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Lili Mendoza: El corte

DER HAARSCHNITT | EL CORTE

Lili Mendoza: El corte Dies hier ist nicht die Gegend an der Plaza Herrera im städtischen Epizentrum für hippe Rucksacktouristen mit ihren alten Gringos in Flip-Flops, sondern das bislang noch nicht von der aggressiven und schlecht geplanten Entwicklung namens Unesco-Weltkulturerbe plattgemachte Stück; weder du noch deine Armee wagen sich in diese Gegend, und wenn wir einen Hellhäutigen die Grenze übertreten sehen, reißen wir die Arme hoch und pfeifen: Hey! Hey du! Nein, hierher nicht. Verzieh dich in die Calle 12. Genau, Modafoka. Verzieh dich dahin. Damit du dir nicht die Ferien versaust mit komplizierten Erzählungen von einem Überfall, zwischen deinem Abstecher ins Casco – wie du es ja gern nennst – und der Weiterfahrt nach Taboga.

Ich bin in Calidonia aufgewachsen, und als kleines Mädchen war ich hässlich. Deswegen habe ich, verdammt noch mal, Persönlichkeit – sag ich mir –, und kann inmitten dieser Bevölkerungsschicht überleben, die die Unesco in ihren Berichten als Opfer der wachsenden Gentrifizierung, der Verbürgerlichung, anführt. Ich möchte ihr eine Mail schreiben, der Unesco, grad hier vom Bürgersteig aus mit dem Bier in der Hand, und ihnen sagen: Fehlanzeige, was es auf der hübschen Seite des Platzes gibt, sind Investoren und zwar keineswegs bürgerliche. Zu viel Geld und Null Bock auf die Begegnung mit Schwarzen. Der Preisanstieg pro Quadratmeter von Block zu Block ist enorm, dreihundert Dollar für ein 27qm-Appartment. Durchquer mal den Park, und dann reden wir, Mann. Die Preise haben sich in Null Komma nichts verdoppelt. Aber gut, dass sie immer noch ihre White Panic hegen: Meine Seite der Avenida A ist nach wie vor gut panamesisch. Dieselben Investoren, Eigentümer von Luxusgebäuden und Anwohner protestieren gegen den Bau einer Küstenstraße, die den historischen Stadtkern unwiederbringlich versauen wird, genau wie ihre Millioneninvestitionen in Restaurants, Klimaanlagen, Schmiergelder und Verbindungsleute. Auf der anderen Seite des Parks das immergleiche Bild der Armut. Das ganze Viertel arbeitet auf dem Bau, fast alle haben einen Job, und ja, Fortschritt, na klar, weil sie keine Ahnung haben, dass das für die eine andere Bedeutung hat. Fortschritt heißt für die Leute mit Schlips und Kragen: Dich gibt es gar nicht mehr, die Gattung „Creolis Panamensis“.

Da ich sowieso nicht unbemerkt durchs Viertel komme, nehm ich mir vor, jeden kennenzulernen. Sie sollen auch was von mir haben, und Bekanntsein ist hier eh die beste Waffe. Ich versteck mich hinter Unschuld und Gutmütigkeit und grüße das halbe Viertel; erste Begegnungen mit den Leuten von den Geschäften vor meinem Wohnhaus. Ricocha ist die paleolithische Venus aus Ebenholz, die freitags draußen frittierten Fisch und gebackene Bananen verkauft. Wir verabreden uns auf ein paar Bier – der Laden ist auf der anderen Straßenseite, ein Eisenstangen bewehrtes Monster mit Stahlzähnen, der Chinese Mario steckt die Hand durch ein Fensterchen und reicht mir zwei Balboa-Bier in Flaschen, weil die billiger sind. Ich geh wieder rüber, und wir trinken und halten dabei ständig ein Auge auf die Wiederauferstehung des Fischs, springlebendig in seinem Becken mit heißem Öl. Wir reden über Männer und werden gleich Freundinnen. Hier, mein Sohn, sie zeigt mir ein Handyfoto.
Ricocha macht eine Pause und geht zum Friseur rein, der heute am Samstag rappelvoll ist. Männer jeglichen Alters betreten und verlassen den – winzigen – Laden mit verschiedensten Dingen in der Hand: Haartönung, Blackberry, einem Kind, einem Kamm, und jedem, wirklich jedem tätschelt Ricocha den Kopf, eine sanfte Berührung, und erntet dafür ein strahlendes Zahltagslächeln. 

