Bibliotheken in Deutschland

Bibliotheken in Deutschland - das bedeutet: rund 10.200 öffentliche und 4.000 wissenschaftliche Bibliotheken.
Finanziert und unterhalten werden sie von Kommunen und Bundesländern, zum Teil auch von kirchlichen und privaten Einrichtungen sowie Stiftungen. Dezentralisierung prägt das Bibliothekswesen - ein Bibliotheksgesetz, wie in vielen anderen Ländern üblich, oder gar eine zentrale Lenkung durch eine staatliche oder private Institution fehlen. Diese Situation ist geschichtlich begründet, denn die Zuständigkeit für kulturelle Angelegenheiten, für Wissenschaft und Kunst und für das Unterrichtswesen ist im Wesentlichen den Ländern vorbehalten. An dieser Kulturhoheit haben auch die Gemeinden Anteil; zu den freiwilligen Aufgaben der Gemeinden zählen z.B. die Unterhaltung von Theatern, Museen und Bibliotheken.
Bibliotheken blicken in Deutschland auf eine Jahrhunderte alte Geschichte zurück, die mit den ersten Klosterbibliotheken im 6. Jh. n. Chr. beginnt und über Dom-, Rats-, Adels- und Universitätsbibliotheken, Bücherhallen und Volksbüchereien bis zu den heute üblichen, meist für jedermann zugänglichen Freihandbibliotheken der Gemeinden und Hochschulen reicht.
Die Bibliotheken lassen sich nach ihren Funktionen beschreiben. Die Aufgaben einer Nationalbibliothek nehmen Die Deutsche Bibliothek (Frankfurt/Main und Leipzig) sowie die Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz in Berlin und die Bayrische Staatsbibliothek in München wahr, hinzu kommen drei Zentrale Fachbibliotheken. Wissenschaftliche Hochschulbibliotheken, regionale Staats- und Landesbibliotheken dienen vor allem der Forschung und Lehre und wenden sich an Hochschulangehörige und Studierende. Für die allgemeine Informationsversorgung in den Kommunen sorgen unterschiedlich große Stadt- und Gemeindebibliotheken, die einen wichtigen Beitrag zur Einlösung des Grundrechtes der Bürger leisten "sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten". Daneben fördern, beraten und unterstützen in den Ländern staatliche Büchereistellen bzw. kirchliche Büchereifachstellen die Arbeit der öffentlichen Bibliotheken vor Ort.
Das Informations-, Medien- und Dienst-leistungsangebot der Bibliotheken stellt sich den Herausforderungen der modernen Zeit, längst gibt es nicht nur Bücher und Zeitschriften, sondern auch Spiele, CD-Roms, Filme, DVDs und Hörbücher und was der medieninteressierte Mensch sonst noch begehrt. Lesefähigkeit und lebenslanges Lernen, Medienkompetenz und methodische Fertigkeiten zum Recherchieren und kritischem Erkennen wichtiger Informationen sind für den Einzelnen elementare Kulturtechniken, die er zur Bewältigung von Schule und Ausbildung, Berufsleben und Alltagswelt dringend benötigt.
Was früher Wochen dauerte, geht heute blitzschnell - der Elektronik sei Dank: über den deutschen Leihverkehr und verschiedene Dokumentlieferdienste erhält der Besteller nahezu jede gewünschte, am heimatlichen Bibliotheksort ggf. nicht vorrätige Publikation in Papierform oder auf elektronischem Wege vermittelt. Ein Netzwerk von sechs regionalen Verbundzentralen koordiniert den Leihverkehr, sammelt und speichert alle medienbezogenen Bestandsdaten der wissenschaftlichen Bibliotheken und bietet sie per Internet als "Virtuelle Bibliothekskataloge" an.
Die Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände e.V. (BDB) mit Sitz in Berlin bildet den gemeinsamen, spartenübergreifenden Dachverband zur Interessenvertretung der bibliotheksbezogenen Verbände und Einrichtungen. Ihr gehören an: Deutscher Bibliotheksverband e.V. (DBV), Berufsverband Information Bibliothek e.V. (BIB), Verein Deutscher Bibliothekare e.V. (VDB), ekz.bibliotheksservice GmbH, Goethe-Institut, Bertelsmann-Stiftung.
Der jährlich vom Verein Deutscher Bibliothekare und dem Berufsverband Information Bibliothek e.V. organisierte Deutsche Bibliothekartag und der im Dreijahresturnus von der BDB veranstaltete Deutsche Bibliothekskongress sind die größten zentralen Fachtagungen.
Wichtige Themen, die die Bibliotheken beschäftigen, sind die Entwicklung neuer Dienstleistungen, etwa die Online-Recherche für kleinere und mittlere Unternehmen oder Standards und Ordnungssysteme für elektronische Publikationen sowie Soft- und Hardwarelösungen, die zur Aufbereitung, Bereitstellung und Archivierung multimedialer Publikationen benötigt werden.
| Statistisches: Rund 11.350 Bibliotheken sind im Jahr 2001 in der Deutschen Bibliotheksstatistik erfasst worden. Davon befinden sind ca. 5.400 in Trägerschaft der Kommunen und Landkreise inkl. 150 mobile Fahr- und 70 Musikbibliotheken, 3.800 in katholischer und 980 in evangelischer Trägerschaft inkl. 350 Patientenbibliotheken in Krankenhäusern. Die Bundesländer unterhalten 40 regionale Landes- und Staatsbibliotheken, 80 Universitätsbibliotheken (mit 670 Institutsbibliotheken), ca. 175 Fachhochschulbibliotheken und 900 wissenschaftliche Spezialbibliotheken. Der Bund unterhält außerdem rund 50 Parlaments-, Gerichts- und Behördenbibliotheken sowie als bestandsmäßig größte Bibliothek Die Deutsche Bibliothek. Hinzu kommen noch rund 4.000 Schul- bzw. Lehrerbibliotheken in allgemeinbildenden Schulen. In den Zahlen sind nicht enthalten rund 1.800 sonstige privat und öffentlich finanzierte Spezialbibliotheken, so dass von einem Gesamtbestand von rund 18.000 Einzelbibliotheken auszugehen ist. |
Jürgen Seefeldt
Jürgen Seefeldt ist Dipl.-Bibliothekar, Leiter der Landesbüchereistelle Rheinland-Pfalz in Koblenz, Mitglied des "Berufsverbandes Information Bibliothek e.V." (BIB), geschäftsführendes Vorstandsmitglied im Landesverband Rheinland-Pfalz des Deutschen Bibliotheksverbandes e.V. (DBV), Autor verschiedener Fachliteratur zum Bibliothekswesen, nebenamtlicher Dozent mit Lehraufträgen an den bibliothekarischen Fachhochschulen in Köln und Bonn.
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