besucherin und echtem Fan von Disneys Schneewittchen* der Zutritt zum Park verwehrt wird, weil sie ein Schneewittchenkostüm trägt. Zwar sollen Besucher sich verkleiden, und im Park werden auch viele Artikel zum Kostümieren verkauft, vollständige Kostüme allerdings nur in Kindergrößen. Disneys Werbespruch „Träume werden wahr“ bezieht sich selbstverständlich ausschließlich auf von Disney produzierte Träume. Alles auch nur ein kleines bisschen Unkontrollierte ruft sofort Angst vor dem Realen und dem Wahrwerden womöglich düsterer und perverser Träume hervor. Das Fantasiebild, das unschuldige Schneewittchen könnte etwas Böses tun, ist offenbar so real, dass die Sicherheitskräfte und die Geschäftsleitung darauf verweisen, wenn sie erklären, warum die Besucherin den Park nicht als Schneewittchen verkleidet betreten dürfe.

www.pilvitakala.com

*Disney’s “Snow White and the Seven Dwarfs” from 1937 is the first full length cel-animated film in history. It’s is based on the fairy tale by the Brothers Grimm.

Team: Raphaël Siboni, Ahmet Ögüt, Pénélope Gaillard, Anna Savolainen

Supported by rijksakademie van beeldende kunsten and Masa Projesi

Härte / Bedrohung

Angesichts des radikalen Verschwindens und/oder der Einschränkung des öffentlichen Raums, d. h. des Trends zur Privatisierung aller öffentlichen Güter, zu der auch Gesetzeszusätze in Bezug auf Versammlungen und Proteste in öffentlichen Bereichen gehören (die immer öfter den Einsatz repressiver Methoden wie hohe Geldstrafen, Vertreibung unter Anwendung äußerster Gewalt, ja sogar Inhaftierung einschließen), deren Zeugen wir in jüngster Zeit geworden sind, kann man zu dem simplen Schluss kommen, dass Gewalt mittlerweile ein legales Instrument der Regierung ist, um mit allen Formen unerwünschter Aktionen von Einzelpersonen und organisierten Gruppen im öffentlichen Raum fertig zu werden. Dazu gehören auch Kunstaktionen, Aufstände von Aktivisten, Demonstrationen und andere Formen „zivilen Ungehorsams“. Täglich kommen mehr Beispiele hinzu, die radikalsten Beispiele für Inhaftierungen wegen künstlerischer Auftritte und Aktionen ereigneten sich in Russland (während Putins letzter Amtszeit), wo Mitglieder des feministischen Kollektivs Pussy Riot im Namen von Ordnung und Stabilität eingesperrt wurden. Wegen ihrer Auftritte im öffentlichen Raum, gerichtet gegen Putins Politik, Korruption, Fremdenfeindlichkeit, Schwulenhass u. ä., wurden drei Mitglieder von Pussy Riot und zwei Mitglieder der Künstlergruppe Woina bestraft, ihrer Freiheit beraubt und mit unfassbar langen Haftstrafen bedroht. Deshalb können wir mit Bestimmtheit sagen, dass die beschriebenen Fälle die härtesten Formen von Gewalt gegen Redefreiheit und Kreativität darstellen, begleitet von extrem brutaler Behandlung hinter Gittern, darunter verschiedene Foltermethoden (psychisch und physisch), Besuchsverbot, das sich sogar auf engste Familienmitglieder erstreckt, öffentliche Verfolgung und Stigmatisierung als Gotteslästerer. Um genau zu sein, führte das Kollektiv Pussy Riot im Februar 2012 auf dem Hauptaltar der russisch-orthodoxen Kathedrale in Moskau eine Performance auf. Die maskierten jungen Frauen inszenierten einen politischen Protest gegen Putins dritte Amtszeit und die ausdrückliche Unterstützung seiner Politik durch die russisch-orthodoxe Kirche. Für ihren Auftritt im Stil eines Punk-Gebets mit dem Titel „Jungfrau Maria, erlöse uns von Putin“ drohen ihnen schwere Haftstrafen von sieben Jahren wegen „Rowdytums“, und zwar hauptsächlich auf Betreiben der Religionsführer, die vom Gericht forderten, die Beleidigung religiöser Gefühle als Straftat und nicht als Vergehen zu werten.

hörbar

Nicoline van Harskamp, THE POWER OF LISTENING, Amsterdam/Rotterdam, 2009

Was läuft in unseren Köpfen ab, wenn wir Musik aus öffentlichen Lautsprechern hören? Laufen die Dinge, die wir hören, auf ein gemeinsames Wissensgebiet hinaus? Hat dieses Wissensgebiet Substanz? Hat es eine Sprache? Und kann es von der Politik instrumentalisiert werden

Im März 2008 widmeten sich fünf Experten während eines öffentlichen Treffens im Theater Frascati in Amsterdam diesen Fragen. Nicole van Harskamp leitete das Treffen. Durch kurze Videofilme wurden die jeweiligen Argumente der Experten untermalt.

Am Ende des Treffens wurden alle Zuhörer darum gebeten, ihre Telefonnummern aufzuschreiben. In der nachfolgenden Woche wurden diese Personen angerufen und gefragt, was ihnen von dem Gehörten, Gesehenen und Erfahrenen noch in Erinnerung geblieben sei. 27 Personen haben an den fünf- bis 45-minütigen Telefoninterviews teilgenommen.

Zusammenwirken

PUBLIC MOVEMENT, FRÜHLING IN WARSCHAU, 2009

Public Movement ist eine performative Forschungsgruppe, die politische Aktionen in öffentlichen Bereichen untersucht und inszeniert. Die Bewegung erkundet die politischen und ästhetischen Möglichkeiten, die einer Gruppe von gemeinsam agierenden Menschen innewohnen, untersucht und kreiert Choreografien, Formen sozialer Ordnung sowie offene und verborgene Rituale im öffentlichen Raum.

Zu den früheren und zukünftigen Aktionen von Public Movement zählen: Manifestationen der Gegenwart, fiktive hassmotivierte Taten, neue Volkstänze, synchronisierte Bewegungsabläufe, Schauspiele, Märsche, Erfinden und Nachstellen von Momenten im Leben von Einzelpersonen, Gemeinden, sozialen Institutionen, Völkern, Staaten und der gesamten Menschheit. Public Movement wurde im November 2006 von Omer Krieger und Dana Yahalomi gegründet und bis August 2011 von beiden gemeinsam geleitet. Gegenwärtig wird Public Movement von Yahalomi allein geleitet.

    Die Öffentlichkeit soll (sein) ...