Von der Kundschaft trennen mich eine dunkles Schaufenster wie getöntes Autoglas und Ricochas Tisch, der vom vielen Frittieren und Taxitransport schon ganz wackelig und verkohlt ist. Ich riskiers. Mit der Flasche in der Hand stoß ich die Tür auf, Tag, und Ricocha stellt mich Abraham Franco vor, dem Besitzer des Element Barber Shops. Schicker Name, ich wohn oben drüber, sag ich. Und bin sofort akzeptiert. Abraham hat Air Condition und einen Super-Fernseher mit Kabelanschluss zum Fußballschauen, ich setz mich also und seh mich genau um. Die Männer sind jung, manche bringen ihre Söhne zum Haarschneiden mit oder bloß, um die Zeit totzuschlagen. Abraham ist seit 2010 Ladeninhaber und hat das Handwerk „übers Zuschauen bei einem Friseur da unten“ gelernt. Wo unten? In Barraza. Er ist empirischer Friseur. Jung. Muskulös. Er ist mehr als gut. Ricocha fragt ihn, ob sie den Tisch nachts in seinem Laden lassen kann, um sich die Taxifahrt mit dem schweren Klotz zu ersparen. Geht klar, Mami. Stell ihn rein, wenn du zumachst. Sie zwinkern sich zu. Mehr als gut. 

Die drei Barbierstühle sind besetzt. Ich setze mich neben Ramsés Villaverde, der nicht wartet, dass er drankommt, auch nicht hier arbeitet, aber die Schlüssel besitzt und den Laden am Morgen aufgemacht hat. Er ist ein Freund von Ariel, dem zweiten Friseur, der wohl gerade unterwegs ist, um Rasierklingen zu kaufen, und sich ziemlich verspätet. Wer gedacht hat, dass „Komme sofort“ in Panama generell schon ziemlich lang dauern kann: im Stadtteil Chorrillo dauerts noch mal doppelt so lang. Ramsés sitzt schon eine geschlagene Stunde dort. Er trägt auch schon zwei Jahre lang den gleichen Haarschnitt. Da ich kein einziges Schnittbuch oder Style-Zeitschriften sehe, frag ich ihn, woher er denn die Idee für seine eigene Frisur hatte. Sein Blick sagt: Aus welchem fokin Land kommst du denn? Er zuckt die Schultern. Von Chavi, sagt er. Dämlicher Blick meinerseits. Chavi, kennst du doch, na, den von Barcelona. Scheiße. Xavi Hernández. Ich reib mir die Augen. In diesem Viertel ist der Chavi der Hit, das Ding, die ganz große Scheiße. Und sieht folgendermaßen aus: an den Seiten geschliffen und oben länger; er klopft sich auf den Schädel. Schleifen heißt, das Haar so kurz abrasieren, wie der Kunde es wünscht, beide Seiten des Schädels, ein längerer Streifen Haar von Stirn bis Nacken wird hochgekämmt und mit Gel fixiert. Mir fällt seine Stirn auf. Das perfekte Quadrat. All das erzählt mir Ramsés, und mir brummt der Schädel, Déjà vu. Das hab ich doch schon mal gesehen. Natürlich. Bei Rita Hayworth. Wir Latinos haben stärkeren Haarwuchs, auf der Stirn wächst uns ein Flaum. Rita hatte lateinamerikanische Wurzeln, und um dem Schönheitsgebot ihrer Zeit zu entsprechen – goldene Zeiten für ihre ethnische Gruppe –, rasierte sie sich den Haaransatz. Wenn du den „Rita“ willst hier im Element, musst du ihn bei diesem Namen nennen: Cerquillo, Tonsur. Eine frisch aus der Verpackung gezogene Rasierklinge, und Zack!, das wars. Weg mit den Haaren. Die Linie über der Stirn ist sauber, und das Haar an den Schläfen, den Koteletten und im Nacken gut gestutzt. Die zum Vorschein kommende Haut ist viel heller, zarter. Ich erfahre, dass der Chavi in verschiedenen Versionen daherkommt, mit quadratischer Stirn, in U-Form, nach unten hin ausgedünnt, dreieckig. Und alle vierzehn Tage antreten zum Nachschneiden. 

