Dominikanische Republik

Rey Andújar

Melanie Taylor by Fernando BocanegraRey Andújar © privado Rey Andújar kam 1978 in der Dominikanischen Republik zur Welt. Zurzeit wohnt er in Chicago, nachdem er an so unterschiedlichen Orten wie Curacao, New York und Puerto Rico gelebt hat. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er hat, neben seiner Lehrtätigkeit, in Hotels und Restaurants gearbeitet. Andújar ist der Autor der Romane „El hombre triángulo“ (Isla Negra Editores) und „Candela“ (Alfaguara), der vom PEN Club Puerto Rico als einer der besten Romane des Jahres 2009 ausgewählt wurde.

Der Autor erzählt, er erhalte seine Inspiration aus dem Bewusstsein heraus, dass sich durch die Sprache Dinge schaffen lassen, die uns zu leben helfen, die die Phantasie der anderen zum Leben erwecken können. Die Metapher, dass sich etwas ändern kann, dass man sein eigenes Universum formen kann.

Sein Kurzgeschichtenband „Amoricidio“ erhielt bei der Buchmesse 2007 den Preis für die beste Kurzgeschichte eines Nachwuchsautors und wurde im Verlag „Agentes Catalíticos“ in Puerto Rico veröffentlicht. Seine Textsammlung „Saturniano“ wurde mit dem „Preis für Überseeliteratur 2010“ ausgezeichnet, ins Englische übersetzt und vom Verlag Sietevientos in Chicago und Mexiko veröffentlicht. Der mexikanische Verlag Librosampleados veröffentlichte die Erzählung „Ecuatur“, die den ersten Platz im Kurzgeschichtenwettbewerb der Northeastern University gewann. Sein Roman „Los gestos inútiles“ hat gerade bei der Buchmesse in Havanna im Februar 2015 de 6. Preis „Alba de Narrativa Latinoamericana y Caribeña” (etwa: Neue lateinamerikanische und karibische Prosa) erhalten.

„Ich habe aus Nachahmungsgründen die Karriere eines Schriftstellers eingeschlagen. Ich wollte die Bücher imitieren, die mir gefielen, die Autoren, die ich bewunderte, und um Bücher zu schreiben, die ich gern selbst lesen wollte. Das ist die poetische Seite … die praktische Seite ist, dass ich schreiben wollte, um zu zeigen, dass man eine solche Autorenexistenz führen kann. Meine Freunde aus der Geschäftswelt meinten immer, man könne nicht ein solches „Doppelleben“ führen, ich wollte die Extreme ausprobieren und beweisen, die andere Seite, die Möglichkeit im Unmöglichen“, erklärt er.

Nach einer Ausbildung in der Wirtschaft zog Andújar nach New York, wo er alle möglichen Workshops teilnahm, Tanz, Dramaturgie, Schauspiel, Poesie, kreatives Schreiben. Dort schrieb er seine erste Geschichte, „El factor carne“ („Der Faktor Fleisch“), die eine besondere Würdigung erfuhr. Nach den Geschichten folgte die Novelle, „El hombre triángulo“ („Der Dreiecksmann“), die ihm, die er sagt, die Türen der Verlage öffnete.

„Normalerweise wandern die Leute aus der Dominikanischen Republik Richtung Norden aus, in die Vereinigten Staaten und dann nach Spanien, Frankreich oder Deutschland. Mein Vater ging nach New York, doch meine Mutter in die holländische Karibik. Ich blieb auf den Inseln und konnte erst Ende der 90er Jahre in die USA gehen. Ich rede viel von der Reise, denn für das, was ich schreibe, ist das Auswandern grundlegend. Um den Psychostress dieser Reisen zu überwinden, bin ich als Kind zum Lesen gekommen, um parallele Universen für mich zu schaffen“, sagt Andújar auf die Frage nach den Themen seiner Literatur.

Deshalb hat für den Autor das Schreiben mit In-Bewegung-Sein zu tun. „Ich begann zu lesen, um den Stress der Reisen im Flugzeug zu überstehen, und um die Leere zu füllen, die der weggang meiner Eltern in mir als Kind hinterließ. Ich bin damals ein bisschen introvertiert geworden und habe mich auf das Lesen konzentriert, auch wenn ich mich nicht in es hinein geflüchtet habe“, meint er.

Andújar zufolgesind seine ersten Geschichten durch die Lektüre von Margquerite Yourcenar, Reinaldo Arenas und Bryce Echenique beeinflusst worden. „Ich habe drei Romane geschrieben, die vielleicht ins Krimigenre gehören und von Ricardo Piglia, Paul Auster und Leonardo Padura beeinflusst sind. Meine Geschichten, eigentlich alles, was ich schreibe, hat eine starke körperliche Komponente. Eine dauernde Suche nach Definitionen durch den Gebrauch des Körpers“, sagt er.

„Mittelamerika und die Karibikregion sind durch ihre Mängel miteinander verbunden“, meint Andújar. „Die großen Verlagskonzerne werfen ihre Produkte auf den Markt, ohne sich um die Bedürfnisse und Vorlieben der wenigen Leser zu kümmern. Es gibt keine Konzepte für die Entwicklung und Förderung von in der Region entstehenden Texten. Es werden immer die Texte aufgezwungen, die aus den Konzernzentralen kommen, und die schlechten Übersetzungen von Bestsellern, die schon in ihrer Originalsprache mittelmäßig sind. Dass diese großen Verlage jetzt von noch größeren geschluckt werden, hilft auch nicht gerade. Die Bücher der Autoren aus der Region bleiben dabei in einem entsetzlichen Limbo, im Vakuum. Und so grenzt es an ein Wunder, wenn mal das Buch eines Autors aus der Dominikanischen Republik nach Nicaragua oder Guatemala gelangt.“

Zwar kämpfen die unabhängigen Verlage in der Region, wie er meint, unbeirrt ihren Kampf dagegen, doch kommen sie gegen den Einfluss der großen Verlagskonzerne kaum an. „Die Arbeit dieser unabhängigen Initiativen ist zwar aller Ehren wert, doch muss man gestehen, dass es für einen Autor genau so schwierig ist, in den kleinen Verlagen der Region veröffentlicht zu werden. Auch zu diesen ist der Zugang unwahrscheinlich begrenzt“, erklärt er.

Andújar hält sich selbst eindeutig für einen karibischen Autor. „Zwar habe ich an vielen Orten gelebt, doch wenn ich schreibe, schreibe ich von diesem Ort aus. Mich interessiert das Meer, die Sexualität, die karibische Sinnlichkeit, ihre Beziehungen zum Kolonialismus, die Wanderungsbewegungen ihrer Bewohner und ihre Isoliertheit untereinander“, schließt er.

Ein Portrait von Vanessa Núñez Handal.
Übersetzung: Lutz Kliche


Auszüge

Rey Andújar: Hospital Central.

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