    Freiräume erschließen
    ehrlich
    wirksam/eine Wirkung/Ergebnisse haben
    Gespanntheit
    Ja, sie soll … sein
    mit Vollmachten ausstatten
    beruhend auf Argumenten
    über reflexive Aussagen
    offen
    entspannt
    einfach öffentlich
    vielschichtig
    vielschichtig, mehrdimensional
    der Ort, wo Menschen und Fragen zusammenkommen
    persönlich
    erforschbar sein
    nicht gleichgültig

    Transformation

    Photo: Joanna Rajkowska

    Joanna Rajkowska, Oxigenator, 2007

    Oxigenator ist ein Kunstbecken mit einer Fläche von 140 Quadratmetern, das auf dem Grzybowski-Platz in Warschau am Rande des ehemaligen jüdischen Ghettos aufgestellt wurde. Das Gewässer, das von Grün, Gebüsch, Seerosen und Bänken umgeben ist, wurde auch mit einem Ozonerzeuger und Kunstnebelgeneratoren ausgestattet. Über dem Gelände hing sauerstoffangereicherter Nebel, wodurch ein Ort der Erfrischung entstand und kein Monument der Atmung.

    Der Grzybowski-Platz war ein Ort, an dem man erstarrte Zustände verschiedener Zeiten erleben konnte, architektonische Schichten und soziale Gruppen. Eine katholische Kirche, Synagoge, Bürobauten von Unternehmen und kleine Haushaltswarenläden, die sich in der Nähe befinden, sorgten für ein Mosaik fragmentarischer Geschichten um diesen Platz. Die Menschen, die das Viertel besuchten – Neureiche aus neulich gebauten Wohnhäusern, ältere Leute, die in Gemeinschaftswohnungen der 60er Jahre wohnen, Kunden von Do-it-yourself -Geschäften hielten nie den Platz für einen Ort, wo man haltmachen und sich mit jemandem über etwas unterhalten kann.

    Oxigenator wurde ein neuer Anfang, eine grüne Schicht, die aus einer verwahrlosten sozialen und urbanistischen Zwischenschicht erwuchs, ein Schluck frische Luft im wahrsten Sinne des Wortes. Er erschien wie eine Fata Morgana, seine Kurzlebigkeit und Stille ließen die Menschen ihre Gespräche über die Vergangenheit vergessen und ein pures körperliches Vergnügen empfinden, dass man sich hier und jetzt aufhielt. Die Installation versuchte weder bestehende Konflikte zu lösen noch eine Gemeinschaft zu gründen. Im Gegenteil, sie verwischte bestehende Identitäten und erzeugte eine außerordentliche politische Energie als eine lokale kleinmaßstäbige Utopie.

    Foto: Joanna Rajkowska, Mehr Information, Texte und Bilder, unter: www.rajkowska.com

    sich mithilfe des Einzelnen ändern

    Michail Gulin: Persönliches Monument

    Michail Gulin, Persönliches Monument, 2012

    Am 10. Oktober 2012 versuchte der belarussische Künstler Michail Gulin im Rahmen des Projekts Going Public – Über die Schwierigkeit einer öffentlichen Aussage sein Projekt Persönliches Monument zu verwirklichen, das anschaulich zeigt,,wie zeitnah die angerissenen Probleme sind.

    Michail, drei Freiwillige und eine Journalistin waren in der Stadt unterwegs, um eine Zeitlang geometrische Skulpturen auf den wichtigsten Plätzen der Stadt aufzustellen. Die Skulpturen stellten drei rote Kuben und ein gelbes Parallelepiped dar. Sie begannen am Kalinin-Platz, danach gingen sie zum Jakub-Kolas- und zum Unabhängigkeitsplatz. Nach dem geplanten Szenario sollte der letzte Ort ihrer künstlerischen Intervention der Oktoberplatz werden, aber ein Sonderaufgebot der Miliz stoppte die Umsetzung des Projektes, indem der Künstler und seine Assistenten in die Verwaltung für innere Angelegenheiten des Bezirks Zentralnyj (Anmerkung des Übersetzers: Polizei-Bezirksrevier) der Stadt Minsk gebracht wurden. Dort verbrachten sie sieben Stunden, zwei Freiwillige wurden verprügelt, und nach der Aufnahme des Tatbestandes wurden alle freigelassen.

    Mehr Information sowie die Text- und Bilderquelle: blog.artmargins.com

    teuer

    Каrmеlо Bеrmеjо, 3000 Euro öffentliche Gelder verwendet man für den Erwerb von Bakunins Büchern, um sie auf einem Platz zu verbrennen, 2007

    Karmelo Bermejo Karmelo Bermejo Karmelo Bermejo

    für allgemeine Beteiligung

    Die Möglichkeit eines jeden, sich zu beteiligen

    Es ist offensichtlich, dass die Wirtschaftskrise lediglich eine Bestätigung der konzeptionellen Krise ist. Theorien aus der Vergangenheit regulieren nach wie vor die andauernden Vorgänge und erzeugen so eine Gesellschaft, die auf Wettbewerb basiert und jegliche Interessensgruppen von Beziehungen fernhält, egal ob ökonomischer, politischer oder sozialer Natur.

    Eine neue, post-ökonomische Gesellschaft, die auf verschiedenen Algorithmen menschlicher Zusammenarbeit, wie Wechselbeziehungen, kollektivem Handeln, Netzwerken und symbiotischen Beziehungen basiert, hebt die meisten Grenzen und Ängste, die tief in das Bewusstsein der Menschen gepflanzt sind, auf.

    Für einen Künstler, der so eine “Zivilisation der zugeknöpften Menschen” zurücklässt, wird die Lebendigkeit von Kunst, sobald die die Kommunikation zwischen dem Künstler, seiner Kunst und der Öffentlichkeit zum persönlichen Abenteuer wird, durch eine vollständige und ausdrucksstarke Veränderung der Umgebung vervielfacht.

    Oleg Blyablyas, Forschungsbeauftragter BB NCCA, www.blyablyas.com, www.ncca-kaliningrad.ru

    glücklich

    Gruppo A12 Happy

    A12 Associati, Schaukel, 2000

    Konzipiert und umgesetzt für das Projekt Die Brücken als Teil von Fuori Uso, 2000 in Pescara, Italien.

