Büchertisch

Roxana Méndez: El cielo en la ventana

EL CIELO EN LA VENTANA | DER HIMMEL IM FENSTER

Roxana Méndez: El cielo en la ventana Am Himmelsrand

Wie ein Wintertag
zurückgelassen aber immer noch mein
dein Name sprießt auf meinen Lippen
wie ein Archipel
vor einem roten Meer,

und wenn ich spreche
irgendeine Sprache dieser Welt
streift dich mein Atem
wie das langsamste Licht des Herbstes
wenn es die Konturen der Blätter glättet.

Ich habe viele Okzidente gesehen.

Die Giraffe und der Löwe
hörten meine Stimme
und schauten mich an.
Mein Schatten streckte sich aus
und unsere Augen trafen sich
im Zentrum der Savanne
und der Erde
und in diesen meinen Augen
war auch dein Bild,
auf meine Pupille tättowiert
wie ein Blitz in der Dunkelheit.

Ich berührte den tausendjährigen Stein,
mein Fuß tauchte ein
in sieben verschiedene Meere
und auch wenn ich wieder ging
blieb ich dort
immer am gleichen Ort,
eingeschlossen im Rande
dieses Himmels der deinen Lippen so ähnlich ist.
Wie ein Winter- oder Sommertag,
dein Körper ist mein Horizont,
das unendliche Ende
meiner geschlossenen Augen


Erstes Bild aus Südafrika

Vor dem Hotel ein See
Rundherum Zypressen, die sich ausbreiten
wie grüne Rufe an der Grenzee zum Altertümlichen.
Ich nähere mich dem Fenster
und verstehe, dass der Wind
aus dem Rachen des Löwen kommt,
und ich höre ihn
auch wenn es nicht so scheint,
es ist ein Brüllen.

Über dem Kopf des Elefanten
erwächst die Morgendämmerung.
Im Namen der Antilope
flüchtet er auch vor dem Tag.

Wenn die Nacht hereinbricht,
versteinert der See
bis er sich in Dunkelheit verwandelt,
ein tiefes Auge
wie das des Mörders
der seine Beute beobachtet
ohne sich zu bewegen
inmitten des Dickichts.

Die Brise, das Parfüm, die Vögel
entfernen sich von dieser Kälte,
die Menschen versinken
in ihren Silhouetten
im Schutz des Feuers
und alles tritt hinter den Schatten zurück,

aber alles was geht
kommt mit dem Tag zurück,
mit der Sonne,
die gerade einmal
einen Hauch von Wärme erzeugt.

Wo immer sie auch hinsehen will,
ich verstehe, dass Afrika
der Beginn des Menschen ist
zu jeder Zeit,
alles erscheint wirklicher
sogar die Welt.
Übersetzung: Christoph Schabasser

"El cielo en la ventana" ist erschienen bei Valparaíso Ediciones, Spanien, 2012.

    Zur Autorin

    Roxana Méndez, Dichterin und Schriftstellerin aus El Salvador, geboren 1979, beichtet, dass einer ihren größten Einflüsse Wislawa Szymborska war, eine polnische Dichterin, die andeutete, dass alles unser Eigen ist, solange wir es betrachten (...) Mehr...

    Service