Herein kommt Luis. Herrera. 37 Jahre. Liiert oder verheiratet. Ich weiß nicht mehr. Luis ist anders. Wir unterhalten uns. Sein Wortschatz, seine Sprachmelodie sind speziell. Er spricht wie jemand, der es gewöhnt ist, öffentlich zu reden, ein Mann, der anderen etwas vermitteln muss. Er kommt auf dem Motorrad mit Gipsbein und nimmt den Helm erst hinter der Türschwelle ab. Sein Haar – kraus und buschig – wirkt wie ein zweiter Helm. Er kommt zum Schneiden. Ariel ist immer noch nicht aufgetaucht. Ich stelle mich vor. Was für einen Schnitt willst du? Ganz einfach, wie immer.
Zweistufig. Die Seiten ganz kurz, Rasierer auf Stufe 1, Schädel etwas länger, Stufe 2. Warum? Na, diese verrückten Schnitte, der Chavi, das ist was für kleine Jungs. Mir geht allmählich der Gesprächsstoff aus, also reden wir, du weißt schon, über Mode. Schweigen. Stil. Nein? Mann, der Look. Allgemeines Kopfnicken. 

Ramsés weiß genau, wonach er aussehen will, wenn er in den Spiegel schaut. Als der aufgebrezelte Cristiano Ronaldo auftauchte, wollte jeder Typ im Viertel so aussehen wie er. Manche wie Luis Fonzi, der Sänger. Die meisten aber wie Cristiano. Was tust du also? Du duschst, rasierst dich – im Moment nicht, ich lass mir einen Bart wachsen – und benutzt Adidas (Parfüm), Creme (Körperlotion), Haargel und dann die Klamotten. Pause. Als würde ich in Echtzeit die Dauer der Wahl der Kleidung und dem Anziehen mitvollziehen, merke ich dem Schweigen irgendwann an: Jetzt sind wir bei den Socken. Requiem, und weiter gehts. Was ziehst du an? Ein Polo-Shirt, die sind in Mode. Für draußen. Ziemlich enge, gut sitzende Jeans. Gürtel. Söckchen. Nike Shox, eine Muuse-Kappe. Beifälliges Lächeln ringsum. Wie gefällt dir der Look von Ronaldo? Keine Ahnung, ich mag enge Klamotten, sieht scharf aus. Da fällt mir ein, dass Cristiano sich die Augenbrauen zupft. Frag ich oder frag ich nicht? Ich probiers. Und die Brauen? Nein, Mann. Obwohl, die Jungs machen das. Luis unterbricht, die Jungs rasieren sich die Augenbrauen. Und das sagt er in einem Ton, den ich erst später verstehe. Luis will niemanden verletzen und nicht homophob klingen. Ich heb die meinen, die derzeit selbst ziemlich nach Rasierklinge schreien. Schau mal, das mit den Brauen ist was für Frauen. Aber inzwischen machen die Jungs ja alles. Mein Stiefsohn ist fünfzehn, und er nimmt Haarglätter, damit er sich seinen Chavi machen kann. Mehrere Köpfe nicken zustimmend. Also gut. Die Brauen nicht, aber Glätter. 