    A12 Associati ist eine professionelle Partnerschaft zwischen Architekten, die seit nunmehr 20 Jahren auf internationaler Ebene im Bereich Kunst und Architektur besteht und sich mit verschiedenenen architektonischen Ausmaßen beschäftigt. Dazu gehören Ausstellungsdesign und urbane Projekte, Installationen, Design und Grafikdesign, das Promoten verschiedener kultureller Aktivitäten sowie Forschungsaktivitäten. A12 wurde eingeladen, an vielen verschiedenen Kunstausstellungen und Biennalen weltweit teilzunehmen: in der Barbican Art Gallery in London, der Biennale in Athen, der Biennale in Peking, der Biennale in Busan, Südkorea, der Biennale in Istanbul, der Biennale in Sao Paulo, der Biennale in Shanghai, der Biennale in Venedig, dem Zentrum für zeitgenössische Kunst in Kitakyushu, Japan, der Cittadellarte-Stiftung Pistoletto in Biella, dem Kröller Müller Museum in Otterlo, dem MAMCO in Genf, dem MAXXI in Rom, dem MNAC in Bukarest, dem Musée d’Art Moderne de la Ville in Paris, dem PS1 in New York, dem Santa Monica Museum of Art in Santa Monica, der Triennale in Mailand, der Villa Manin in Passariano di Codroipo, dem ZKM in Karlsruhe, usw. A12 hat außerdem didaktische Aktivitäten in der Politechnischen Universität von Mailand, der Domus Akademie und der Naba in Mailand, entwickelt.

    Seit 2004 arbeiten alle aktuellen Teilnehmer unter dem Namen A12 Assoziation mit Büro in Mailand. Zurzeit besteht die A12 Assoziation aus folgenden Mitgliedern: Andrea Balestrero, Gianandrea Barreca, Antonella Bruzzese, Maddalena De Ferrari, Massimiliano Marchica.

    Weitere Informationen und Quellen:www.gruppoa12.org

    Ein Ort, an dem ich gerne sein möchte

    Lena Krasit, Experiment #3, Lena is a sailor, 2012

    Also, Leute! Genau vor einem Monat (im April) hat Lena angefangen zu schwimmen. Jeder hat ihr applaudiert – alle vom Komsomolskayja-See entlang über den Nemiga bis hin zum Gorky-Park und der Fabrik – als sie während der Parade auf der Luftmatratze durch ganz Minsk schwamm. Wir empfehlen dir wärmstens, das Experiment, nachdem du das Video gesehen hast, selbst mal auszuprobieren!

    Weitere Informationen und Quellenangaben:lenakrasit.blogspot.de

    nicht isoliert

    19.55 Uhr, Minsk, die zentrale Karl-Marx-Straße. Heute ist Sonntag, und es heißt, dass ein Drittel der Straße verkehrsfrei ist. Die Fahrbahn ist gesperrt. In den nächsten 24 Stunden wird es eine Fußgängerzone sein. Im Anschluss an die „europäischen“ Standards wurde in der Hauptstadt von Belarus eine Promenadenzone für den müßigen Zeitvertreib der Einwohner geschaffen. Es sieht so aus, als hätten die Behörden mit ihrem monopolistischen Recht auf die Bestimmung von Geschehen im öffentlichen städtischen Raum einen ersten Schritt zur Überwindung der Grenzen persönlichen Interesses getan. Aber die Bürger haben kein Vertrauen in den sogenannten „Raum der freien Fortbewegung.“ Sie laufen weiterhin auf den asphaltierten Gehsteigen und überqueren die Straße ausschließlich auf Zebrastreifen. Als ob sie der verinnerlichten Regel folgten: Überqueren Sie die Straße nur dort, wo es erlaubt ist. Im „sterilen“ mit grauen Pflastersteinen ausgelegten städtischen Raum tauchen die Minsker Einwohner in ein klar vorgegebenes System von Richtungen und Routen ein. Hier fühlt sich der Mensch von der die Außenwelt ausgeschlossen. Man wird vom Geschehen um sich herum, von den eigenen Richtungen und Intentionen abgeschottet. Man wird von einer unendlich langen flimmernden Reihe von Plakaten begleitet, auf denen steht: „Das ist meine Stadt“, „Minsk ist die Hauptstadt meiner Heimat“, „Liebe deine Stadt“, „Wir sind Belarussen“. Das sind alles Worte, die durch ihre Sinnlosigkeit ein Vakuum für die Wahrnehmung anderer Botschaften schaffen. Inzwischen „schweigt auch die Straße“: Man hört keine Musik aus den Cafés, es leuchten keine Neonschilder an den Eingängen. Alleine die schmachtenden zu der Fußgängerzone gedrehten Bänke werden auch morgen noch an die „Zone der freien Fortbewegung“ erinnern.

    NO isolation ist eine Möglichkeit, den öffentlichen Raum mit eigener Kraft durch kleine künstlerische Eingriffe wiederherzustellen. Es ist ein Verzicht auf die mediale Hegemonie des öffentlichen Raumes und Isoliertheit der Menschen.

    Anna Samarskaya

    komfortabel für den Einzelnen

    Julius von Bismarck in Zusammenarbeit mit Julian Charriere, Manche Tauben sind gleicher als andere, Kopenhagen, Venedig 2012

    juliusvonbismarck.com

      Wie wird Öffentlichkeit generiert?

      Das macht das Publikum
      sanft
      ästhetisch
      durch Erteilung von Befugnissen
      Weltall
      physischer oder ein anderer Raum für die Kommunikation
      hier
      durch Lenkung der Aufmerksamkeit
      indem man Menschen anspricht
      lange Zeit
      Wenn ein Beobachter da ist
      Sichtbarkeit
      Politik
      eindringend
      Okkupation/Besetzung
      ein Raum für mehrere Tagesordnungen
      andere Meinungen
      Es überschneiden sich verschiedene Bereiche
      Provokation
      ans Publikum denken
      mental
      Positionierung
      indem man den persönlichen Raum verlässt
      Bekanntwerden

