Honduras

Jessica Sánchez

Jessica Sánchez © Cortesía de la autoraJessica Sánchez © Cortesía de la autoraJéssica Sánchez. Frau, engagiert, Feministin, Schriftstellerin, Mutter von Ámbar und Ramay, enthusiastisch, vielfältig, solidarisch, schlaflos, gesprächig, Freundin, mutig, mit verwegener Schreibweise, introspektiv, Ehefau, Beobachterin, Idealistin, zärtlich, bewegt, dreist, ausgefüllt, intelligent, dynamisch, Korrespondentin, leidenschaftlich, Kollegin.

Nicht einmal 25 Beinamen würden ausreichen, um zu beschreiben, was in Jéssica Sánchez gefunden werden kann. Es handelt sich um eine in Peru geborene und in Honduras eingebürgerte Schriftstellerin, die einen lobenswerten Einfluss im soziokulturellen und politischen Spektrum Honduras´ zu Ende des 20. und Beginn des 21. Jahrhunderts zu verzeichnen hat. In mehreren hondurensischen und zentralamerikanischen Anthologien abgedruckt, bricht sie mit dem noch immer bestehendem Vorurteil gegenüber weiblichen Schriftstellerinnen, welches nahelegt, dass diese ausschließlich rosige, romantische oder kitschige Themen bearbeiten würden.

Jéssica widmet sich ausgehend von der Perspektive ihrerer eigenen Arbeit Fragen über Gender und Gewalt gegen Frauen. Sie schafft es, diese Themen in ihre Literatur aufzunehmen, ohne dabei feministische Tendenzen zu entwickeln, welche von einigen Schriftstellerinnen manchmal vernachlässigt werden und ihre Arbeiten somit in diskursive Tribünen verwandeln.

Infinito Cercano (Unendliche Nähe), herausgegeben 2010 vom Letra Negra Verlag, ist eine unanfechtbare Probe des Arguments im vorhergehenden Absatz. Dort finden sich Geschichten von anonymen Frauen einerseits und Frauen mit Vornamen und Nachnamen andererseits. Letztere könnten ebensogut Elena Sánchez oder Coralia Armijo heißen. Großteils handelt es sich um Alltagsgeschichten, die normalerweise nicht weiter beachtet werden, weil weitläufig angenommen wird, dass sich die Rolle der Frauen darauf reduziert hat, sämtliche Beschwerden und Beklemmtheiten zu verschweigen.

Eine ihrer weiblichen Figuren sagt: „Niemand will sich sein Leben durch die Macken anderer erschweren lassen; besonders dann nicht, wenn dieser Andere eine Frau mit klaren hysterischen und außerdem hypochrondrischen Zügen ist.“ An dieser Stelle zeigt Jéssica ihre kritische Haltung gegenüber Männlichkeitsmodellen, mit denen Frauen traditionellerweise erzogen wurden.

Sie verwendet die Ablenkung und den schwarzen Humor als Verteidigungsmechanismen ihrer Figuren, welche die Geschichten von mehreren Generationen, ihrer Leiden und Lasten, erzählen. Dies regte mich dazu an, über die Arbeitserfahrung von Jéssica Sánchez in Bezug auf Genderbeziehungen nachzudenken. Sie erreicht die schriftliche Umsetzung dieser realen oder irrealen Geschichten hondurensischer Frauengenerationen. Diese könnten sich jedoch genausogut in anderen Teilen Lateinamerikas ereignen.
Um ihre Geschichten zu erzählen, verwendet Jéssica die Genealogie als Kunstgriff. Auch wenn es stimmig klingt, wenn die Autorin das Leben ihrer eigenen Großmutter und Mutter erzählt, so führt sie uns insgesamt durch ein verzweigtes Geflecht aus Stimmen, die in diesen drei Frauen zusammengefasst sind.

Ein Portrait von Madeline Mendieta
Übersetzung: Christoph Schabasser


Auszüge

Jessica Sánchez: Microcuentos © SA 3.0 Jessica Sánchez - Margarita © Zwischen Süd und Nord: Unionsverlag

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