Aber ich enthaare mich überall. Hä? Luis mokiert sich über die Konkurrenz, die sich nicht nur die Achselhöhlen rasiert, sondern auch die Genitalien, er hat nämlich in einer Zeitschrift gelesen, dass Frauen nicht auf Behaarte stehen. Ich muss lachen. Hör mal, worauf wir stehen, das sind Markenklamotten. Wie man sieht. Und immer schön gebügelt. Geputzte Schuhe. Dieser Öko-Look ist was für kleine Hippie-Gringos. Mein Blick gleitet hinüber zu Abraham. Der Brusche sieht gut aus gut. Sogar sehr gut. Herausgeputzt. Wohlriechend. Ariel, der zweite Friseur, trifft ein. Die beiden sind wie die Poster-Boys aus der Schönheitsreklame. Hinter ihm kommt ein Mann herein, der genauso lang ist wie breit, ihm folgen im Gänsemarsch seine Frau, ein Baby auf dem Arm, und ein kleiner Junge von – ich schätze mal – sechs Jahren. Sie machen es sich so gut sie können neben mir bequem. Der Kleine bekommt die Haare geschnitten, er trägt bereits das weiße Hemd und die blaue Hose der Grundschule. Ich frag die Mutter, welchen Schnitt er denn kriegen soll. Die Mutter schaut auf den Boden und zeigt auf ihren Ehemann. Chavi? Der Ehemann lächelt und verneint. Etwas Normales. Luis unterbricht das Gespräch, er sagt, in der Schule sind solche Flausen nicht erlaubt. Nicht mal, wenn die Haare kurz sind? Negativ. Ein normaler Haarschnitt. Normal setzt sich neben Rita, und die beiden machen mir gemeinsam klar, was staatliche Erziehung in Panama bedeutet.

Gleichförmigkeit ist gewünscht. Das Normale. Nicht das Außergewöhnliche. Aha. Der Junge ist aufgeregt. Gerade ist Georges mit der Kamera in der Hand reingekommen, grauenhafte Schuhe und ganz und gar das Musterbild einer Pariser Fotografin. Sie hat ihr Skateboard dabei, ihr übliches Fortbewegungsmittel. Sie bittet die Eltern um Erlaubnis und knipst. Ariel beginnt bei Luis, Abraham bei dem Kind. Die Rasierklingen fliegen. Sie reden genauso entspannt über die Dinge des Alltags wie sie auch mit Köpfen umgehen, mit Geräten, Messern, aufdringlichen Menschen und Schriftstellerinnen. Kommt auch mal jemand zum Rasieren? Nein, sagt Ariel. Ab und zu mal ein älterer Herr. 

Manuel betritt den Salon. Der Laden platzt jetzt schon aus allen Nähten. Aber es ist Samstag, und da bleibt keiner außen vor. Ich sage, Mann, es ist doch nicht mal Zahltag. Abraham sagt, hier lebt man nur fürs Wochenende. Man weiß ja nie. Am Samstag muss man gut aussehen. Zwischen zwei Haarschnitten schauen Leute rein und grüßen, sie kaufen Fisch, trinken ein Bier, schielen auf den Fernseher. Georges lockt mich raus auf die Straße, ich soll den Verkehr aufhalten. Sie möchte ein Foto von der anderen Straßenseite schießen. Ich stelle mich mitten auf die Avenida A. Sie schleppen einen Barbierstuhl raus auf den Bürgersteig. Gejohle und Gehupe. Ein Teil der Kundschaft posiert vor dem Laden. Georges geht rüber und knipst. Ich verzieh mich von der Straße. Eine Frau schreit aus ihrem Auto heraus: Was für Typen!

Ich verabschiede mich. Georges düst auf ihrem Skateboard davon, ich steig die sechs Stockwerke in meine Wohnung hinauf und denke noch ein bisschen über das Gesehene nach. Mein Vorschlag war ernst gemeint, männliche Ghetto-Ästhetik, der Herausgeber fand das gut, aber ob ich den Leuten im Viertel mit ihrem Gemisch aus Schmerz und Gejammer, aus Zahltagsfreuden und zurückgehaltener Wut damit einen Gefallen tue? Von meinem Balkon aus sehe ich sie. Die Jungs im Footballstar-Look, die knappen pastellfarbenen Polohemden, die Olympia-Schuhe, der unverwüstliche Bogen ihrer Augenbrauen. Einer von ihnen führt als Markenzeichen einen jungen Pitbull mit sich. 