      durch Erteilung von Befugnissen

      Argumente, die einer Position widersprechen

      Chantal Mouffe: Künstlerischer Aktivismus und agonistische Räume

      Der öffentliche Raum

      Welche Konsequenzen hat das agonistische Modell demokratischer Politiken, das ich jüngst für die Visualisierung des öffentlichen Raums beschrieben habe? Die wichtigste Konsequenz ist, dass es die weitverbreitete Auffassung infrage stellt, die – wenn auch auf unterschiedliche Weise – die meisten Vorstellungen vom öffentlichen Raum durchdringt, nämlich als der Bereich, in dem Konsens entstehen kann. Für das agonistische Modell ist der öffentliche Raum im Gegenteil das Schlachtfeld, wo verschiedene hegemoniale Projekte konfrontiert werden, ohne jede Möglichkeit einer endgültigen Aussöhnung. Ich habe bisher vom öffentlichen Raum gesprochen, aber ich muss umgehend konkretisieren, dass wir es hier nicht mit einem einzelnen Raum zu tun haben. Gemäß dem agonistischen Ansatz sind öffentliche Räume immer plural und die agonistische Konfrontation findet an einer Vielzahl diskursiver Oberflächen statt. Ich möchte außerdem auf einen zweiten wichtigen Punkt pochen: Obgleich es kein zugrundeliegendes Prinzip der Einheit gibt, kein vorherbestimmtes Zentrum für diese Diversität von Räumen, existieren dabei immer verschiedene Ausdrucksformen und wir sind nicht mit jener Art von Zerstreuung konfrontiert, die einige postmoderne Denker sich vorgestellt haben. Auch haben wir es nicht mit dem „glatten“ Raum zu tun, den man bei Deleuze und seinen Anhängern findet. Öffentliche Räume sind immer gekerbt und hegemonial strukturiert. Eine bestimmte Hegemonie ist das Ergebnis einer konkreten Artikulation einer Diversität von Räumen und das bedeutet, dass der hegemoniale Kampf auch im Versuch besteht, zwischen öffentlichen Räumen eine andere Form von Artikulation zu schaffen.

      Auszug aus dem Artikel:
      Art&Research – A Journal of Ideas, Contexts and Methods
      Band 1, Nr. 2, Sommer 2007,
      Artikel in voller Länge (auf Englisch): www.artandresearch.org.uk

      durch Lenkung der Aufmerksamkeit

      durch Aufgeschlossenheit für verschiedene Fragestellungen

      Entwickelt für die Ausstellung “Work To Do! Self-organisation In Precarious Working Conditions”; Kuratoren waren Katharina Schlieben & Sønke Gau

      Entwickelt für die Ausstellung “Work To Do! Self-organisation In Precarious Working Conditions”; Kuratoren waren Katharina Schlieben & Sønke Gau

      Durch das Projekt gaben wir illegalen Einwohnern der Schweiz eine Möglichkeit, auf politischem und öffentlichem Gebiet gesehen zu werden. Die Sans-Papiers (Immigranten ohne Dokumente) wurden gebeten, einen Franken für die Renovierung des Schweizer Parlaments auf das Konto des SPAZ (Zentrum für illegale Einwanderer in Zürich) zu spenden, da das Parlament zu der Zeit gerade renoviert wurde.

      Das Parlament ist die öffentliche Stimme des Landes. Indem sie das Parlament angesprochen haben, adressierten sie ihr Anliegen auch gleichzeitig an die Schweizer Gesellschaft. Denn durch ihre Spenden übermittelten die Sans-Papiers folgende Nachricht an die Schweizer: Sie sind bereit, Pflichten zu erfüllen, wollen aber gleichzeitig auch die Privilegien genießen, die ihnen in der Gesellschaft, in der sie leben und arbeiten, zustehen.


      Projektrealisation

      Autor: Andreja Kuluncic
      Kuratorische Projektassistenz: Iris Strobel & Noemie Schwaller
      Mitwirkender: Ivo Martinovic
      Design: Gumi & Rutta
      Projektpartner: Bea Schwager & SPAZ (Center for Illegalized people in Zurich)
      Projektorganisation: Shedhalle & Katharina Schlieben & Sønke Gau
      Produziert von Shedhalle, 2007-2008

      Mehr Informationen und Quellenangaben: www.adreja.org

      * Aktivisten schätzen, dass ca. 300.000 Menschen derzeit ohne Dokumente in solch einer Situation in der Schweiz leben. Die offizielle Zahl lautet 80.000.

      durch (Erzeugung von) Gegensätze(n)

      Kontroverse ist ein Wort, das aus zwei lateinischen Wörtern zusammengesetzt ist: contra, gegen oder entgegengesetzt, und versus, Richtung oder Ausrichtung, aber auch Vers.

      Kontroverse bedeutet damit etwas, das sowohl die Richtung als auch die Gegenrichtung einschließt. Ich glaube, das ist eine der möglichen Definitionen von Kunst, das Entwerfen eines bestimmten Inhalts, der auf einen Sinn anspielt, eine Richtung bei der Interpretation von Wirklichkeit mit dem Bewusstsein, dass jede individuelle Interpretation inadäquat ist und damit offen für ihre gegensätzliche Interpretation oder Anti-Interpretation, Wort und Gegenwort; das Beste der Kunst als das Bezeichnende und das nie Bezeichnete. Das 20. Jahrhundert war ein Jahrhundert des Terrors der Gewissheit und des Sinns, eines Terrors von entgegengesetzter und einheitlicher Richtung.

      Kommunismus, Faschismus, Nationalismus und verschiedene Ableitungen davon, gefolgt von Ökonomismus, in dem alles dem Profit unterworfen ist, hatten allesamt den Ehrgeiz, das gesamte Leben zu erfassen und einem einzigen Zweck anzupassen: einem einzigen „Wort“. Solche Gesellschaften, selbst demokratische, nehmen sich selbst gern als die Verkörperungen von „Normalität“ wahr und implizieren dabei Endlichkeit und Abgeschlossenheit. Deshalb glaube ich, dass es einer der Hauptzwecke von Kunst ist, das „Gegenteil“ einzuschließen, „dagegen“ zu sein und so dafür zu sorgen, dass die Türen zur Andersartigkeit, zum Verschiedensein und zur Zukunft immer offen stehen – offen für das Leben.

      Siniša Labrović, www.labrovic.com

      Zugänglichkeit

      Zugänglichkeit der Kunst ist sehr wichtig. Ein Kunstwerk soll sich auf keinen Fall in einer geschlossenen Galerie oder in einem teueren Museum oder sogar in einer privaten Sammlung befinden. Der Platz für die Kunst ist im öffentlichen Raum – auf der Straße, in den öffentlichen Gebäuden oder im Internet.

      Alexey Iorsh, Künstler, Comic-Zeichner und Karikaturist. Politischer Aktivist, Gründer der Bewegung Soziale Grafik (Sozgrafika), ruffe.livejournal.com

      mit Humor

      FAQ über unsere Sekte

      Wann werde ich einer von Duchamp’s Witnesses?

      Du wirst dann einer von Duchamp’s Witnesses, wenn du ein Liebhaber zeitgenössischer Kunst bist und Verständnis für deren Mission entwickelt hast.

      Was kann ich den Leuten antworten, die zeitgenössische Kunst verspotten und diese nicht als Kunst ansehen?

      Vergebe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Hilf ihnen lieber dabei, die Wahrheit zeitgenössischer Kunst zu entdecken.

      Warum ist das Thema Duchamp’s Witnesses immer noch ein unbeliebtes Thema in vielen Teilen der Welt?

