Costa Rica

Warren Ulloa

Warren Ulloa by Esteban Salas.Warren Ulloa © Esteban Salas Warren wurde im Juni 1981 in San José, Costa Rica geboren. Derzeit leitet er die Online-Literaturzeitschrift Literofilia. Er hat Werbung studiert, brach aber das Studium ab, um zu schreiben.
“Schriftsteller sein ist grundlegend in meinem Leben, ich könnte sagen lebensnotwendig. Deswegen suche ich berufliche Projekte, bei denen ich lesen und schreiben kann. Manchmal mache ich Werbung über soziale Netzwerke, wodurch ich am Computer sein und schreiben kann. Toll wäre, wenn ich davon leben könnte, aber wir wissen ja, dass das in der Region sehr schwierig ist”, sagt er.

Warren erzählt mir, dass er sehr früh mit dem Schreiben angefangen habe. Mit fünf Jahren verfasste er seine erste Erzählung. Er hatte schon immer Freude am Geschichtenerzählen, und zu Schulzeiten zeichnete er Comics. Mit 20 Jahren nahm er sich vor, das ernsthaft zu betreiben.

“Damals begann ich eine hemmungslose Leserallye und durchlief jede Menge Schriftsteller. Vom lateinamerikanischen Boom über die Beat Generation, den französischen nouveau roman, die Russen, die Deutschen, die Japaner – viele Schulen. Als ich mich ausgetobt hatte, ging ich in einen Literaturworkshop unter der Leitung von Danilo Pérez, einem Professor an der Universidad Nacional. In der Hitze dieses Workshops entstand mein erster Geschichtenband”, berichtet er.

Er hat zwei Bücher veröffentlicht: “Finales aparentes” (Geschichte, Uruk Editores 2008) und “Bajo la lluvia Dios no existe” (Roman, Uruk 2011). Für letzteres Werk erhielt er 2011 den costaricanischen Romanpreis “Aquileo J. Echevarría”, die höchste Auszeichnung der costaricanischen Regierung für Künstler verschiedener Richtungen.

“Ich hatte das Glück, den Preis mit 30 Jahren zu erhalten, während viele ihr Leben lang davon träumen, vor allem Schriftsteller. Es gab sogar Gerüchte, dass nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sei, und Ärger, aber das ging nicht weiter als zum tropischen Ego irgendeines kreolischen Schriftstellers”, antwortet er auf meine Frage nach der Bedeutung des Preises für seine Laufbahn als Schriftsteller. Er betont, dass ihm diese Auszeichnung sowohl Prestige als auch unerwartete Feinde eingebracht habe.

Seinen literarischen Stil bezeichnet der Autor als puntkuell - er als Schriftsteller fliehe vor lyrischen Schleifen. “Ich glaube an eine reine Prosa, die einen Beitrag zur eigentlichen Geschichte leistet. Die Wirklichkeit ist faszinierender als jede Phantasie. Ich mag gerne soziale und politische Themen, die mit Sarkasmus und Ironie behandelt werden”, erzählt er mir.

Zu seiner Motivation zum Schreiben sagt er, er tue es aus der Eitelkeit heraus, sich unter seinen Figuren und ihrem Leben wie ein Gott zu fühlen, und weil es ihm ein Bedürfnis sei, eine Geschichte zu erzählen. “Ich schreibe, weil ich weder an Priester noch an Psychologen glaube, ich schreibe, weil mich nichts anderes interessiert und ich nichts anderes kann”, sagt er.

Inspiriert wird er von der Doppelmoral seines Landes. “Ich möchte in ihr herumstochern, sie zerstören und sie zur Schau stellen. Die passive Aggressivität, die den durchschnittlichen Costaricaner dominiert, das ist ein weiteres Thema von mir. Ich mag gerne explosive und unbequeme Themen wie Sex, Religion oder Menschenrechte.”

Schriftsteller, die ihn inspirieren, sind Julio Ramón Ribeyro, Antonio Tabucchi und John Fante. “Ich mag gerne gute und gut erzählte Geschichten mit einer geschliffenen Prosa, die sich nicht an Ideen oder Gedanken ergeht, sondern die Geschichte nährt und den Leser anzieht. Schriftsteller, die so arbeiten, geben den Argumenten mehr Form, einer guten Geschichte mit einer einfachen, aber einwandfreien Prosa. Deswegen gefallen sie mir sehr”, sagt er.

Warren betont, von Zentralamerika als regionalem Konzept immer weit entfernt gewesen zu sein. Mit den Jahren, erzählt er mir, habe er nicaraguanische Immigranten kennengelernt, an denen er die Berührungspunkte mit anderen Ländern des Isthmus festgestellt habe, ebenso wie die brüderlich geteilte “Hassliebe”.

“Ich habe einmal einen Honduraner kennengelernt, der sich seinen Lebensunterhalt mit dem Ernten von Zwiebeln verdiente und mir von Honduras erzählte. Aus irgendeinem Grund erschien mir sein Land, so wie er davon sprach, weit entfernt, unbekannt. Um ehrlich zu sein, kenne ich die Gegend nur über den Fußball. Für mich ist “Zentralamerika” etwas weit Entferntes und Fremdes. Vielleicht sind daran die Kriege schuld, die uns in Befremden versetzt haben. Verbinden kann uns vielleicht das Essen und die verrückte Fußballbegeisterung, die Korruption oder die Geografie.”

Ein Portrait von Vanessa Núñez Handal.
Übersetzung: Lutz Kliche


Auszüge

Warren Ulloa: Maremotos Warren Ulloa: Sacrofetichista

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