Das Bild dieser Gruppe von Männern, strotzend vom Abglanz ihrer ärmlichen Jugend, sie, ihr Körperkult und ihre Ticks stehen im scharfen Gegensatz zur Verkommenheit und dem Schmutz rund um die Avenida A. Und endlich fällt bei mir der Groschen. Es ist nicht alles verloren. Zuerst kommt das Individuum. Nach dem Gefängnis der staatlichen Schule bedeutet Aufmerksamkeit erregen alles. Dass man deinen Namen kennt, dass du gesehen wirst, das man sieht, was du trägst; nie mehr anonym sein, alles an ihnen zeugt von: das bin ich und das habe ich. Mehr noch. Dieser oder jener will ich mal sein. Mir auszudenken, welchen Weg sie einschlagen, um das zu erreichen, übersteigt die Vorstellungskraft meiner Feder und meines Spatzenhirns. 

Angesichts der rasanten Entwicklung frage ich mich, wie lange Abraham wohl noch in seinem Laden bleiben wird und Mario in seinem. Wie lange noch, bis Ricocha, Ariel und ich weichen müssen – und wohin –, wann wird uns die segnende Hand des Fortschritts erreichen? Aber sprechen wir von der Schönheit und ihren vielen Facetten. Sauberkeit. Hier ist männliche Körperpflege ein ästhetisches Gebot. Die Männer in diesem Viertel sind sauberer und wohlriechender als die im Multiplaza-Einkaufszentrum. Auf die Körperpflege legen sie genauso großen Wert wie auf ihre paar Klamotten. Ja, die Jugendlichen sind heute androgyner als es der Autorin lieb sein mag, aber sicher haben deine Eltern genau dasselbe gesagt, als du in den Achtzigern beim Frisör um den Haarschnitt von Daryl Hall oder John Oates gebettelt hast. Ach ja, und übrigens. Hier gehen die männlichen Männer nicht zum Frisör. Sie gehen zum Barbier. Dessen Verschwinden wäre nicht nur das Ende eines Berufsstands und einer Sparte Kleinstunternehmer, sondern auch einer Tradition, die von Mann zu Mann weitergegeben wird, vom Vater an den Sohn, von Nachbar zu Nachbar, von Freund zu Freund. Der Barbier ist das letzte maskuline Refugium, der Ort, an dem man um die geschlechtsspezifischen Dinge weiß und sie anwendet. Ich denke an die Väter der Mittel- und Oberschicht mit ihren Söhnen an der Hand in den Einkaufszentren, nach dem Kino gehen sie Videospiele kaufen, anschließend zu McDonald’s, und zum Schluss gibts noch was zu naschen. Und an die anderen im Park. Die Söhne aus der Mall haben ihre Zukunft, die aus dem Park genau die entgegengesetzte. In Downtown, wo die entsprechenden öffentlichen Räume knapper werden oder gefährlich sind und man jeden Cent umdrehen muss, sind die drei Dollar für einen Haarschnitt, der Gang zum Barbier, die Begegnung mit den Geschlechtsgenossen ein vertrauter Akt, der reinste Lehrgang für das Sozialverhalten erwachsener Männer; der angemessene Ort zur Weitergabe der männlichen Initiationsriten an die nächste Generation. Die Zukunftsaussichten dieser Jungen – so möcht ich‘s mir vorstellen – sind die von Männern, die sich auskennen und die gekannt werden. Mutig, weil sie ihre Umgebung nicht fürchten. Eingebunden, weil es unmöglich ist, sich aus dieser Gemeinschaft zu isolieren. Vergiss es. Den McDonald’s-Jungs fehlt‘s an Mumm. Und dieser Unterschied ist elementar.

Übersetzung: Stephanie von Harrach

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    Es gibt diese Momente beim Lesen, in denen man schlicht innehalten möchte. Weil man sich so tief in eine Szene eingetaucht ist, dass man sich als Teil von ihr fühlt und seinen ursprünglichen Ort in Raum und Zeit vergessen hat. In einigen ihrer besten Short Stories, Mikroerzählungen und literarischen Reportagen gelingt es Lili Mendoza, solche Momente anzulegen. Mehr...

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