      Viele Menschen erwarten von Kunst nur, schöne Bilder und dekorative Objekte zu zeigen. Sie haben keinen Mut, sich mit eigenen Vorurteilen auseinanderzusetzen und Verantwortung zu übernehmen.

      Glauben die Zeugen, dass ihr Glaube legitim ist?

      Ja. Ihr Glaube orientiert sich nicht an ethnischen, klassischen, sexuellen oder religiösen Interessen.

      Glauben sie, dass sie die Welt retten können?

      Sie glauben daran, dass die Welt gerettet werden kann, wenn jeder ein kleines bisschen dazu beiträgt.

      Wie verdienen zeitgenössische Künstler ihren Lebensunterhalt?

      Wegen verquerer gesellschaftlicher Werte müssen sie meistens von Tag zu Tag leben. Indes ist ihr Glauben jederzeit mit ihnen.

      Welche finanzielle Unterstützung wird erwartet, wenn man an Veranstaltungen der Duchamp’s Witnesses teilnimmt?

      Die Duchamp’s Witnesses sammeln zu keiner Zeit Geld ein. Bring einfach nur dich selbst mit!

      Aus dem Heft Awake! des Projekts „Duchamp’s Witnesses“ von Milijana Babić, welches in verschiedenen öffentlichen Räumen gezeigt wurde. Duchamp’s Witnesses haben verschiedene Umgangsformen sowie den Namen ihres Magazins von der weltweiten religiösen Sekte, den Zeugen Jehovas, übernommen. Indem sie über zeitgenössische Kunst und ihren Propheten Marcel Duchamp predigen, versuchen sie, so viele Menschen wie möglich von ihrem Glauben zu überzeugen.

      durch Erschließung neuer (physischer und anderer) Räume

      Baustellen, verlassene Häuser, Unterhaltungsorte, öffentliche Toiletten – die Kunst kann überall dort sein, wo der Ort für die Idee arbeiten kann; Internet, soziale Netzwerke, Chats und ähnliches. Man kann auch über neue Räume im Bewusstsein nachdenken, Verortung einer Idee in neuen, für sie unüblichen Informationsclustern des Bewusstseins.

      Alexey Iorsh – Künstler, Comic-Zeichner und Karikaturist. Politischer Aktivist, Gründer der Bewegung Soziale Grafik (Sozgrafika). ruffe.livejournal.com/

      durch Einladung

      Kreativität, oft von den bereits existierenden Medienbildern unterdrückt, ist in jedem Individuum verankert. Durch das kontinuierliche Einladen von anderen Personen verabschieden wir uns bewusst und lückenlos von der Isolation und verwandeln uns selbst und unsere Umgebung in eine helle, bewegliche und improvisierte Kontaktfläche.

      Oleg Blyablyas, Forschungsbeauftragter BB NCCA, www.blyablyas.com, www.ncca-kaliningrad.ru

      Werbung

      advertising leko

      Kristina Leko, in Zusammenarbeit mit [ BLOK ], Zagreb, Suprematismus auf dem Platz!, eine Intervention im öffentlichen Raum, 2008, abgesagt

      Lieber Wer immer du auch sein magst, mit dieser Webseite rufen wir die Bürger Zagrebs und Kroatiens sowie andere interessierte Individuen dazu auf, einem gefährdeten Kunstwerk, das danach ruft, realisiert zu werden, Unterstützung zu schenken. Mit deiner Unterschrift unterstützst du den öffentlichen Raum am Hauptplatz in Zagreb, Kroatien, der dann für poetische Zwecke genutzt werden kann.

      Die Zagreber Gemeindeverwaltung hat dem Druck der Zagreb Unicredit Group Bank nachgegeben und das künstlerische Projekt „Suprematismus auf dem Platz!“ verboten, nachdem es zunächst von ihnen bestätigt und unterstützt worden war, genauso wie vom kroatischen Kultusministerium. Mit deiner Unterschrift und deinen Kommentaren kannst du uns helfen, etwas zu verändern.Unterstütze Kultur und die freie künstlerische Entfaltung! Erfahre hier mehr!

        Was kann public art machen?

        nichts
        provozieren
        schmücken
        inspirieren
        die Menschen zum Nachdenken anregen
        überraschen
        Interact
        Räume erschließen
        verändern
        zum Denken anregen
        etwas formulieren, wovon wir bisher nicht wussten/was wir bisher nicht bemerkten

        transformieren

        Transform BLF

        Billboard Liberation Front (Plakatwandbefreiungsfront)

        Die BLF mit Hauptsitz in San Francisco ist ein privates, arbeitnehmerkontrolliertes Schattenunternehmen ohne Telefonnummer und ständige Anschrift. Unsere hochsichere Betriebsumgebung und unser außerrechtlicher Status garantieren unseren Kunden ein Höchstmaß an Service, während unser international anerkanntes Kreativteam für einen noch nie dagewesenen „Bombenerfolg“ sorgt.

        Anders als traditionelle Agenturen können die Dienste der BLF nicht einfach von jedermann in Anspruch genommen werden, sondern stehen ausschließlich einer exklusiven Auswahl von Werbetreibenden zur Verfügung. Unsere Kunden werden auf der Grundlage eines komplexen, nur eingeweihten Intriganten bekannten Schemas sorgfältig ausgewählt.

        Optimierungsmaßnahmen übernehmen wir grundsätzlich nur auf Pro-bono-Basis, frei von kleingeistigen Forderungen ahnungsloser Führungskräfte und feiger leitender Angestellten. Diese einzigartige Unabhängigkeit schenkt uns grezenlose kreative Freiheit und ist der Schlüssel zur „Entschlüsselung“ von Aussagen, die andernfalls möglicherweise im bürokratischen Geplapper eines rückgratlosen „Kundenbetreuungsteams“ untergehen würden. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir nicht den geringsten Kundendienst bieten und unseren Fokus punktgenau rein auf die Aussage richten. Die 1977 gegründete BLF wird von einer einzigen Leidenschaft angetrieben: der zeitgemäßen Verbesserung von Außenwerbung. Ob bescheidenes Kioskschild oder megagroße Autobahnwerbetafel, unsere erfahrenen Mitarbeiter haben sowohl die technischen Fähigkeiten als auch die kreativen Visionen, um Medienkampagnen von Weltrang zu realisieren.

        vergnügen

        Kann Kunst im öffentlichen Raum unterhalten? Die Antwort lautet: Ja und nein. Ich behaupte, die Betrachter zu unterhalten, kann ein Nebeneffekt von Kunst im öffentlichen Raum sein; es kann sogar ein Werkzeug sein, das der Künstler einsetzt, um den Betrachter zu erreichen oder zu verwirren, aber es kann niemals das Ziel sein. Ein paar Beispiele: Anish Kapoors Wolkentor für Chicagos Millenium Park, Ron Muecks Skulptur Junge für Londons Millenium Dome oder Olafur Eliassons riesige Sonne für die Turbinenhalle des Londoner Museums Tate Modern. All diese Künstler sind Stars, die sich diese „Übergröße“ zunutze machen und für ihre Arbeiten enorme Budgets zur Verfügung haben – wie es in der Hollywoodindustrie üblich ist. Diese Arbeiten unterhalten die Leute über die Maßen; sie sind überaus beliebt, dienen als Werbung für die Städte und sind dabei auch noch sehr erfolgreich. Einerseits wird unterhalten, andererseits sind die Arbeiten jedoch immer noch Kunstwerke und werden von den Betrachtern auch uneingeschränkt als solche wahrgenommen, und nicht als Kunststücke oder Jahrmarktattraktionen.

