Gemeinsam unter Büchern – die Städtischen Bibliotheken Dresden
Ein dichtes Netz an Stadtteilbibliotheken, die engagierte Arbeit an Schulen und Kindergärten sowie eine Multimedia-Bibliothek extra für Jugendliche machen die Besonderheit der Städtischen Bibliotheken Dresden aus. Ob in Cotta, Langebrück oder Plauen – Dresden und seine Stadtteile verfügen über ein dicht gestricktes Netz an Bibliotheken und Lesestoff. In insgesamt 19 Stadtteilbibliotheken sowie der Haupt- und Musikbibliothek und der medien@age für Jugendliche in Dresdens Zentrum versammeln die Städtischen Bibliotheken knapp 750.000 Medien. Sie verzeichnen über fünf Millionen Ausleihen pro Jahr und richten rund 5.000 Veranstaltungen jährlich aus. Damit konnten sie sich 2010 zum wiederholten Male den ersten Platz im bundesweiten Bibliotheksranking BIX sichern.
Die große Zahl an Zweigstellen ist Programm. Nach der Wende hatte man sich in Dresden bewusst gegen eine zentrale Bibliothek im Zentrum und für ein dezentrales Bibliothekennetz entschieden. Denn die Stadt Dresden erstreckt sich über eine große Fläche, die Wege ins Zentrum sind lang. Wo keine stationäre Bibliothek steht, versorgt ein Bücher-LKW, die älteste noch bestehende Fahrbibliothek Deutschlands, an insgesamt 28 Haltestellen die lesefreudigen Dresdner Bürger.
Besonderes Gewicht legen die Städtischen Bibliotheken auf die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindertagesstätten. Mindestens fünf Mal wird jedes Kind während seiner Schulzeit in die Bibliothek eingeladen. „Die Bibliotheksveranstaltungen sollen von den Kindern nicht nur als Anhängsel an die Schule verstanden werden“, sagt Roman Rabe, Bibliothekarischer Fachdirektor der Dresdner Bibliotheken. Die Bibliothek unterstütze die Kinder im Lernprozess, wirke aber auch als Helfer für die Freizeitgestaltung.„Lesen als Freude“
Damit, so Roman Rabe, „Kinder lernen, Lesen als Freude zu empfinden“, haben die Städtischen Bibliotheken mit einer Schweizer Stiftung ein außergewöhnliches Leseförderprogramm entwickelt. Ehrenamtliche Unterstützer – vom Studenten bis zum Senior – werden als Lesepaten ausgebildet. In Seminaren lernen die insgesamt rund 70 Lesepaten von Schauspielern, wie man gut liest und bekommen von Kinderbuchexperten einen Überblick über den aktuellen Büchermarkt, um dann – gut geschult – in Kindergärten und ersten Klassen der Grundschule vorzulesen.
Für 2012 ist ein Bücherhausdienst geplant, bei dem die Ehrenämtler auch älteren Menschen den gewünschten Lesestoff nach Hause bringen und vorlesen. Dabei geht es nicht nur darum, Bücher auszuleihen. Es soll, sagt Roman Rabe, „ein bürgerschaftliches Netz entstehen, das weit über die Bibliothek hinausgeht“. Kontakte sollen entstehen, Freundschaften wachsen.
Reise und Musik
Sitz der umfangreichen Haupt- und Musikbibliothek ist das World Trade Center im Dresdner Zentrum. Im Eingangsbereich empfängt ein weit auskragender Schiffsbug eines denkmalgeschützten Elberaddampfers die Besucher und weist sie auf die mit Mitteln der Bertelsmann-Stiftung ausgebaute Sonderabteilung an Reiseliteratur hin. Die Dresdner Musikbibliothek, untergebracht in einem separaten Raum, ist die Älteste in Deutschland – sie wurde in den 1920er-Jahren gegründet. Wie durch ein Wunder blieb sie während des schweren Bombenangriffs auf Dresden am 13. Februar 1945 verschont.Mangas und mehr – die medien@age
Für Jugendliche eröffnete im Jahr 2000 in den beiden oberen Etagen eines Eckhauses in der Waisenhausstraße mit Blick auf die belebte Fußgängerzone und Einkaufsmeile ein besonderer Treffpunkt. Die medien@age (sprich „Medienetage“) richtet sich an 13- bis 25-Jährige. „Das sind Noch-Kinder, Jugendlich-Werdende und Ausgebildete, die zum Teil bereits eigene Kinder haben“, sagt Gernot Ganzer von der medien@age. Doch die vielgesichtige Zielgruppe, so Ganzer, verbinde ein einheitliches Nutzungsverhalten. Insbesondere sind Internetmedien gefragt. Und so teilt sich der Bestand in 50 Prozent Print und 50 Prozent Non-Book-Medien auf: CDs, DVDs und Videospiele.
An insgesamt zwölf Internetplätzen finden in Kooperation mit den Schulen regelmäßig Workshops für Jugendliche statt: Wie recherchiere ich im Internet? Wie finde ich mich im OPAC-Bibliothekskatalog zurecht?
Eine mit gemütlichen Sitzsäcken ausgestattete Ecke ist allein den Mangas gewidmet. Die japanischen Comics werden von den Besuchern heiß geliebt. Eine Manga-Zeichenschule im Sommer und ein Manga-Zeichenwettbewerb gehören zu den Lieblingsaktionen vieler Besucher. Außerdem finden in der medien@age regelmäßig Themenabende und Lesungen statt. Eine Lesung mit Showeinlage bot den Besuchern jüngst der Musiker und Komiker Bürger Lars Dietrich.In Kooperation mit dem Jugendamt wird ein Jugend-Info-Service betrieben. An einem Stand in der medien@age stehen Sozialarbeiter den Jugendlichen bei allen relevanten Fragen und Problemen zur Seite.
Zukunft im Kulturpalast
Voraussichtlich 2015 werden Haupt- und Musikbibliothek und medien@age unter einem Dach vereint. Sie ziehen gemeinsam in den Kulturpalast, ein 1969 zu DDR-Zeiten eröffnetes Veranstaltungszentrum in der Altstadt. Die Bibliothek im Kulturpalast soll mehr werden als ein Ort der Ausleihe. Denn immer mehr Bürger beschaffen sich ihre Medien über das Internet. Bibliotheken müssen neue Aufgaben definieren. Die Bibliothek im Kulturpalast soll gestaltet werden als „Raum, wo man sich aufhalten kann“, als öffentlicher Treffpunkt und Kommunikationsort, sagt Roman Rabe. Damit Jung und Alt, ob aus Cotta, Langebrück oder Plauen, zusammenkommen können. Gemeinsam unter Büchern.
arbeitet als freie Autorin und Redakteurin in München.
Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
September 2010
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