Panama

Melanie Taylor

Melanie Taylor by Fernando BocanegraMelanie Taylor © Fernando Bocanegra Melanie Taylor, 1972 in Panamá-Stadt geboren, zählt zu ihren literarischen Vorbildern Ursula K. Le Guin und Octavia E. Butler. Für die Autorin von Tiempos Acuáticos (Ediciones Marginales, 2000), Amables Predicciones (Universidad Tecnológica de Panamá, 2005), Microcosmos (minificción, 2009) y Camino a Mariato (Editorial Amerrisque, 2009), war es, wie sie sagt, erfrischend, als sie diese Autorinnen vor einigen Jahren kennenlernte.

Melanie erzählt, dass sie schon als kleines Mädchen spontan zu schreiben begann. Sie schrieb Geschichten, Briefe an Empfänger ihrer Phantasie, Gedichte, Tagebücher. Die Entscheidung, sich ernsthaft dem Schreiben zu widmen, entstand jedoch in zwei Etappen. Die erste fand statt, als sie Anfang der 1990er Jahre einen Kurs im Geschichtenschreiben besuchte, den der panamesische Schriftsteller Enrique Jaramillo Levi anbot. Damals begriff sie, wie sie selbst sagt, dass der Beruf des Schreibens eine formale Angelegenheit war und nicht einfach vom jeweiligen Gemütszustand, der aktuellen Laune abhängen durfte. Die zweite Etappe begann, als sie ihre Tochter bekam. Damals musste sie mehrere Monate zu Hause bleiben. Und seither hat sie mit dem Schreiben nicht mehr aufgehört.

„Ich lese sehr gern Lyrik ganz allgemein. Und von den zeitgenössischen panamesischen Dichtern gefallen mir besonders Lil María Herrera, Lucy Chau und Héctor Collado.“ Auch findet sie, dass die Poesie Guatemalas sehr kühn in ihrer Form und musikalisch in ihrem Inhalt ist. „Ich glaube, das Lesen von Gedichten gibt dem Erzähler Flexibilität und Flüssigkeit beim Schreiben“, meint sie. Melanie selbst hat auch Gedichte geschrieben.

Auf die Frage nach ihren Inspirationen antwortet die Autorin: „Die Leute erzählen für gewöhnlich Geschichten von Bekannten, die als Material dienen können, wenn man an einem Text arbeitet. In Panama ist das Meer allgegenwärtig, weshalb es in jeden Text zu dringen pflegt, ob er nun Poesie oder Prosa ist.“

Melanie nennt auch die Musik als Quelle der Inspiration für ihr literarisches Werk. Denn Melanie ist nicht nur Schriftstellerin, sondern auch Musikerin. Sie ist eine professionelle Geigerin und hält nicht nur einen Master in Psychologie, sondern auch in Musiktherapie. Sie hat mehrere Literaturpreise gewonnen, wie den Einzelpreis des Wettbewerbs “Rafaela Contreras” im Jahre 2009 und den 8. Internationalen Preis “Sechster Kontinent”, verliehen im Jahre 2011 vom Verlag Ediciones Irreverentes.

„Ich bin auf der Suche nach einer Form des Erzählens, die im Einklang steht mit dem, was ich bin: eine schwarze Frau, aus Panama, karibischer Abstammung, die glaubt, dass sich in der Literatur ein Raum der Freiheit finden lässt, den zu suchen uns die Wirklichkeit herausfordert. Ich denke auch, dass die Literatur darin besteht, immer wieder neue Arten literarischer Schöpfung und neue Weisen zu probieren, die Schönheit zu definieren. Ich möchte mir gern vorstellen, dass diejenigen, die mich lesen, meine Texte mögen, weil sie in ihren Köpfen oder Mündern den Klang, den Geschmack meiner Worte wiedererschaffen, oder so ähnlich. Eine sinnlich erfahrbare Literatur“, sagt sie.

Irgendwann einmal hatte sie die Idee, zusammen mit ihrem Mann eine Reise durch Mittelamerika zu unternehmen, verrät sie. Die Karibikküste zu bereisen, um mehr Informationen über die ethnischen Gruppen zu bekommen, die von den Inseln der Karibik stammen, wie zum Beispiel die Garífunas. Der Plan war, sagt sie, im Bus von Land zu Land zu fahren. Allerdings ist der Traum fürs erste auf Eis gelegt. Ihre Tochter und die verschiedenen täglichen Verpflichtungen haben im Moment Vorrang.

Unter den zahlreichen literarischen Festivals und Autorentreffen, an denen sie teilgenommen hat, sollen hier nur das erste Treffen von Schriftstellern afrikanischer, indigener und chinesischer Herkunft, das im Jahre 2012 in Costa Rica abgehalten wurde, und das 10. Treffen lateinamerikanischer Autorinnen während der Buchmesse in Guatemala im Jahre 2012 genannt werden.

Was Mittelamerika angeht, so meint sie, dass die Region durch einen „Winzling“-Komplex geeint ist. „Wir sind sehr arm und klein. Die kulturelle und biologische Vielfalt der Region sind gleichzeitig beeindruckend. Doch die Korruption auf allen Ebenen und der fehlenede Wille, alle Bevölkerungsgruppen in die Entwicklung der Länder zu intergrieren, sind tödlich“, schließt sie.

Ein Portrait von Vanessa Núñez Handal.
Übersetzung: Lutz Kliche


Auszüge

Melanie Taylor: A falta de ficción Melanie Taylor: Psicopatología feminista

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