        Kunst im öffentlichen Raum kann auch in kleinerem Maßstab unterhalten – wie jedes Kunstwerk kann es Menschen für eine Weile das Elend vergessen machen, sie zum Lachen bringen, Schweres leichter machen oder sogar unter dem Deckmantel der Oberflächlichkeit daherkommen.

        Aber ebenso wenig wie Kunst als Politik, Wissenschaft oder Sozialarbeit missverstanden werden darf, sollte sie nicht nur zum Zwecke der Unterhaltung da sein. Ein Kunstwerk muss mehrere Dinge bewirken können, bevorzugt gleichzeitig, und vielleicht sogar widersprüchliche oder gegensätzliche. Am wichtigsten ist, dass Kunst – ob Kunst im öffentlichen Raum oder andere Formen von Kunst – sich eine eigene Agenda schaffen muss.

        Martine van Kampen, Kuratorin für Projekte & Kunst im öffentlichen Raum am Museum De Paviljoens in Almere (NL)

        soziale Therapie

        Soziale Therapie von Pedro Reyes

        Pedro Reyes, SANATORIUM, 2011

        SANATORIUM ist eine Durchgangsklinik, die kurze, unerwartete Therapien anbietet. Der einzige Weg, diese zu erleben, ist, sich als Patient einzuschreiben.

        SANATORIUM beginnt mit einem Interview, in dem Ihnen einen Diagnose gestellt wird und Ihnen dann mindestens drei von 16 verfügbaren Therapien zugewiesen werden.

        SANATORIUM-Therapien sind Abwandlungen oder Verschmelzungen von bestehenden Schulen, wie z.B. Gestaltpsychologie, Aufwärmübungen aus dem Theater, Fluxus-Ereignissen, Techniken zur Konfliktlösung, Spielen zur Vertrauensbildung, Unternehmenscoaching, Psychodrama und Hypnose.

        SANATORIUM ist ein Liefersystem für Placebos. Wie in einem Brechtschen Stück verhindert die Kenntnis der Anordnung nicht ihren Effekt. Für skeptische Geisteshaltungen muss die Magie von ihrer Aura befreit werden.

        SANATORIUM bietet einen säkularen Raum für psychologische Prozesse, wie er in der Religion oder im Schamanismus gefunden werden kann. Wenn Sie sich einschreiben, unterschrieben Sie ein Formular, das Sie warnt, dass dies weder eine reale Therapie noch ein realer Therapeut ist. Sie entscheiden zu glauben. Die Aufhebung des Glaubens muss bestehen; letzten Endes entscheiden Sie zu glauben, sich eine Geschichte zu erzählen.

        SANATORIUM arbeitet mit den eigenen Narrativen jedes Einzelnen.

        SANATORIUM ist die Demokratisierung der Therapie, eine „psychologische Erste Hilfe”. Die Sitzungen werden von Laien geleitet. Es zapft die Überschusskapazität an, die wir haben, um anderen zu helfen.

        Mehr Information, Texte und Bilder, unter: www.pedroreyes.net

        Sein oder nicht sein

        Sein oder nicht sein ; Sinisa Labrovic

        Siniša Labrović, Bestrafung, 2002 - fortlaufend

        Ich trete mit nacktem Oberkörper und einer Peitsche in der Hand vor das Publikum. Wenn die Performance beginnt, kann niemand mehr in den Saal hineinkommen, und diejenigen, die den Saal verlassen, können nicht zurückkommen. Der Blick von außen in die Galerie ist versperrt. Ich stehe still vor dem Publikum, bis einer der Besucher aufsteht und die Galerie verlässt. In dem Moment, wenn die Tür von außen geschlossen ist, schlage ich meinen Rücken mit der Peitsche. Die Performance dauert solange, bis ich alleine in der Galerie zurückbleibe.

        die Meinung einer sozialen Gruppe präsentieren

        DOSTA. / Gildo Bavčević von gildo bavcevic auf Vimeo.

        Gildo Gildo Bavčević, DOSTA / GENUG 15.10.2011

        Die Welle der Unzufriedenheit rollt über die Welt, und die Proteste werden die Ikonografie der heutigen Zeit. Immer mehr Individuen und Gruppen entwickeln verschiedene Modelle der Selbstorganisation mit dem Ziel, Lösungen zu finden oder zumindest hinzuweisen auf die Probleme, um die sich die Verantwortlichen nicht kümmern oder nicht kümmern wollen. Der 15.10. des Jahres 2011 weist auf den Tag des globalen Protests hin. Am 15.10.2011 waren Tausende von Menschen auf den Straßen mit der einzigen Absicht, die Gesellschaft auf die Notwendigkeit zur Reorganisation und zu tiefem sozialem Wandel hinzuweisen. Sie gingen auf die Straße, um Solidarität mit den Protestierenden in Ägypten, in Griechenland oder auf der Wall Street zu zeigen. Während der Proteste in Split sprach ich direkt die Schuldigen an und warnte sie davor, ihre bösen Pläne weiter zu verfolgen. Dafür erstellte ich ein kurzes und klares Transparent, in das ich einen Teil von mir investierte: Ich schrieb DOSTA 15.10.11 mit meinem eigenen Blut.

        aufdecken

        Chitka

        Anetta Mona Chisa & Lucia Tkacova, Fern von Dir, Denkmal für Lida Clementisova Nr. 50, 2009

        Denkmal für Lida Clementisova Nr. 50 ist als Aufforderung formuliert, Kletterpflanzen (Clematis-Hybriden) rund um Denkmäler aller Art zu pflanzen. Am Ende werden die Ranken die Denkmäler überwuchern, mit Blüten bedecken und vorübergehend unsichtbar machen. So kann jedes Denkmal eine Zeit lang zum Denkmal für Lida Clementisova werden. […]

