Film in Deutschland und Lettland

Ein guter Start ins Filmgeschäft – Filmhochschulen in Deutschland

Logo der internationalen filmschule köln; © ifsLogo der internationalen filmschule köln; © ifsEs geht auch ohne – aber mit akademischem Segen geht’s noch besser: Die Studenten an Deutschlands renommierten Filmschulen erfreuen sich einer exzellenten Ausbildung in Theorie und Praxis des Filmemachens.

Gewiss: Man kann eine glänzende Filmkarriere auch als Kabelträger beginnen und muss nicht unbedingt an einer Filmhochschule studiert haben, um als Produzent, Kameramann, Drehbuchschreiber oder Regisseur Erfolg zu haben. Michael „Bully“ Herbig, der mit seiner jüngsten Regiearbeit Wickie und die starken Männer fast fünf Millionen Zuschauer vor die Leinwände gelockt hat, berichtet gern genüsslich davon, dass er sich in jungen Jahren an der Münchner Filmhochschule beworben habe und – abgelehnt wurde. In der Zwischenzeit hat „Bully“ für seine mittlerweile fünf Spielfilme etliche Filmpreise abgeräumt.

Es geht also auch ohne. Und Bully Herbig ist sicherlich nicht das einzige Beispiel. Trotzdem: Karrieren, wie die von Bully Herbig sind nicht die Regel. Wen es als Produzent oder Regisseur ins Filmgeschäft drängt, ist an einer Filmhochschule gut aufgehoben. Etwa an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in München, wo – um nur einige wenige prominente Absolventen zu nennen – Erfolgsproduzenten wie Bernd Eichinger oder die Oscar-prämierten Max Wiedemann und Quirin Berg (Das Leben der Anderen) sowie Autoren und Regisseure wie Wim Wenders (Himmel über Berlin, Million Dollar Hotel, Don’t Come Knocking, Palermo Shooting), Roland Emmerich (Independence Day, The Day After Tomorrow, 2012) oder Hans-Christian Schmid (Requiem, Sturm) und die Oscar-Preisträgerin Caroline Link (Pünktchen und Anton) studiert haben.

Knapp zwei Dutzend Filmschulen zur Auswahl

Logo der Hochschule für Fernsehen und Film München; © HFFNeben über einem Dutzend privater Lehranstalten gibt es derzeit insgesamt sechs genuine staatliche oder halbstaatliche deutsche Filmhochschulen, an denen Studenten einen akademischen Grad erwerben können. Neben der Münchner HFF sind dies die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin, die Filmakademie Baden-Württemberg, die Hamburg Media School, die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ (Potsdam-Babelsberg) und die Kunsthochschule für Medien Köln. Hinzu kommt laut Listung des internationalen Filmhochschulverbands CILECT die gemeinnützig aufgestellte ifs – internationale filmschule in Köln.

Sämtliche dieser Lehranstalten bieten mehrgliedrige Ausbildungen an: nicht nur für (Dokumentar- und Spielfilm-) Regie, sondern auch in den Fächern Drehbuch, Produktion und Kamera, oft ergänzt durch Kommunikations- und Medienwissenschaften. An der Filmakademie Baden-Württemberg kommt noch das renommierte „Animationsinstitut“ hinzu.

„Das Studium hat mir den Rücken gestärkt“

Logo der HFF Konrad Wolf Potsdam-Babelsberg; © HFF Konrad WolfInterdisziplinarität spielt für Filmschaffende eine große Rolle. Auch deshalb ist eine Ausbildung an einer Filmschule eine gute Wahl: „Während meines Regiestudiums habe ich mir auch Kenntnisse über Kamera, Ton oder Aufnahmeleitung aneignen können. Sehr wichtig für meine spätere Berufstätigkeit war zudem der Unterricht in Schauspielerführung“, erzählt die HFF-München-Absolventin und jetzt in Berlin beheimatete Regisseurin Seyhan Derin (Zwischen den Sternen). Bereits einer ihrer Übungsfilme, die Dokumentation Ben Annemin Kiziyim – Ich bin Tochter meiner Mutter, wurde im Panorama der Berliner Filmfestspiele 1996 gezeigt und ein Jahr später im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt. „Das an der HFF Gelernte stärkt mir bis heute den Rücken, gerade auch bei meiner täglichen Arbeit unter anderem in der TV-Serienproduktion“, sagt Derin.