        Die tschechische Opernsängerin Lida Clementisova war die Frau von Vladimir Clementis, einem slowakischen Politiker und prominenten Mitglied der Tschechoslowakischen Kommunistischen Partei, der in den 50er-Jahren Opfer der stalinistischen „Säuberungsaktionen“ wurde. Sie und ihr Mann waren zwei Jahre lang eingesperrt und wurden gefoltert, bevor Vladimir schließlich hingerichtet wurde. Obwohl ihr Mann in den 60er-Jahren politisch und kulturell rehabilitiert wurde, ist Lida Clementisova nie Teil des kollektiven Gedächtnisses geworden. Man hat sie vergessen und nur manchmal wird ihr Name im Zusammenhang mit Vladimir Clementis am Rande erwähnt. […]

        eine Diskussion veranlassen

        altalanostuntetes.blog.hu

        Die ungarische Partei der zweischwänzigen Hunde (Hungarian Two-Tailed Dog Party), Generaldemonstration, 2009

        Die ungarische Partei der zweischwänzigen Hunde (MKKP – Magyar Kétfarkú Kutyapárt) begann als Straßenkunstgruppe und wurde später als erfundene Partei bekannt. In einer Atmosphäre der Demonstrationen der letzten Jahren, die immer häufiger in Gewaltakten untergingen, reagiert die MKKP auf Vorgänge, die politische Versammlungen und die politische Kultur im Allgemeinen entleeren, die Möglichkeiten bürgerlicher Aktivitäten immer weiter schmälern und Druck ausüben. Ihre Generaldemonstration entstand aus der Motivation heraus, die üblichen Klischees und Protestparolen auszuhöhlen und den Akt des Demonstrierens an sich zu parodieren.

        Am 21. Juni 2009 fand in Budapest eine Versammlung der anderen Art statt: Mitglieder und Unterstützer der MKKP veranstalteten eine so genannte Generaldemonstration gegen sinnlose Dinge. Etwa 200-300 Menschen versammelten sich vor dem ungarischen Statistischen Zentralamt und im Blog zur Demonstration war als Grund für diese Demonstration zu lesen, dass die Existenz dieses Amts sinnlos ist. Im Kunstblog Képgyár („Bilderfabrik”) berichtete der Journalist András Földes (auf Ungarisch) über die Demonstration der Party der zweischwänzigen Hunde:

        […] „Was wollen wir? Nichts! Wann? Nie!“ Minutenlang rufen Demonstranten vor dem ungarischen Statistischen Zentralamt (KSH) ihre Forderungen, finden aber kein Gehör. Keiner kommt aus dem Amt, um die Petition entgegenzunehmen und ein Gespräch zu führen.

        Dabei gibt es genügend Forderungen: „Morgen soll gestern sein!“, „Entlasst uns!“, „Hauptbühne!“, „Lasst uns aus allen Radikalen Spießer machen!“ […]

        Weitere Informationen: www.mkkp.hu, Bildquelle: altalanostuntetes.blog.hu, Textauszüge aus:www.agentsandprovocateurs.net, globalvoicesonline.org

        spielen

        spielen; Kamila Szejnoch

        Kamila Szejnoch, Schaukel, Warschau, 2008

        Das Projekt „Karussell Rutsche Schaukel“ zielt auf einen Dialog mit Denkmälern, die der kommunistischen Propaganda dienten. Obwohl solche Denkmäler der Müllhalde der Geschichte übergeben worden sind, treffen wir auf Straßen und in Parks manchmal noch immer auf sie. Die Anregung, die Funktion dieser Denkmäler zu verändern, ist ein Versuch, eine Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu schlagen, um ihnen eine zeitgenössische Ebene hinzuzufügen, die sich von ihrem ursprünglichen Stil und ihrer ursprünglichen Funktion unterscheidet. Das Konzept der Schaukel basiert zum Beispiel auf dem Kontrast zwischen dem monumentalen Soldaten der Berling-Armee und einem winzigen Menschen auf einer Schaukel, angeschubst von einer riesigen Hand der Geschichte. Es ist ein Monument aus einer vergangenen Zeit, gleichzeitig jedoch – aus der Perspektive des Soldaten der Berling-Armee – eine wohlverdiente Anerkennung seines Opfers. Es ist ein Beispiel dafür, wie stark Geschichte sich aus dem Blickwinkel des Einzelnen und dem des kollektiven Gedächtnisses unterscheidet. Mein Ziel ist es, diese Komplexität und Mehrdeutigkeit sichtbarer zu machen, um die Beziehung zwischen dem Individuum und der historischen Maschine zu zeigen.

        bezeichnen

        S.I.T.E: Screaming In The Everyday, Sydney 2011. von Kusum Normoyle auf Vimeo.

        Kusum Normoyle, S.I.T.E: Sydney, 2011

        Kusum Normoyle arbeitet als Performance- und Installationskünstlerin sowie Musikerin auf dem Gebiet erweiterter Stimmtechniken und Geräusche.

        Im Zentrum von Kusums Praxis steht das Konzept des Eingreifens, einer Verschiebung der üblichen Erwartungen in Bezug auf den weiblichen Körper und die weibliche Stimme. Beim Auftritt sind diese Einbrüche kurz, extrem und körperlich; der weibliche Schrei klingt viel heftiger. Eher metallisch als hysterisch zieht er das Publikum in eine härtere und schnellere Darstellung von Schreien, Verstärkung und Rückkopplung.

        Die Provokation beschränkt sich nicht auf inszenierte Auftritte. Diese finden im öffentlichen Raum statt, auf der Straße mitten in der Stadt, in leeren Gassen oder an Felskanten, wo Passanten zu Zuschauern werden. Konfrontiert mit einer unerwarteten Zurschaustellung extremer Laute versuchen diese nicht hinzusehen, geben sich anderweitig beschäftigt, fragen, ob es ihr gutgehe, schneiden Grimassen, drücken auf die Hupe und werden augenblicklich zu Fans. Diese standortspezifischen Geräuschauftritte konzentrieren sich konzeptionell auf eine Umverteilung des Zuhörens und fordern vom Zuhörer, seine akustischen Kontexte zu erkunden beziehungsweise neu zu erkunden und plädieren auch dafür, in diesen oftmals homogenen Umgebungen zu handeln.

        Die Öffentlichkeit kann nicht ohne Kunst sein.


        Alfredo Jaar, Die Kunsthalle Skoghall, 2000

        […] Ich schlage vor, ein neues zeitgenössisches Bauwerk zu entwerfen und zu errichten, um die neue Kunsthalle Skoghall unterzubringen. Dieses Bauwerk wird in enger Zusammenarbeit mit lokalen Architekten und Bauunternehmern vollständig aus Papier, produziert von der in Skoghall ansässigen Papierfabrik, gebaut.

        Die Minimaleleganz des Entwurfs und sein Respekt für die Umwelt werden das Beste der zeitgenössischen schwedischen Architektur widerspiegeln. Dazu wird er das großzügige Engagement der großen lokalen Unternehmen an der Errichtung eines zukunftsweisenden Bauwerks, einer Einrichtung, die Skoghall auf die Zukunft ausrichten wird, reflektieren. […]

        In der Eröffnungsausstellung wird die erste Ausstellung junger aufstrebender schwedischer Künstler aus Stockholm, Malmö und Göteborg zu sehen sein. Der Bürgermeister der Stadt wird die Kunsthalle in Anwesenheit der gesamten Bürgerschaft offiziell einweihen.

        Die Schlussfeier

        Genau 24 Stunden nach ihrer Eröffnung wird die Kunsthalle Skoghall in Flammen aufgehen und verschwinden. Das Verbrennen des Bauwerks wird vorher unter Einhaltung strengster Sicherheitsauflagen geplant.

        Epilog

        Aufgrund ihrer Papierbauweise und ihres Designs wird die Kunsthalle Skoghall wahrscheinlich eines der modernsten zeitgenössischen Papierbauwerke, zugleich allerdings auch eines der kurzlebigsten Bauwerke sein, das je für die zeitgenössische Kunst errichtet wurde.

        Ich hoffe, diese Verbindung von Kreativität und flüchtigem Vorhandensein hilft uns vielleicht dabei, die Wichtigkeit von zeitgenössischer Kunst in unserem Leben zu bestimmen.

        die Menschen zur Aktivität anregen

        Zum einen sollten die Menschen zur aktiven Diskussion über das eine oder das andere Kunstwerk angeregt und eventuell zur weiteren selbstständigen Verbreitung der Botschaft motiviert werden. Zum anderen sollte solche Kunst geschaffen werden, von der Menschen angeregt werden, etwas zu verändern – egal ob für sich selbst oder in Bezug auf die Welt.

        Alexey Iorsh, Künstler, Comic-Zeichner und Karikaturist. Politischer Aktivist, Gründer der Bewegung Soziale Grafik (Sozgrafika), ruffe.livejournal.com

        Alles

        Everything, Joanna Rajkowska

        Joanna Rajkowska, Grüße aus der Jerusalemer Allee, 2002 – jetzt, Warschau, Polen

        Das Konzept der Nachbildung einer 15 Meter hohen Palme, die in der Mitte eines viel befahrenen Rondells an der Kreuzung Aleje Jerozolimskie und Nowy Świat in Warschau aufgestellt wurde, ist das eines radikalen sozialen Experiments.

        Die Idee zum Projekt entstand während Rajkowskas Besuch in Israel, bei dem ihr die Leere durch die Abwesenheit der jüdischen Gemeinde in Polen und die Bedeutung der Aleje Jerozolimskie (Jerusalemer Allee) für Warschau sowie die Geschichte und die Herkunft des Namens dieser Straße bewusst wurden. Durch das Hinzufügen eines fast surrealen fremden Elements – eines im Nahen Osten heimischen Baums an der Stelle, der vorher als Platz für einen Christbaum diente – verwendete die Künstlerin die Palme dazu, die Unsichtbarkeit des Straßennamens hervorzuheben und zugleich zu hinterfragen.

        Da das polnische Idiom „von einer Palme getroffen“ auf etwas Unvorstellbares verweist, ein Verhalten, das an Dummheit, ja Blödheit grenzt, stecken auch beträchtlicher Humor und Ironie in diesem Projekt, so dass es nicht nur eindimensional wahrgenommen werden kann und etwas andeutet, das sich dem offensichtlichen Verständnis entzieht. Als wichtiges Element in der Szenografie eines 24-stündigen Straßenspektakels untergräbt und dekonstruiert die Palme Situationen, die sich innerhalb des Raums abspielen, in dem sie sichtbar ist. Seit ihrer Errichtung ist die Palme zum inoffiziellen Symbol von Warschau geworden.

        Weitere Informationen sowie Quellen für Text und Bild: www.rajkowska.com, www.palma.art.pl

        Unterhaltung/ Ermächtigung

        Ich wurde gebeten, diese beiden Konzepte zu kommentieren – für mich sind sie Teil desselben Rätsels, darum habe ich mir überlegt, über beide gleichzeitig zu schreiben. Wenn Kunst Teil des öffentlichen Raums wird , ist es dann einfacher, ein Künstler zu sein oder ein Teil der Öffentlichkeit zu sein?

        In seinem Artikel „Jubilating; Or, How the Atlantic Working Class Used the Biblical Jubilee against Capitalism, with Some Success“ (Jubilieren oder Wie die atlantische Arbeiterklasse das biblische Erlassjahr mit einem gewissen Erfolg gegen den Kapitalismus einsetzte) schreibt Peter Linebaugh eine Geschichte des Konzepts des Erlassjahres als zukünftiges freudiges Jubiläum: ein Jahr voller Festlichkeiten, wenn die Posaune zur Neuverteilung der Reichtümer des Landes unter allen Menschen aufruft.

        Heute ist unser Recht auf Unterhaltung in einem frenetischen Ausmaß strukturiert, kontrolliert und kommerzialisiert. Städte sind Orte, wo aus Spaß Kapital geschlagen wird. Sobald Kunst jedoch in die Öffentlichkeit eintritt, geschieht dies in Bezug auf die Menschen, in Bezug dazu, was populistisch ist oder wie man sich für etwas einsetzt, etwas anspricht, inspiriert oder von den Menschen eingesetzt, angesprochen oder inspiriert wird. Deswegen bezieht sie Stellung in Bezug auf die Fähigkeit zu unterhalten und auf das Potenzial zu befähigen. Wie kann Kunst in einem populären Kontext Bedeutung erzeugen? Die Spezifität von Räumen in „Osteuropa“ ist die der uneinheitlichen Raumentwicklung, das intensive Bewusstsein einer Minderwertigkeit unserer Räume, die nicht einfach ökonomisch ist (sie ist auch intensiv ökonomisch, aber nicht einfach), sondern eine Minderwertigkeit der Räume als Räume. In diesem Kontext sind Kunst und das Populäre anscheinend besonders voneinander zu unterscheiden. Dieser Kontext schafft die besonderen Herausforderungen öffentlichen Ausdrucks in unserer Region.

        Benjamin Cope