Freilich: Die Plätze für das Studium, das zwar zu den kostenintensivsten akademischen Lehrangeboten überhaupt gehört, für die Studenten aber – bis auf die an den meisten deutschen Universitäten mittlerweile obligatorischen aber vergleichsweise geringen Studiengebühren – kostenfrei ist, sind so rar wie begehrt. „Jährlich bewerben sich rund 200 junge Menschen allein für das Fach Regie, von denen wir letztlich nur neun Kandidaten zulassen“, berichtet Andreas Gruber, Professor für Regie, Dramaturgie und Produktion von Spiel- und Fernsehfilmen an der HFF München. Für das spätere Berufsleben biete die harte Auslese, bei der ein Kandidat nach erfolgter Vorauswahl eine praktische und mündliche Prüfung absolvieren muss, jedenfalls einen großen Startvorteil.

In New York „ins kalte Wasser geworfen“

Logo der Hamburg Media School; © HMSEinen ganz anderen Weg hat Martin Menzel gewählt. Mit seiner James-Bond-Parodie, dem Kurzfilm Blumen lügen nicht von 1999, machte der damals Zwanzigjährige sogar das Fernsehen auf sich aufmerksam, um wenig später im ZDF-Landesstudio Magdeburg eine dreijährige Lehre als Mediengestalter anzufangen. Nebenher realisierte er weitere Kurzfilme, darunter den preisgekrönten Titel Fahrerflucht. Mit Mitte zwanzig bewarb er sich obendrein an einigen Filmhochschulen, wurde aber, wie er mutmaßt, „wegen zu hohen Alters und wohl allzu großer Erfahrung“ abgelehnt.

2009 ging er dann stattdessen für ein Jahr nach New York, um an der Film Academy zu studieren. Das gut 34.000 Dollar teure Studium dort hat sich nach Menzels Auskunft mehr als gelohnt, besonders die „Drucksituation“ habe ihn manches gelehrt. Mit seinen Kommilitonen, in der Regel allesamt Nicht-US-Staatsbürger, sei er gleich „ins kalte Wasser geworfen“ worden, um binnen eines Jahres acht eigene Filme zu machen sowie bei den Arbeiten seiner Mitschüler auszuhelfen. Derzeit arbeitet Menzel, wieder zurück in Deutschland, an der Endfassung seines in New York gedrehten Kurzspielfilms The Vanishing.

Drehbuchschreiben lernen am Literaturinstitut

Viel unterwegs ist auch die Dramaturgin Cathy de Haan, die seit 2008 einen Lehrauftrag am Deutschen Literaturinstitut Leipzig (DLL) innehat. De Haan unterrichtet dort Drehbuchschreiben, ein freiwilliges Studienangebot, das sich indes nach eigener Aussage großer Beliebtheit erfreut. Zusammen mit dem Leipziger Kulturverein Ostpol hat de Haan zudem das Weiterbildungsprogramm „Ansichtssache“ ins Leben gerufen. Sechs von einer unabhängigen Jury ausgewählte Drehbuchstudenten des DLL hatten im Oktober 2009 mit ihren Kommilitonen an der Staatlichen Hochschule für Film, Fernsehen und Theater „Leon Schiller“ im polnischen Lódz (im Jahr davor in Kiew) an gemeinsamen Kurzfilmprojekten gearbeitet. Alle sechs Titel sind im April 2010 beim Internationalen Kurzfilmfestival Dresden zu sehen und zeugen von einem künstlerisch äußerst fruchtbaren binationalen Synergismus.

Andreas Wirwalski
ist freier Journalist und Autor in München.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
März 2010

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